Ältere Romane - Medientipps von uns gelesen + empfohlen

Simon Beckett : Der Hof

Überraschende Wendungen und spannende Handlungen sind das Markenzeichen von Simon Beckett. Auch in seinem neuesten Krimi „Der Hof“ lässt einem der Autor nur so viel Einblick wie nötig, um am Schluss alles in einem verblüffenden Finale enden zu lassen. Dabei ist der Roman ähnlich düster, aber nicht ganz so brutal wie die Vorgänger-Werke des Autors.  
Handlungsort ist ein abgeschiedener Bauernhof im Süden Frankreichs. Der junge Engländer Sean ist auf der Flucht vor der Vergangenheit und froh über die Isolation, die ihm der Hof und dessen Bewohner bietet. Denn auch sie haben Geheimnisse, die lieber unentdeckt bleiben sollen…
TDo

Daniel Glattauer : Die Wunderübung

Ähnlich wie in seinen früheren Romanen „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“ bildet der Autor in seinem neuesten Werk „Die Wunderübung“ einen matchballartigen Dialog zwischen seinen Charakteren.
Schauplatz ist in diesem Fall allerdings nicht der heimische Computer mit der dazugehörigen Mailbox, sondern das Behandlungszimmer eines Paartherapeuten und seinen beiden Klienten.
In schlichten Worten und ohne erhobenen Zeigefinger, schildert Daniel Glattauer die Problematik einer Beziehung, die auf den Alltag trifft.
TDo

Christos Tsiolkas: Barrakuda

Christos Tsiolkas wurde 1965 im australischen Melbourne als Sohn griechischer Immigranten geboren. Bei uns wurde er mit seinem Roman "Nur eine Ohrfeige" bekannt.
Sein neuer Roman "Barrakuda" hat mir allerdings noch besser gefallen. Tsiolkas hat den Roman sehr spannend konstruiert und lässt den Leser an der Entwicklung  und an den Gefühlen des jungen Schwimmers Danny sehr intensiv teilhaben. Danny stammt aus ärmeren Verhältnissen; durch seine guten sportlichen Leistungen bekommt er die Chance mit Hilfe eines Stipendiums eine Eliteschule zu besuchen. Dort fühlt er sich aber immer als Aussenseiter und versucht dies durch sportliche Erfolge wettzumachen. Im Leistungssport liegen Erfolg und Misserfolg allerdings sehr nahe beisammen. So fahren auch die Gefühle von Danny Achterbahn. Er möchte immer der Größte sein, scheitert allerdings an diesem Anspruch. Nach einer Gewalttat landet er im Gefängnis und muss anschließend mühevoll versuchen seinen Platz im Leben zu finden.
EGr

Asta Scheib: Sonntag in meinem Herzen - Das Leben des Malers Carl Spitzweg

Die Schriftstellerin Asta Scheib hat nach ihrem Roman über Giovanni Segantini nun nochmal einen biographischen Roman über einen Maler geschrieben: diesmal über Carl Spitzweg.
Sie hat sich sehr intensiv mit dem Künstler und seiner Zeit auseinandergesetzt. Sie schildert sehr einfühlsam und liebevoll das Leben des Malers: seine Kindheit, seine Ausbildung zum Apotheker und die Entwicklung zu einem erfolgreichen Maler. Seine Eltern, seine zwei Brüder, die ganze  großbürgerliche Münchner Familie und seine für ihn so wichtigen Freundschaften werden sehr detailliert beschrieben. Ein richtig schöner Schmöker, der das Leben im 19. Jahrhundert detailreich darstellt.
EGr

Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur

Nach der Diagnose "unheilbarer Hirntumor" begann der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf im Jahr 2010 seine Erfahrungen und Gedanken in einem Blog festzuhalten. Erst sollte es nur ein digitales Tagebuch für seine Freunde sein, dann wurde es von immer mehr Menschen gelesen. In dieser Zeit hat er auch noch sehr erfolgreich seine Romane "Tschick" und "Sand" geschrieben und veröffentlicht. Für "Sand" bekam er den "Preis der Leipziger Buchmesse".
In "Arbeit und Struktur", das jetzt auch in Buchform veröffentlich wurde, schreibt Herrndorf von seinen Operationen, Chemotherapien und Aufenthalten in der Psychiatrie; er berichtet von seinen Freunden, von seinen Gemütsverfassungen und von seinen Wahnanfällen. Am 26. August 2013 nahm er sich das Leben.
EGr

Alexi Zentner: Das Flüstern des Schnees

Stephen erzählt die Geschichte seiner Vorfahren, seines Großvaters, seines Vaters, seiner Schwester und seines Stiefvaters. Er erzählt vom harten Leben in der kanadischen Goldgräberstadt Sawgamet. Der Kampf der Goldgräber und Holzfäller mit der unbarmherzigen Natur, mit Schnee, Kälte, Eis und Feuer führt immer wieder zu neuen Todesfällen.
Ein realistisches und zugleich phantastisches Buch; sehr spannend zu lesen.
EGr

 

 

Erri de Luca: Fische schliessen nie die Augen

Wieder ein neues Buch von einem unserer Lieblingsautoren. Erri de Luca erzählt von einem älteren Mann, der sich an einen Sommer seiner Kindheit erinnert.
Der zehnjährige Junge verbringt einen Teil seiner Ferienzeit am Golf von Neapel mit den Fischern, die ihm in seiner Schweigsamkeit sehr ähnlich sind.
Mit seiner Mutter genießt er das Strandleben mit ausgiebiger Lektüre; dort gibt es auch noch ein Mädchen aus dem Norden, das ihn fasziniert; ebenfalls am Strand ein paar Jungen, die ihm nicht wohlgesonnen sind. Der Junge fühlt sich fast erwachsen  –  doch sein Körper kommt nicht hinterher. So erlebt er diesen zwispältigen Sommer, der von Erri de Luca wieder ganz wunderbar erzählt wird.
EGr

Wallace Stegner: Vor der Stille der Sturm

In letzter Zeit wurden einige Romane des 1993 verstorbenen amerikanischen Autor Wallace Stegner neu aufgelegt. Nachdem uns "Zeit der Geborgenheit" sehr gut gefallen hat, haben wir natürlich auch "Vor der Stille der Sturm" gekauft und gelesen. Es erschien ursprünglich 1970 unter dem Titel "Tage wie Honig".
Es geht wieder um einen alternden Mann, der versucht, sich in seinem Ruhestand zurechtzufinden. Der Literaturagent Joe Allston und seine Frau Ruth ziehen von der Ostküste nach Kalifornien, um den Ruhestand zu genießen. Doch ein auf ihrem großen Grundstück campierender Hippie und das Schicksal der jungen Nachbarin Marian lassen sie nicht zur Ruhe kommen.
EGr

Gail Jones: Ein Samstag in Sydney

Gail Jones berichtet in ihrem Roman von einem ganz normalen sonnigen Samstag am Hafen von Sydney. Am Circular Quay sind vier einzelne Menschen unterwegs, um die es in diesem Buch geht: Ellie, James, Catherine und Pei Xing.
Sie erinnern sich an ihre Kindheit, an ihre Familienmitglieder und an ihre Vergangenheit. Und ein paar haben sogar Kontakt miteinander. Ein leichter Samstag mit schweren Erinnerungen, der ganz unscheinbar auch wieder zu Ende geht.
EGr

Daniel Galera: Flut

Der brasilianische Autor Daniel Galera hat bereits mehrere Romane geschrieben. "Flut" ist nun das erste Buch, das auch ins Deutsche übersetzt wurde.
Im Mittelpunkt steht ein Sportlehrer, dessen Vater ihm eröffnet, dass er Selbstmord begehen wird. Dieses Vorhaben führt der Vater dann auch wirklich durch; sein Sohn nimmt anschließend die alte Hündin Beta zu sich. Mit seinem Bruder hat er sich wegen seiner großen Liebe zerstritten; auch mit der Mutter hat er wenig Kontakt. Aber er möchte herausfinden, was mit seinem Großvater geschehen ist. So macht er sich in den Küstenort Garopaba auf, wo sein Großvater wohl zuletzt gelebt hat, bevor er verschwunden ist. Er mietet dort eine Wohnung in der Nähe des Strandes, führt ein einfaches Leben, macht Bekanntschaften und arbeitet als Schwimmlehrer.
Ein hervorragend erzähltes Buch über einen Mann auf der Suche nach seiner Herkunft. Der spannende Roman zeigt die Einsamkeit und Ich-Bezogenheit von drei Generationen - von Großvater, Vater und Sohn. Daniel Galera versteht es, vom Anfang bis zum Ende des Romanes eine faszinierende Atmosphäre aufzubauen.
EGr

M. L. Stedman: Das Licht zwischen den Meeren

Janus Rock, Australien 1926. Kriegsheimkehrer Tom Sherourne tritt seinen Posten als Leuchtturmwärter vor der Küste von Perth an. Anfangs allein auf der kleinen Insel, begleitet ihn nach seinem ersten Landgang seine junge Frau Isabel. Fern ab der Welt führen Sie ein schlichtes aber glückliches Leben. Nur eines fehlt Ihnen noch zum Glück – ein Kind.
Als sie eines Tages ein Ruderboot mit der Leiche eines Mannes und einem Baby finden, scheint es für Isabel wie ein Gottesgeschenk. Gegen Toms Willen, nehmen sie das Kind als ihr eigenes auf.  Erst der nächste Landgang, zwei Jahre später, lässt sie erkennen, welche Folgen diese Entscheidung für das Leben anderer Menschen nach sich zog.
In einfühlsamen und zugleich eindringlichen Worten schildert M. L. Stredman das Leben in einer Welt voller Umbrüche und Konventionen. Die einzelnen Charaktere werden aus verschiedensten Perspektiven dargestellt, was eine Welle an Sympathien, Antipathien, Zwiespalt und Verständnis auslöst.
Ein wunderschön geschriebener Roman, der ein wahres Wechselbad der Gefühle auszulösen vermag.
TDo

Natalia Sanmartin Fenollera: Das Erwachen der Senorita Prim

Seniorita Prudencia Prim kommt nach Ireneo, weil sie dort die Stelle einer Bibliothekarin in einem Privathaushalt annimmt. Das spanische Dorf San Ireneo ist eine Kolonie, die sich hier um das Kloster gegründet hat. Es ist ein Rückzugsort für all diejenigen, die vor den Wirren und der Unruhe der modernen Welt fliehen wollen. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein.
Der Chef von Prudencia Prim ist ein höflicher und gebildeter Mann. Prudencia Prim fühlt sich in der Gemeinschaft sehr schnell wohl und von den Bewohnern gut aufgenommen. Sie schließt viele Freundschaften und führt viele gute Gespräche. Trotzdem verlässt sie den Ort, als sie ihre Arbeit, für die sie eingestellt wurde, erledigt hat. Vor ihrer Abreise besucht sie noch den alten Mönch, der ihr folgende Weisheit mit auf den Weg gibt: "Es gibt nur zwei Gründe, warum Menschen einen Ort ohne ersichtlichen Grund verlassen. Entweder laufen sie vor etwas davon oder sie suchen etwas."
EGr

Max Scharnigg: Vorläufige Chronik des Himmel über Pildau

Der Münchner Autor Max Scharnigg ist Journalist und arbeitet u.a. für die Süddeutsche Zeitung und Nido; für seinen ersten Roman hatte er bereits mehrere Preise bekommen.
In "Vorläufige Chronik des Himmel über Pildau" erzählt er die Geschichte des sechsjährigen Jasper Honigbrod, der mit seinem Vater Max und seinem Großvater Ludwig in einem abgelegenen Gehöft in Pildau lebt. Bei diesen drei Sonderlingen lebt zeitweise auch Lene-Mama und irgendwann kommt noch das gleichaltrige Waisenmädchen Lada hinzu. Mit diesen Personen lässt sich eine sehr phantasievolle und ideenreiche Geschichte des Einödhofes Pildau erzählen.
EGr

Espen Haavardsholm: Eine Liebe in den Tagen des Lichts - Roman um Edvard Munch

Der in seiner Heimat Norwegen sehr bekannte Autor Espen Haavardsholm hat eine Romanbiographie über den Maler Edvard Munch geschrieben.
Mit 79 Jahren verliebt sich der an einer schweren Bronchitits erkrankte Maler in die junge Jurastudentin Doffy. Sie lebt zusammen mit der Freundin Kari in Oslo. Bedingt durch den Krieg und die deutsche Besatzung ist das Leben sehr entbehrungsreich. Die beiden jungen Studentinnen interessieren sich sehr für Malerei und zeichnen in ihrer Freizeit auch oft gemeinsam. Um etwas Geld zu verdienen und weil sie ihn bewundert, bewirbt sich Doffy beim "Meister" als Modell. Bei den Sitzungen kommen sich die beiden näher. Der scheue Maler kann seine Bewunderung nicht zurückhalten.
Ein ruhiger, stiller Roman, der Einblick in die Zeit der Nazibesatzung und in das Seelenleben von Munch gewährt.
EGr

Andrea Paluch: Zwischen den Jahren

Die 40jährige Ich-Erzählerin arbeitet an der Universität. Sie hat zwei Söhne und einen Mann, der als politischer TV-Moderator arbeitet. Die beiden führen eine glückliche Ehe, die jedoch "Zwischen den Jahren" in Schwierigkeiten gerät, als Tanya und Marten ihr Leben durcheinanderwirbeln. Tanya ist eine punkige Freundin; Marten ein Schulfreund aus Kindertagen. Er ist Afghanistan-Soldat und möchte in einer Fernsehsendung ihres Mannes "auspacken". Misstrauen, Betrug und Illusion dominieren diesen kurzen und packenden Roman.
EGr

Franz Hohler: Gleis 4

Isabelle befindet sich am Züricher Bahnhof und ist auf dem Weg zum Flughafen. Ein älterer Herr bietet ihr an, den schweren Koffer zu tragen und bricht am Ende der Treppe tot zusammen.
Isabelle fährt nun doch nicht in Urlaub, sondern kehrt in ihre Wohnung zurück. In den nächsten Tagen lernt sie die Witwe von Marcel kennen, die aus Kanada angereist ist, wo das Ehepaar zusammen gelebt hat.
Die beiden Frauen und die Tochter von Isabelle freunden sich an und gehen nun gemeinsam auf Spurensuche. Die Witwe wusste nichts von Marcels Kindheit und Jugend in der Schweiz und von den Umständen, warum er nach Kanada ausgewandert ist. Über viele Umwege stossen sie auf die Geschichte einer schweren und einsamen Kindheit.
EGr

Khaled Hosseini: Traumsammler

Khaled Hosseini hat wieder einen wunderbaren Roman geschrieben, den man nicht aus der Hand legen kann. Sehr interessant und spannend hat er die Geschichte von Pari und ihrem älteren Bruder Abdullah aufgebaut. Die beiden wachsen in Afghanistan auf; sie mögen sich unheimlich gerne und teilen alles. Jedoch wurden sie schon als Kinder getrennt und führen dadurch zwei vollkommen unterschiedliche Leben. Sie wissen nichts voneinander und spüren aber doch ein Leben lang, dass eine Lücke existiert. In diese Geschichte sind gekonnt Schicksale anderer Menschen verwoben, die für das Leben der beiden eine wichtige Bedeutung haben.
EGr

Carmine Abate: Der Hügel des Windes

Der alte Vater erzählt seinem Sohn die Geschichte der Familie, damit dieser sie aufschreibt und nichts in Vergessenheit gerät. Die beiden sind Enkel und Urenkel der Familie, um die sich alles bewegt.
Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist der Rossarco, der Hügel des Windes, der der Familie Arcuri gehört. Er liegt in Kalabrien und birgt mythische Geheimnisse um eine antike Stadt; er birgt aber in Gestalt von zwei Skeletten auch ein gut gehütetes Familiengeheimnis.
Die Familie Arcuri führt ein hartes, aber zufriedenes bäuerliches Leben. Von 1902 bis heute - durch Kriege, Unterdrückung und schwere Schicksalsschläge geprägt - wird diese spannende Geschichte erzählt.
EGr

Alida Bremer: Olivas Garten

Alida Bremer lebt in Münster; sie wurde 1959 in Split geboren. Sie ist Übersetzerin, veröffentlicht aber auch Gedichte, Essays und Kritiken. "Olivas Garten" ist ihr erster Roman. Sie hat ihn in deutsch geschrieben. Die Erzählerin erfährt, dass sie in Vodice einen Olivenhain geerbt hat. Sie hält sich nun viel in Vodice auf und setzt sich mit der kroatischen Bürokratie auseinander. In "Olivas Garten" erzählt sie, wie es ihr mit ihrem Erbe ergeht. Gleichzeitig rollt sie die weitverzweigte Familiengeschichte ihrer Mutter auf.
EGr

Dina Nayeri: Ein Teelöffel Land und Meer

Die Autorin Dina Nayeri hat bereits mit 10 Jahren den Iran verlassen und in Amerika gelebt. Sie erzählt die Geschichte von Saba Hafezi. Saba lebt mit ihrem realtiv wohlhabenden Vater in einem Dorf der Provinz Gilan. Um ihre Zwillingsschwester und die Mutter ranken sich mehrere Geschichten. Beide sind verschwunden, als Saba elf Jahre alt war. Der Erzählung vom Ertrinken ihrer Schwester und der Verhaftung ihrer Mutter schenkt Saba keinen Glauben. Sie ist der Meinung, dass die Beiden in Amerika leben. So wird dieses Land der Sehnsuchtsort von Saba. Wird es ihr gelingen, ihre Träume zu verwirklichen?
EGr

John Williams: Stoner

John Williams lebte von 1922 bis 1994. Er promovierte in englischer Literatur an der University of Missouri und lehrte bis zu seiner Emeritierung 1985 in Denver.
John Williams begleitet in seinem Roman William Stoner von seiner Kindheit als Sohn eines armen Farmerpaares bis zu seinem Tod.
Stoner wurde von seinen Eltern trotz der Armut auf die Universität geschickt, um Agrarwissenschaft zu studieren. Doch er entdeckte seine Liebe zur Literatur, wechselte das Studienfach und wurde schließlich selbst Dozent für englische Literatur.
Er verliebt sich in die spröde Edith, Tochter aus reichem Haus. Er kann jedoch - auch als sie verheiratet sind - nicht wirklich zu ihr vordringen und ihre Liebe gewinnen. Selbst als die Tochter Grace geboren wird, kann keine wirkliche Annäherung stattfinden.
EGr

Wallace Stegner: Zeit der Geborgenheit

Schön, mal wieder ein älteres Buch zu lesen! Wallace Steger wurde 1909 in Iowa geboren. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf; seine Eltern konnten sich nicht um seine Bildung kümmern. Dem empfindsamen Sohn gelang es - dem gewalttätigen Vater zum Trotz - zu studieren und ein anerkannter Schriftsteller zu werden. Seiner Mutter stand Wallace Steger sehr nahe; er bekam ein erstaunliches Gespür für die weibliche Empfindungswelt. Dieses Verständnis spiegelt sich in seinen starken weiblichen Personen in diesem Roman wieder. "Zeit der Geborgenheit" ist 1987 erschienen. Stegner schreibt darin über die Freundschaft zwischen zwei Paaren in den dreißiger Jahren. Sally und Larry Morgan werden von dem reichen Paar Charity und Sid Lang in ihre Obhut genommen. Sie lernen sich kennen, als Sid neu an die Universität kommt und dort als Dozent zu arbeiten beginnt.
EGr

Favel Parrett: Jenseits der Untiefen

Die Autorin Favel Parrett stammt aus Tasmanien; sie erzählt in ihrem ersten Roman eine typische Geschichte aus diesem Land. Die drei Brüder Joe, Miles und Harry sind ganz und gar ihrem gewalttätigen und verbitterten Vater ausgeliefert. Die Mutter kam bei einem Unfall ums Leben; so wohnen sie zu viert in einem heruntergekommenen Haus und führen ein entbehrungsreiches Leben. An der wilden und stürmischen Küste Tasmaniens leben sie vom Fischfang und müssen um ihr tägliches Essen und Überleben kämpfen. Das harte Leben der Fischer und die Unerbittlichkeit des Meeres wird überaus deutlich geschildert. Nur das Surfen und die Freundschaft zwischen den Brüdern machen das Leben einigermaßen erträglich.
EGr

Lars Gustafsson: Der Mann auf dem blauen Fahrrad - Träume aus einer alten Kamera

Lars Gustafsson stösst im Nachlass seines Vaters auf alte Photographien aus dem Jahr 1923. Fasziniert von der Atmospähre der Bilder, hat er einige ausgewählt und eine spontane Erzählung dazu geschrieben.
Janne Friberg ist Handelsvertreter für ein neues Elektrolux-Haushaltsgerät. Auf seinem blauen Fahrrad ist er damit mühevoll im ländlichen Schweden unterwegs. Als er mit seinem Fahrrad in den Graben kippt und sich das Handgelenk verletzt, bittet er in einem Herrenhaus um Hilfe. Erst befindet er sich beim Personal in der Küche und wird dann in den Salon gebeten, wo er beim Warten eine Reihe alter Photos sieht, die seine Phantasie beflügeln. Zeit und Raum, Traum und Wirklichkeit vermischen sich und lassen sich nicht mehr unterscheiden. Ein kleines Meisterwerk von Lars Gustafsson.
EGr

Selim Özdogan: Heimstraße 52

Selim Özdogan wurde 1971 geboren und lebt in Köln. In seinem neuen Buch schildert er aus Sicht der Mutter Gül das Leben zwischen zwei Welten - zwischen Deutschland und der Türkei. Anfang der 70er Jahre geht Gül mit ihrem Mann nach Deutschland; sie lernt sich zu verständigen, gewöhnt sich mühsam ein, zieht ihre zwei Töchter groß und geht arbeiten. Hin- und hergerissen zwischen beiden Kulturen fühlt sich Gül nirgends mehr heimisch und hat immer eine unergründliche Sehnsucht nach ihrem Vater, ihrer Schwester und dem Leben in ihrem Heimatort. Für welches Leben wird sie sich letztendlich entscheiden?
EGr

Said: parlando mit le phung

Said schreibt in diesem kleinen Büchlein von einer ganz besonderen Liebe. Ein Mann wird von einer Frau verlassen. Im Garten spricht er sich bei einem Fisch im Teich seinen Schmerz von der Seele. Er erinnert sich an die schönen Erlebnisse, an vertraute Rituale und an Zeiten, die für immer verloren sind.
EGr

Marina Mander: Meine erste Lüge

Der neunjährige Luca lebt alleine mit seiner Mutter in einer Wohnung. Er erzählt dem Leser, wie sich das Zusammenleben für ihn anfühlt. Früher hatte die Mutter öfters Männerbesuch, doch seit sie nicht mehr arbeitet, leidet sie an Depressionen, nimmt Tabletten und verbringt die Zeit oft nur im Bett. Luca geht zur Schule, hat keine Freunde, nur seinen Kater Blu.
Eines Tages will seine Mutter nicht mehr aufwachen. Luca versucht, sein Leben weiterlaufen zu lassen wie bisher. Er will nicht, dass irgendjemand etwas bemerkt; denn er will auf keinen Fall ins Waisenhaus.
EGr

Katharina Hartwell: Das fremde Meer

Schon lange kein so phantasievolles Buch mehr gelesen!
Katharina Hartwell hat in Frankfurt Anglistik und Amerikanistik studiert. Seit 2010 studiert sie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig.
"Das fremde Meer" ist ihr erster Roman. Es ist fast nicht zu glauben, wie viel Phantasie Katharina Hartwell in dieses Buch packt. Die 567 Seiten sind so inhaltsreich, dass die Autorin auch 10 Bücher daraus hätte machen können. Ein grandios komponierter Roman um die Themen, Angst, Liebe und Tod.
Die einsame und schüchterne Marie studiert Kulturwissenschaften und möchte promovieren. Erst als sie zufällig Jan trifft und lieben lernt, scheint sie ihren Weg zu finden. Diese Liebesgeschichte wird von vielen anderen symbolträchtigen Geschichten umrankt, die jede für sich sehr schön zu lesen ist und als Ganzes einen stimmigen Roman ergibt.
EGr

Hannah Dübgen: Strom

Hanna Dübgen studierte Philosophie, Musik- und Literaturwissenschaft und arbeitet als Dramaturgin. Mit ihrem ersten Roman "Strom" ist ihr ein dramaturgisch faszinierend aufgebautes Buch gelungen.
Sie berichtet aus dem Leben von vier modernen jüngeren Menschen aus vier verschiedenen Ländern: Ada, Filmemacherin aus Berlin, die Pianistin Makiko aus Japan, Jason, der junge Investmentmanager aus Amerika und Luiz, ein Zoologe aus Brasilien. In Jerusalem, in Tel Aviv, in Tokio, in Paris, auf der ganzen Welt sind die jungen Menschen unterwegs, aber nicht wirklich zu Hause. Brüchige aber dennoch intensive Beziehungen sind in dieser modernen Welt vorherrschend. Liebe und Sehnsucht, Grenzen und Politik, Wirtschaft und Umwelt sind die Probleme, die in diesem spannenden Roman thematisiert werden.
EGr

Parinoush Saniee: Was mir zusteht

Die Iranerin Parinoush Saniee hat Psychologie und Soziologie studiert. Ihr erster Roman "Was mir zusteht" ist im Iran im Jahr 2003 erschienen und war ein großer Publikumserfolg. Das iranische Regime hat immer wieder versucht den Nachdruck zu verhindern. 2010 wurde der Roman auch in westlichen Ländern veröffentlicht und gewann in Italien den "Premio Boccaccio".
Masumeh wird in eine traditionelle persische Familie hineingeboren und zeichnet sich bald durch ihre Intelligenz aus. Ihre drei fanatischen Brüder lassen sie immer spüren, dass sie nur ein Mädchen ist. Sie setzt sich trotzdem durch und macht eine Schulausbildung. Als sie sich in einen jungen Apotheker verliebt, wird sie von ihrer Familie mit einem anderen Mann zwangsverheiratet. Hamid ist sehr modern und revolutionär und arbeitet im Widerstand gegen das Schah-Regime. Masumeh lebt in ständiger Angst um ihn, bis er schließlich verhaftet wird. Sie muss ihre Kinder alleine großziehen und sich alles hart erkämpfen. Gelingt es ihr im Alter dann doch noch, dass sich ihre Träume erfüllen?
EGr

Derek B. Miller: Ein seltsamer Ort zum Sterben

Derek B. Miller hat mit seinem ersten Roman ein sehr spannendes Buch vorgelegt.
Sheldon Horowitz, ein alter Mann, lebte lange in Amerika. Seit dem Tod seiner Frau wohnt er nun in Oslo bei seiner Enkelin.
Er wird in der Wohnung Zeuge eines Verbrechens. Er hört im Treppenhaus Streit und Lärm. Er öffnet der jungen ausländischen Mutter mit ihrem Sohn die Türe. Kurze Zeit später wird die Tür aufgebrochen und die Frau ermordet. Sheldon kann den Sohn retten, indem er sich im Schrank versteckt. Anschließend gelingt den Beiden die Flucht. Auf abenteuerlichen Wegen machen sie sich auf nach Norden. Sie sind mit einem gestohlenen Boot, mit einem Traktor und schließlich per Anhalter unterwegs. Viel Zeit für Sheldon, über sein Leben nachzudenken und den Leser daran teilhaben zu lassen.
EGr

Andrea Hirata: Die Regenbogentruppe

Andrea Hirata wurde auf der Insel Belitung in Indonesien geboren. Er studierte in Indonesien Wirtschaft und ging dann mit einem Stipendium nach Paris und Sheffield. Mit seinem autobiographischen Roman "Die Regenbogentruppe" hat er in Indonesien viel Erfolg und wurde zum meistgelesenen Schriftsteller seines Landes. Das Buch wurde 2008 in Indonesien verfilmt und in 25 Sprachen übersetzt.
Andrea Hirata erzählt von 10 Kindern in einer äußerst armen Schule auf Belitung. Er widmet den Roman seinen Lehrern, vor allem der jungen Bu Mus, der die Kinder alles verdanken. Die Schule war für die Kinder die einzige Möglichkeit der Armut zu entkommen.
EGr

Doris Knecht: Besser

Antonia Pollack ist mit Adam verheiratet und hat zwei kleine Kinder. Eigentlich müsste sie mit ihrer Familie und mit ihren geordneten Verhältnissen zufrieden sein. Jedoch fühlt sie sich in ihrem wohlsituierten Wiener Leben nie richtig wohl. Sie hat das Gefühl in einem falschen Leben zu stehen.
Durch die Heirat mit Adam rettete sie sich vor sich selbst und vor ihrer Vergangenheit in einer problematischen und zerbrochenen Familie. Adam ist sehr fürsorglich; er liebt sie. Zusammen haben sie einen intakten Freundeskreis, Antonia hat ein eigenes Atelier. Und doch ist das Leben für Antonia ein Kraftakt. Sie spielt nur eine Rolle und schafft es nicht, ihre Vergangenheit und ihre Geheimnisse zu bewältigen. Die Oberflächlichkeit der Freunde und der Wiener Mittelschicht belastet sie immer mehr.
EGr

Renate Dorrestein: Stiefmuttertag

Renate Dorrestein hat einen gut lesbaren Familienroman über eine kleine Patchworkfamilie geschrieben. Claire liebt ihren Mann Axel. Auch seine Tochter Josefien wohnt bei ihnen. Bis Josefien in die Pubertät kommt läuft alles problemlos. Doch dann beginnen sich die geregelten Verhätnisse zu ändern und es gibt Geheimnisse zwischen den Familienmitgliedern. Genau am Wochenende, als Claire und ihr Mann zu einer für sie sehr wichtigen Preisverleihung fahren wollen, kommt Axel auf dieses vermeintliche Geheimnis und ist tief enttäuscht. Auch Claire fühlt sich hintergangen. Sie fährt alleine nach England und hat viel Zeit, sich Gedanken über die Entwicklungen in ihrer Familie zu machen. Renkt sich alles wieder ein oder sitzen die Verletzungen zu tief?
EGr

Ingibjörg Hjartardottir: Der Zuhörer - Niemand wusste, wer sie wirklich war. Außer vielleicht . . .

Ingibjörg Hjartardottir erzählt in ihrem packenden Roman die Geschichte eines deutsch-isländischen Frauenschicksals.
Die Isländerin Helga arbeitet an einer Bacherlorarbeit, in der sie über das Schicksal von aus Deutschland eingewanderten Frauen schreibt. Sie besucht Súla auf ihrem abgelegenen Bauernhof am nördlichsten Ende Islands und möchte mehr über ihr Schicksal erfahren.
Súla lebt seit 1949 mit ihren Tieren auf einem Einsiedlerhof. Nach dem zweiten Weltkrieg, ließen sich einige hundert junge deutsche Arbeiterinnen und Arbeiter anwerben, als Landhelfer nach Island zu gehen. Einige sind für immer geblieben.
Helgas eigene Geschichte vermischt sich mit dem Leben ihrer Gesprächspartnerin. Es gibt viele Fragen, aber wenig Antworten. Auch Helga trägt ein Geheimnis mit sich, das sie nur einem Fremden im Internet offenbart: dem Zuhörer.
EGr

J. Courtney Sullivan: Sommer in Maine

"Sommer in Maine" ist ein schöner Sommerschmöker über die Familiengeschichte der Kellehers. Die Geschichte spannt sich über mehrere Generationen - erzählt von 4 Frauen, die sich gegenseitig nicht sehr wohlgesonnen sind. Verbindend ist nur noch das Interesse am Ferienhaus - ein begehrtes Erbstück, das von allen gerne für den Sommerurlaub genutzt wird.
Alice und ihr inzwischen verstorbener Mann verbrachten dort mit ihren Kindern, Enkelkindern, mit ihren Nichten, Neffen und Freunden jedes Jahr die Sommermonate.
Alice, ihre Tochter Kathleen, die Enkelin Maggie, sowie die Schwiegertochter Ann Marie berichten von ihrem Leben, von ihren jeweiligen Problemen und versuchen gemeinsam ein paar Tage unter dem Dach des Ferienhauses zu verbringen. Wie geht es damit weiter? Was hat Alice geplant?
EGr

Francisco Goldman: Sag ihren Namen

Der Autor Francisco Goldman beschreibt in diesem Roman die Zeit mit seiner zwanzig Jahre jüngeren mexikanischen Frau Aura. Er war noch nicht lange mit ihr verheiratet, als sie im gemeinsamen Urlaub bei einem Badeunfall stirbt. Die Doktorandin war die große Liebe seines Lebens. Ihre Familie gibt ihm die Mitschuld an ihrem Tod.
Goldman berichtet von den dramatischen Stunden im Kampf um Auras Leben, vor allem aber von den gemeinsamen glücklichen Jahre mit ihr. Es ist ein schönes Buch entstanden, dem allerdings eine gewisse Straffung ganz gut getan hätte.
EGr

Dimitri Verhulst: Monolog einer Frau, die in die Gewohnheit verfiel, mit sich selbst zu reden

Dimitri Verhulst ist ein bekannter flämischer Schriftsteller. In seinem neuen Buch berichtet die Senegalesin Seynabou von ihrem "Abenteuer" mit dem berühmten belgischen Radsportler Jens de Gendt. Die Novelle beruht auf dem Leben von Frank Vandenbroucke. Er wurde in einem Hotel im Senegal tot aufgefunden. Seynabou berichtet von ihren gemeinsamen letzten Stunden in einer Bar und von seinem Ende in einem Hotelzimmer. Seynabou erzählt natürlich auch von ihrem armseeligen Leben; durch diese Episode wandert sie sogar ins Gefängnis.
EGr

Keegan, Claire: Das dritte Licht

Die irische Autorin Claire Keegan hat eine kurze Erzählung über ein kleines Mädchen aus armen Verhältnissen geschrieben. Da die Mutter wieder ein Kind erwartet und die Familie sowieso nicht über die Runden kommt, wird das Kind kurzerhand in den Ferien zu entfernten Verwandten auf eine Farm in Wexford geschickt. Hier fühlt sie sich zunächst fremd, merkt aber ziemlich schnell, dass sie hier willkommen ist und man sich wirklich um sie kümmert. Eine ganz neue Erfahrung; aber auch diese Familie umgibt ein Geheimnis.
EGr

Yasmina Khadra: Die Landkarte der Finsternis

Yasmina Khadra ist der Künstlername von Mohammed Moulessehoul. Er wurde 1955 in Algerien geboren und lebt jetzt in Paris.
Die Frau des Arztes Kurt Krausmann begeht Selbstmord. Kurt kann diese nicht nachvollziehbare Tat seiner heißgeliebten Frau nicht verstehen und kommt mit seinem Alltag nicht zurecht.
Sein Freund Hans überredet ihn, ihn auf seiner Yacht bei einer Hilfslieferung Richtung Komoren zu begleiten. Doch das Schiff wird von Seeräubern überfallen. Hans und Kurt werden als Geiseln genommen und verschleppt. Sie verbringen quälende Wochen in Hitze, Gewalt und Resignation.
Interessant ist vor allem der Gegensatz der Probleme:
In Frankfurt im Umkreis des Arztes Kurt gibt es vermeintlich gravierende Probleme, die in diesem Fall sogar zu einem Selbstmord führen.
In Afrika hingegen herrscht ein starker Lebensmut, obwohl dort die Armut und die Lebensumstände oft lebensbedrohlich sind.
EGr

Fabio Volo: Zeit für mich und Zeit für dich

Fabio Volo hat einen sehr stimmigen Roman über den jungen Lorenzo geschrieben. Lorenzo wächst als Einzelkind auf. Seine Eltern betreiben eine Bar, die jedoch viel zu wenig abwirft. Die Familie ist sehr arm und lebt in dauernder Bedrängnis von Schulden. Deshalb verlässt Lorenzo sehr früh die Schule und arbeitet in der elterlichen Bar mit.
Durch sehr versändnisvolle ältere Freunde lernt Lorenzo, sich für Literatur und Musik zu begeistern. Er bekommt auch die Chance, in einer Werbeagentur mitzuarbeiten. In diesem Bereich arbeitet er sich nach Oben und so findet er auch ohne Schulabschluß zu seinem beruflichen Erfolg.
Doch wird er es auch schaffen, das sprachlose Verhältnis mit seinem Vater zu verbessern und seine geliebte Freundin zurückzugewinnen?
EGr

Ronaldo Wrobel: Hannahs Briefe

Rio de Janeiro 1935: ein jüdischer Einwandererstrom aus Europa bevölkert die Praca Onze, das jüdische Viertel Rios. Unter ihnen auch Max Kutner, polnischer Jude, der ein Schuhmachergeschäft betreibt und als Briefübersetzer für Jiddisch für die Geheimpolizei Vargas tätig ist. Dabei stößt er immer wieder auf Briefe einer gewissen Hannah an ihre Schwester und verliebt sich ungesehen in die Schreiberin. Als sie eines Tages in seinem Laden steht, entpuppt sie sich allerdings als Edelprostituierte und Spionin... Die Geschichte zeichnet sich durch beständige überraschende Wendungen aus; keine Erkenntnis ist wirklich sicher und am Ende fragt man sich, was ist Wahrheit, was Fiktion? Ein Lesevergnügen!
BGr

Paola Predicatori: Der Regen in deinem Zimmer

Als Alessandra 17 Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter an Krebs. Die beiden haben zusammen mit der Großmutter in einem Haushalt gelebt; nun versuchen Alessandra und ihre Großmutter ihren normalen Tagesablauf wieder aufzunehmen.
Die Erinnerungen an die Mutter kommen immer wieder zurück; Alessandra will nicht, dass das Leben einfach so weitergeht. Deshalb kapselt sie sich in der Klasse auch immer mehr ab und setzt sich neben den schweigsamen Sonderling Gabriele - genannt Zero - in die letzte Bank.
Langsam freunden sich die beiden an. Doch es wird eine schwierige Beziehung: die trauernde Alessandra und Gabriele, der aus einem zerrütteten Elternhaus kommt und nicht weiß, wie er seinen Gefühlen richtig Ausdruck verleihen kann.
Dieses Buch läuft als Erwachsenenroman, kann aber genauso gut von Jugendlichen gelesen werden.
EGr

Abbas Khider: Brief in die Auberginenrepublik

Abbas Khider wurde 1973 in Bagdad geboren; 1996 floh er aus dem Irak und lebt jetzt in Berlin. In seinem neuen Roman verfolgt er den Weg eines Briefes von Bengasi in Libyen nach Bagdad im Irak.
Salim, ein ehemaliger irakischer Student, lebt im Jahr 1999 als Bauarbeiter im Exil in Libyen. Er hat bei seiner Flucht alles zurückgelassen und von seiner Familie und seiner Geliebten Samia nichts mehr gehört. Nun hat er von einem Weg erfahren, wie er ihr mit illegalen Briefboten eine Nachricht zukommen lassen kann. An Hand der einzelnen Personen, die den Brief von einer Station zur nächsten bringen, wird der Weg des Briefes erzählt und man bekommt einen kurzen Einblick in das Leben und die Gedanken der Menschen. Wird der Brief sein Ziel erreichen?
EGr

Antonio Skármeta: Die Tage des Regenbogens

Antonio Skármetas neuer Roman spielt in Chile im Jahr 1988, als es zu einer Volks­ab­stim­mung gegen General Pinochet kam. Bei einer Beteiligung von über 90 Prozent setzten 54 Prozent der Wahl­be­rech­tig­ten die Aufstellung mehrerer Kandidaten und somit freie Wahlen durch.
Hauptfigur ist der Jugendliche Nico Santos; er lebt alleine mit seinem Vater, der Philosophieprofessor an seiner Schule ist. Nico ist eng mit Patricia Bettini befreundet. Ihr Vater Adrián Bettini war ein erfolgreicher Werbetexter. Seit das Regime an der Macht ist, erhält er als Oppositioneller fast keine Aufträge mehr.
Doch nun soll er einen fünfzehnminütigen Fernsehspot für das "Nein zu Pinochet" entwickeln.
Antonio Skármeta erzählt sehr spannend und gefühlvoll von der Entwicklung des Landes. Mit der Geschichte dieser 4 Hauptpersonen wird klar, wie die Resignation überwunden werden konnte und das Land und die Menschen Freiheit erlangt haben.
EGr

Aris Fioretos: Die halbe Sonne

Aris Fioretos wurde 1960 in Göteborg als Sohn eines Griechen und einer Österreicherin geboren. Der Literaturwissenschaftler hat bereits mehrere Romane veröffentlicht. In seinem neuen Roman "Die halbe Sonne" erzählt er vom Leben seines Vaters und von seinem Verhältnis zu ihm. In kleinen Kapiteln, Szenen und Gedanken berichtet Aris Fioretos, wie der an Demenz und Parkinson leidende Vater in seinen Erinnerungen immer jünger und vitaler wird. Vom hohen Alter her erzählt er Richtung Jugend.
Der Vater ist mit 16 aus seinem Heimatdorf nach Athen weggegangen. Nach einer Demonstration wurde er von der Sicherheitspolizei gesucht und musste das Land verlassen. Über Lausanne und Wien ist er nach Schweden ausgewandert. 1967 zwang ihn der Militärputsch dazu, seinen Aufenthalt in Österreich und Schweden zu einem dauerhaften Exil werden zu lassen.
EGr

Jesús Carrasco: Die Flucht

Jesús Carrasco lebt in Sevilla. Es hat mit seinem Romandebüt "Die Flucht" ein faszinierendes literarisches Kunstwerk geschaffen. In einer fesselnden Art und Weise erzählt er von der Flucht eines spanischen Jungen aus seinem Elternhaus, aus seinem Dorf, wo er drangsaliert und missbraucht wird. Er meint, dieses Leben und die Demütigungen nicht länger aushalten zu können.
Doch was er dann auf der Flucht erleben und ertragen muss, ist kaum vorstellbar. Zusammen mit einem alten Hirten, den er unterwegs kennenlernt, versucht er die Hitze und die Trockenheit der ausgedorrten Landschaft, versucht er Hunger und Durst zu überleben und den Verfolgern zu entrinnen.
Beeindruckend, wie Jesús Carrasco diesen sprachlosen Kampf ums pure Überleben schildert.
EGr

Barbara Constantine: Und dann kam Paulette

Ferdinand ist Rentner und lebt nach dem Tod seiner Frau und dem Auszug seines Sohnes und der beiden Enkelsöhne alleine auf seinem Bauernhof. Als das Haus seiner alten Nachbarin Marceline immer baufälliger und das Dach undichter wird, bietet er ihr an, bei ihm einzuziehen. Nach und nach kommen noch mehrere ältere Herrschaften und dann auch noch ein paar junge Leute hinzu. Sie leben zusammen auf dem Hof, helfen sich gegenseitig und sind durch das Zusammenleben wieder glücklich.
Ein netter positiver Roman ohne große Probleme.
EGr

Anna Rottensteiner: Lithops - Lebende Steine

Anna Rottensteiner ist Leiterin des "Literaturhauses am Inn" in Innsbruck. In ihrem Roman erzählt sie die Lebensgeschichte eines Südtiroler Bauernbuben und eines römischen Mädchens vor dem historischen Hintergrund der letzten Tage des italienischen Faschismus.
Franz wächst mit seiner deutschsprachigen Mutter auf einem Hof auf, den sie alleine bewirtschaften muss. Sie beherbergt den italienischsprachigen Dorflehrer und wird dadurch von der Dorfgemeinschaft gemieden und auch Franz bekommt die Ausgrenzungen zu spüren. Dem intelligenten Jungen wird dadurch seine Zukunft und seine Ausbildung verbaut.
Dora ist die Tochter vom Dorflehrer; sie lebt in Rom. Sie ist begeistert vom Faschismus und arbeitet als Ausiliaria - als Stubenmädchen - für Clara Petacci, die Geliebte des Duce.
Später leben Franz und Dora in Finnland. Bei ihren Reisen nach Rom stellen sie sich ihren Erinnerungen.
EGr

Judith Lennox: An einem Tag im Winter

Zum Dahinschmökern! Ellen Kingsley kann ihr Glück nicht fassen, als sie die Möglichkeit bekommt am naturwissenschaftlichen Institut des berühmten und charismatischen Marcus Pharoah zu arbeiten. Eines Tages hört sie einen Streit zwischen ihm und einem weiteren Wissenschaftler des Instituts unfreiwillig mit; dieser Kollege wird kurz darauf tot in seinem Haus aufgefunden. Als Ellen sich der Polizei gegenüber entsprechend äußert wird sie umgehend entlassen. Ihr Leben ändert sich daraufhin grundlegend. Vor allem die rätselhaften Umstände um den Tod ihres Kollegen lassen sie nicht los. Judith Lennox ist wieder einmal ein bewegender Roman gelungen, der von der ersten Seite an fesselt und seine Leser in das Gesellschaftsleben Englands der 50er Jahre entführt.
JK

Alix Ohlin: In einer anderen Haut

Die kanadische Aurotin hat in ihrem Roman mehrere Schicksale miteinander verwoben. So wird der Leser mit den verschiedenen Personen von Montreal über New York, Hollywood, in die Arktis und nach Ruanda geführt.
Grace ist die zentrale Figur. Sie ist Therapeutin und versucht ihren Mitmenschen zu helfen. Sie kümmert sich um den lebensmüden Tug und um ihre junge Patientin Annie. Annie wird Schauspielerin in New York. Mitch, der Ex-Mann von Grace geht zu den Inuit in die Arktis. Alle Personen in diesem Roman sind einsam; verzweifelt suchen sie nach Nähe. Und sie wollen ihre Mitmenschen retten. Gelingt ihnen so ein glückliches Leben?
EGr

Gustav Ernst: Grundlsee

Gustav Ernst erzählt in knappen Sätzen vom Werden und Vergehen einer österreichischen Familie über drei Generationen. Die Eltern verbringen jeden Sommer mit den drei Kindern John, Bella und Lili am Grundlsee im Salzkammergut.
Die Familie aus Wien verbringt hier glückliche und unbekümmerte Tage. Hierher kehren die Eltern auch zurück, als die Kinder schon ihr eigenes Leben führen.
Der Roman wird in verschiedenen Zeitsprüngen mit den Gedanken und Erinnerungen der drei erwachsenen Kinder, sowie im Anschluß der Enkelkinder abgerundet. Die Familie ist inzwischen über die ganze Welt verteilt und der Vater bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen.
Ein kleiner feiner Roman aus dem österreichsichen Haymon-Verlag.
EGr

Susanna Tamaro: Mein Herz ruft deinen Namen

Matteo war ein angesehener Kardiologe. Doch nach einem schweren Schicksalsschlag gerät sein Leben aus den Fugen. Er zieht sich in eine Hütte im Bergwald zurück und versucht Antworten auf die Fragen um den Sinn des Lebens zu finden.
Besser gefallen mir Tamaros Erzählungen in den Büchern "Love" und "Antworte mir". Bekannt wurde die italienische Autorin durch ihr erstes Buch "Geh, wohin dein Herz dich trägt."
EGr

David Wagner: Leben

Der Autor David Wagner berichtet in seinem neuen Roman von seiner eigenen Krankheitsgeschichte. Wagner ist schon seit seiner Kindheit an einer lebensbedrohenden Autoimmunhepatitis erkrankt und braucht eine Spenderleber. Er berichtet von seinem Leben vor der Operation und von der Zeit danach. Einige leere weiße und graue Seiten teilen das Buch als auch optisch wahrnehmbaren, tiefgreifenden Einschnitt in sein Leben. Die Lebertransplantation wurde durch eine Organspende möglich; Wagner ist seinem Spender sehr dankbar und macht sich viele Gedanken zu diesem Thema. Er berichtet von seinem Klinikaufenthalt, von seinen Mitpatienten und von seinen Gedanken, die ihm während dieser langwierigen Phase durch den Kopf gehen. Der Autor wurde 2013 für dieses Buch mit dem "Preis der Leipziger Buchmesse" ausgezeichnet.
EGr

Alessandro Baricco: Emmaus

Turin in den Siebzigerjahren: 4 Freunde sind in den Moralvorstellungen der Kirche und ihrer Elternhäuser gefangen. 4 Freunde, 4 junge Männer, die versuchen, den richtigen Weg zwischen dieser Erziehung und dem Leben anderer Jugendlicher zu finden. Kleinbürgerlich, katholisch, fromm und verklemmt lernen sie die junge selbstbewusste Andre kennen. Das bisher ruhige Leben und die Freundschaft der jungen Männer wird durcheinandergewirbelt.
Alessandro Baricco wurde 1997 durch sein wunderbares Buch "Seide" bekannt, das man eigentlich auch einmal wieder lesen sollte.
EGr

Quint Buchholz: Quints Tierleben

Der Autor und Illustrator Quint Buchholz hat wieder ein wunderbares Buch zusammengestellt. Friedrich Ani schreibt in seinem Vorwort: "Dieses besondere Buch, liebe Leserin, lieber Leser, stellt so etwas dar wie die Arche Quint. Mit ihm als Fährmann begeben Sie sich auf den Weg zu einem glücklichen Leben. Steigen Sie ein! Das Buchholz-Boot ist unsinkbar."
Die beeindruckenden und genialen Illustrationen werden von Texten und Gedichten von bekannten Schriftstellern begleitet. Eine sehr schöne Auswahl und natürlich auch ein sehr schöner Geschenkband.
EGr

Francesc Miralles und Àlex Rovira: Der Sternenfänger

Francesc Miralles ist Verleger, Musiker und Schriftsteller. Zusammen mit Àlex Rovira wurde er 2009 mit dem renommierten Premio de la Ciudad de Torrevieja ausgezeichnet. Gemeinsam haben sie auch dieses nette kleine Buch geschrieben.
Die Geschichte spielt im Jahr 1946 in einem Waisenhaus in Selonsville am Fuß der Alpen.
Der zehnjärige Michel lebt dort mit vielen anderen Kindern in großer Armut. Er ist einer der wenigen, der sich trotz der trostlosen Umstände seine Fröhlichkeit bewahrt hat. Er ist mit dem Mädchen Eri befreundet; die beiden sind unzertrennlich. Als Eri schwer erkrankt und im Koma in einem Krankenhaus liegt, versucht er verzweifelt nach einem Weg, ihr zu helfen. Die alte Herminia kommt ihm zu Hilfe, erklärt ihm, dass Eri in ihrem Leben zu wenig Liebe bekommen hat und Michel sich deshalb auf die Suche nach der Liebe machen muss.
EGr

Pierre Bost: Ein Sonntag auf dem Lande

Pierre Bost ist 1901 geboren und hat einige Romane, Erzählungen und Essays veröffentlicht. Nachdem er 1945 diesen Roman "Ein Sonntag auf dem Lande" geschrieben hatte, widmete er sich nur noch dem Schreiben von Drehbüchern.
In diesem kleinen melancholischen Roman geht es um einen einzigen Sonntag. Der Maler Urbain Ladmiral lebt außerhalb von Paris auf dem Land und fühlt sich immer ein bisschen einsam. Wie fast jeden Sonntag wird er von seinem Sohn mit Ehefrau und den drei Kindern besucht. Gemütlich plätschert der Tag vor sich hin; es wird gemeinsam zu Mittag gegessen und Siesta gehalten; dann taucht jedoch unangemeldet die Tochter und Schwester Irène auf. Der Besuch der flatterhaften jungen Frau lässt bei den einzelnen Familienmitgliedern unausgesprochene Gefühle und Ängste zu Tage treten. Mit der sonntäglichen Ruhe ist es nun vorbei.
EGr

Marica Bodrožić: Kirschholz und alte Gefühle

Die Autorin Marica Bodrožić wurde 1973 in Dalmatien geboren und wuchs bis zu ihrem zehnten Lebensjahr bei ihrem Großvater in der Nähe von Split auf. 1983 zog sie nach Deutschland und ging hier zur Schule. Sie lebt in Berlin und hat jetzt den zweiten Teil ihrer Romantrilogie veröffentlicht. Nach dem ersten Teil "Das Gedächtnis der Libellen" heisst der zweite Teil "Kirschholz und alte Gefühle".
Arjeta Filipo lebt in Sarajevo. Sie verlässt die belagerte Stadt; von Istrien über Paris hat es sie nun nach Berlin verschlagen. Die junge Frau versucht ihren Weg zu gehen und ihren Platz im Leben zu finden. Sie sitzt hier in ihrer neuen Wohnung am Kirschholztisch ihrer Großmutter, vor sich eine Unzahl von Photos, die viele Erinnerungen in ihr wachrufen. Erinnerungen an die Kindheit, an ihre Brüder, an die Sommer bei der Großmutter am Meer, an die Studienzeit in Paris; fernab von den Eltern versucht sie hier herauszufinden, was ihr wichtig ist. Sie erzählt von der schwierigen Liebe zu dem Maler Arik, von ihrem Sohn, den sie zur Adoption freigibt und von ihren Freundinnen Nadeshda und Hiromi. Von anderen Bekannten, die ihren Platz im Exil anscheinend gefunden haben, schreibt sie: "Kaum war ich neuen Menschen begegnet, brachen sie wieder auf und flogen fort, nach Amerika, Australien, Kanada, um etwas Neues zu beginnen. Anfangs schrieben wir uns alle, aber dann hörte es auf, und alle Briefe blieben fast gleichzeitig aus. Ich wunderte mich darüber und deutete es als Treulosigkeit, bis ich verstand, dass die Anderen jetzt, da sie nicht mehr schrieben, in ihrem neuen Leben angekommen waren."
Man darf sehr gespannt auf den dritten Teil sein.
EGr

Lily Brett: Lola Bensky

Lola Bensky ist Rockjournalistin für ein australisches Magazin und trifft sich in den 60er Jahren mit den späteren Pop-Größen Jimi Hendrix, Mick Jagger, Janis Joplin, Otis Redding, Sonny und Cher etc., um mit ihnen ganz unkonventionell über Diäten, Mütter, Gott, Sex und Lockenwickler zu plaudern...In diesem autobiografischen Roman von Lily Brett wirft sie nicht nur einen liebevollen Blick auf die Sixties, nach und nach stellt sich auch heraus, welch weitreichende Auswirkungen die Vergangenheit ihrer Familie auf ihr augenblickliches Leben hat - ihre Eltern waren Überlebende von Auschwitz. Ein berührend menschlicher und humorvoller Roman!
BGr

Josha Zwaan: Parnassia

Die niederländische Autorin Josha Zwaan hat sich intensiv mit dem Schicksal jüdischer Kinder auseinandergesetzt, die den Holocaust in christlichen Pflegefamilien überlebten. Sie wurden von ihren Eltern oft weggegeben, damit sie eine Chance zum Überleben hatten.
In ihrem Roman erzählt sie die Geschichte von Rivka, die als 4jähriges Kind in ein protestantisches Pfarrhaus kommt. Hier wird sie Anneke genannt und muss behaupten, dass ihre Eltern tot sind. Auch ihr Bruder Simon kommt in eine Pflegefamilie, so dass alle Familienmitglieder getrennt sind.
Die Pflegeeltern gehen zwar sehr fürsorglich mit ihr um, sie wird christlich erzogen und muss ihre jüdischen Wurzeln auch nach dem Krieg leugnen; ihre traumatische Kindheit kann Anneke jedoch nie überwinden und hat deshalb immer Schwierigkeiten im Leben, mit ihrem Mann, mit ihren Kindern, so dass sie sich letzendlich von allen zurückzieht und sich niemandem öffnen kann. Ihr Leben lang ist sie hin und her gerissen zwischen zwei Kulturen und hat dieses Thema nie verarbeitet. Erst im Alter, als sie von ihrer eigenen Tochter Sandra dazu gedrängt wird, sich zu öffnen und sich näher zu kommen, beginnt sie sich wirklich mit sich selbst und ihren Problemen zu beschäftigen.
EGr

Andrej Longo: Das Sonnenblumenfeld

Andrej Longo erzählt wieder in einer einfachen und wunderbaren Sprache eine Geschichte, die im heissen Süden Italiens spielt. Die junge und schöne Caterina und Lorenzo, der Schusterjunge verlieben sich und treffen sich immer wieder heimlich am Meer. Sie sind zwei Seelenverwandte. Doch Fellone, der Sohn des reichen Bürgermeisters, stellt Caterina nach – und er ist es gewohnt, dass er bekommt, was er möchte. An einem Festtag findet er heraus, dass die Liebenden sich im Sonnenblumenfeld treffen wollen; er schmiedet einen perfiden Plan. Die Sonne brennt erbarmungslos, und während sich das gesamte Dorf auf der Piazza versammelt, um die Pizzica zu tanzen, macht er sich auf den Weg, um Rache zu nehmen. Dort finden sich zufällig auch zwei Gauner und ein Flüchtling aus Afrika ein. Immer schneller - wie die Pizzica, die auf dem Fest getanzt wird - spitzt sich die Handlung zu und treibt diese Geschichte auf ihren Höhepunkt.
EGr

Christian Signol: Der Himmel, so blau

Christian Signol erzählt seine eigene Familiengeschichte; voller Dankbarkeit erzählt er von seinem Großvater Julien Signol, der in ärmlichsten Verhältnissen am Ende des 19. Jahrhunderts in Südfrankreich aufgewachsen ist. Julien ist das Kind einer armen Landarbeiterin, so dass auch sein Leben von harter Arbeit geprägt ist. Mit viel Energie macht er das Beste aus seiner Situation, wird Maurer und gründet eine Familie. Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und Julien wird eingezogen.
Traumatisiert und mit einer zertrümmerten Hand kehrt er frustriert zu seiner Familie zurück. Er hat den festen Vorsatz, seinen Kindern ein besseres Leben und die Bildung zu ermöglichen, die ihm immer verwehrt blieb.
EGr

Norbert Zähringer: Bis zum Ende der Welt

Die ukrainische Studentin Anna findet nach dem Tod ihrer Großmutter keinen Halt. Ihr Vater und seine Saufkumpane wollen sie an einen Zuhälter verkaufen. Um zu entkommen, wendet sich Anna an eine Partneragentur. Sie wird nach Berlin an einen älteren deutschen Hobby-Astronom namens Gerhard Laska vermittelt. Dieser hat allerdings ein ungewöhnliches Anliegen. Er ist schwerkrank und hat nicht mehr lange zu leben. Vor seinem Tod möchte er von Berlin aus in sein Ferienhaus nach Portugal und dort noch einmal einen Kometen sehen. Anna soll ihn dorthin begleiten.
EGr

Fariba Vafi: Kellervogel

Fariba Vafi lebt in Teheran. Diesen Roman hat sie bereits im Jahr 2002 veröffentlicht; er erschien aber erst jetzt in deutscher Sprache.
Eine junge Frau lebt mehr oder weniger unzufrieden und ohne wirklich ein Ziel vor Augen zu haben, zusammen mit ihrem Mann und zwei Kindern in einer Stadt im Iran. Der Text ist in kleine atmosphärisch dichte Kapitel und Themen unterteilt; so wird gut die unruhige und zerissene Stimmung der Frau vermittelt. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Mann, der sie zeitweise verlässt, zwischen ihren Kindern und zwischen den Gedanken an ihre Mutter und ihren Vater. Die politische und gesellschaftliche Situation tut ein übriges, um die Zerrissenheit zu fördern. Verschiedenste Gedanken gehen ihr stetig durch den Kopf. Soll sie mit ihrem Mann nach Kanada auswandern oder in der vertrauten Umgebung bleiben? Die Sehnsucht nach einem besseren Leben ist allgegenwärtig.
EGr

Marjana Gaponenko: Wer ist Martha?

Luka Lewadski, 96 Jahre, einst bekannter Professor für Ornithologie in der Ukraine, erfährt, dass er an Lungenkrebs erkrankt ist und beschließt, seine letzten Wochen in einem Nobelhotel in Wien zu verbringen. Dort trifft er einen ebenso betagten Herrn, mit dem er über seine Vergangenheit, die Geschichte, die Oper und das Leben an sich philosophiert. Marjana Gaponenko entführt den Leser in eine skurrile Welt, in der sich Gegenwart und Vergangenheit vermischen und wo man nie ganz sicher zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden kann - ein originelles Buch.
BGr

Francesca Melandri: Über Meereshöhe

Paolo, frühzeitig pensionierter Lehrer, besucht seinen Sohn in einem Hochsicherheitsgefängnis auf einer Insel in Italien. Er versteht nicht, wie sein Sohn zum Terroristen werden konnte. Auch Luisa, eine Bäuerin mit fünf Kindern, ist auf dem Weg dorthin. Ihr Mann ist in diesem Gefängnis inhaftiert; zusätzlich zu seinen früheren Gewalttaten hat er noch einen Gefängniswärter umgebracht. Pierfrancesco Nitti arbeitet in diesem Gefängnis und wohnt mit seiner Frau auf der abgeschiedenen Insel.
Nach dem Besuch im Gefängnis sollen die beiden Gäste wieder zum Hafen zur Fähre zurückgebracht werden. Ein sehr bedrohlicher heftiger Sturm kündigt sich an; als dann noch ein Unfall geschieht, bleibt den Besuchern nichts anderes übrig, als die Nacht auf der Insel zu verbringen. Nitti hat den Auftrag sich um die beiden zu kümmern. So kommt es zu einem interessanten Zusammentreffen zwischen diesen unterschiedlichen Menschen und zu sehr intensiven Begegnungen und Gesprächen.
EGr

Hansjörg Schertenleib: Wald aus Glas

Hansjörg Schertenleib erzählt von zwei Frauen, die sehr unterschiedlich sind. Sie sind aber dadurch verbunden, dass beide versuchen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen und sich von den äußeren Zwängen, die andere ihnen auferlegen, zu befreien.
Die dreiundsiebziegjährige Roberta flieht aus dem Altenheim in der Schweiz, befreit ihren Hund aus dem Tierheim und macht sich auf die Reise in ihre Heimat ins Salzkammergut.
Das fünfzehnjährige türkische Mädchen Ayfer ist in der Schweiz aufgewachsen; dort fühlt sie sich zu Hause. Doch sie wird von ihren Eltern in die Türkei zum Onkel geschickt. Sie muss in seinem Hotel am Schwarzen Meer arbeiten und sich seinen Wertvorstellungen und seiner Tyrannei unterordnen. Sie ist dort todunglücklich, sehnt sich nach ihrem Freund und hat die Kraft, die abenteuerliche Reise ins Ungewisse anzutreten.
EGr

Elena Poniatowska: Frau des Windes

Die Frau des Windes ist die Malerin und Schriftstellerin Leonora Carrington. Elena Poniatowska - eine der wichtigsten Autorinnen Mexikos - hat das Leben von Leonora Carrington in einen spannenden Roman verwandelt. Leonora wurde als Tochter eines reichen Textilfabrikanten in England geboren. Sie wollte sich schon als Kind in keiner Weise an die Gepflogenheiten ihrer Familie und ihrer Gesellschaftsschicht anpassen. Mit 20 Jahren lernte sie in Paris den 26 Jahre älteren Maler Max Ernst kennen und lieben. Im Kreise der Surrealisten ist sie eng befreundet mit Dalí, Miró, Picasso, Breton und anderen Künstlern und Schriftstellern. Getrieben vom Krieg und privaten Schicksalsschlägen kommt sie über Spanien, Lissabon und New York in ihre letzte Heimat Mexiko.
EGr

Lars Raiters: Die Bucht am Ende der Zeit

Die tödlich erkrankte 14-jährige Lena, die nur noch 3 Monate zu leben hat, fliegt mit ihrer Mutter auf eine traumhaft schöne Südseeinsel. Dort lernt sie im Gespräch mit dem weisen Delphin Jonathan das Leben als ein Spiel anzusehen und ihre Angst vor dem Tod zu überwinden. Durch die Erfahrungen in dieser Auszeit verändert sich das Leben von Mutter und Tochter.

Tomás Gonzáles: Das spröde Licht

Der kolumbianische Autor Tomás Gonzáles hat ein Buch über Sterbehilfe geschrieben. Die Geschehnisse drehen sich zwar um den durch einen Unfall querschnittgelähmten Jacobo, den ältesten Sohn der Familie; dieser tritt aber im Roman fast nicht in Erscheinung. Die Handlung beschreibt vielmehr, wie sich die auf den Tod wartende Familie, Eltern und Brüder, mit der Situation auseinandersetzt. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Vaters, ein Maler, der zum Schreiben übergegangen ist, um dieses schwere Schicksal greifbar zu machen und zu verarbeiten.
EGr

Christa Wolf: August

Diese sehr kurze Erzählung hat Christa Wolf kurz vor ihrem Tod im Jahr 2011 geschrieben.
Die Figur des August ist schon aus "Kindheitsmuster" bekannt. Seit seine Frau gestorben ist, lebt August einsam in einer kleinen Wohnung in Berlin. In dieser kurzen Erzählung erinnert er sich als älterer Mann und Busfahrer an seine Kinderzeit im Sanatorium zurück. Als elternloser Flüchtlingsjunge vesucht er durch seine Freundschaft mit der jungen Lilo ein bisschen Wärme zu ergattern. Eine weise und berührende kurze Geschichte.
EGr

Urs Augstburger: Als der Regen kam

Helen ist an Alzheimer erkrankt. Zum alljährlich stattfindenden Jugendfest kehrt ihr Sohn Mauro in ihr Schweizer Heimatdorf zurück, um ihre Wohnung zu räumen. Lang verschüttete Erinnerungen werden in ihm wach und auch seine Mutter durchbricht ihre Apathie und tanzt mit einem seligen Lächeln auf dem Gesicht mit einem unsichtbaren Geliebten. Mauro beginnt zu ahnen, dass es eine große Liebe im Leben seiner Mutter gab, von der er nichts weiß und macht sich auf die Suche...eine sprachlich sehr schöne Geschichte von Liebe und Verrat, die immer wieder den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart spannt.
BGr

Robert Seethaler: Der Trafikant

Der 17jährige Franz Huchel lebt mit seiner Mutter am Attersee. Im Jahr 1937 wird er nach Wien geschickt, um in der Trafik von Otto Trsnjek eine Lehre zu beginnen. Durch die unbedarften Augen des jungen Mannes werden die damaligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Stadt Wien dargestellt. Franz lernt Sigmund Freud kennen, er verliebt sich in eine junge Varietétänzerin aus Böhmen und er tritt schließlich an die Stelle seines Lehrherren, als dieser von den Nationalsozialisten verhaftet wird. Robert Seethaler ist ein melancholischer und ruhiger, aber trotzdem sehr bewegender, sprachlich hervorragender Roman geglückt.
EGr

Lilian Faschinger: Die Unzertrennlichen

Der skurrile und zugleich spannende Roman der österreichischen Autorin Lilian Faschinger spielt in der steirischen Provinz. Er schildert die Abgründe des ach so idyllischen Landlebens. Die Handlung beginnt sehr bizarr. Der alkoholsüchtige Vater der Protagonistin Sissy ist gestorben – auf der Beerdigung schlägt der Blitz in den Sarg und verletzt einige Trauergäste. Als helfender Arzt kommt Sissys ehemaliger Studienfreund hinzu. Er lebt in dem Ort und war mit ihrer besten Freundin Regina verheiratet. Diese ist seit zwei Jahren auf mysteriöse Weise verschwunden. Eigenmächtig beginnt Sissy Nachforschungen, die ihr fast das Leben kosten.
Fl

Hanns-Josef Ortheil: Das Kind, das nicht fragte

Hanns-Josef Ortheil schreibt einen Roman nach dem anderen. Sein neuer Roman "Das Kind, das nicht fragte" ist - flapsig ausgedrückt - eine Mischung aus meinem Lieblingsbuch "Die Erfindung des Lebens" und seinem schönsten Liebesroman "Die große Liebe".
Benjamin Merz, ein bekannter Ethnologe, reist nach Sizilien, um dort Forschungen über den Ort Mandlica - in Wirklichkeit Modica - und seine Einwohner zu machen. Er hat 4 ältere Brüder, von denen er immer unterdrückt und gehänselt wurde. Er ist sehr scheu und wortkarg. In Mandlica jedoch wird ein anderer Mensch aus ihm und er lernt endlich, das Leben zu genießen.
Wenn er an Deutschland zurückdenkt, sieht er "ein Land der Quiz- und Kochsendungen, der überdrehten, wichtigtuerisch vorgetragenen Wetterberichte und der sich täglich ins Kleinste verlaufenden politischen und ökonomischen Kommentare, die ein immerwährendes Unwohlsein verbreiten und dieses Unwohlsein kultivieren."
Dieser Roman bietet viel kluge und humorvolle Konversation; es dreht sich viel um das Sprechen und Erzählen und macht sehr viel Freude beim Lesen.
EGr

Grégoire Delacourt: Alle meine Wünsche

Grégoire Delacourt ist in Frankreich ein sehr beliebter Autor, der zwei Bestseller geschrieben hat und bereits mit einigen Literaturpreisen ausgezeichnet wurde. "Alle meine Wünsche" ist das erste in Deutsch erschienene Buch. Es ist ein kleines Juwel. Erzählt wird die Geschichte von Joycelyne, die einen kleinen Kurzwarenladen hat, den sie mit viel Freude betreibt. Ihr Mann arbeitet, die Kinder sind aus dem Haus. Joycelyne betreut einen sehr beliebten Blog im Internet und lässt sich von ihren Freundinnen eines Tages überreden, wenigstens einmal Lotto zu spielen. Damit gerät ihr Leben aus den Fugen.
EGr

Anna Enquist: Die Betäubung

Nach dem Tod seiner  Frau nimmt Psychoanalytiker Drik seine Arbeit wieder auf.  Doch der Neuanfang nach dem schweren Verlust fällt ihm nicht leicht, zumal er auch einem seiner neuen Patienten nicht gewachsen zu sein scheint. Ausgerechnet dieser Patient beginnt mit Driks Schwester eine heimliche Affäre, über die er auch in den Sitzungen spricht. Drik kann sich nicht entschließen, seine Schweigepflicht zu brechen und seiner Schwester dieses Wissen mitzuteilen und die Therapie zu beenden – mit dramatischen Folgen für die ganze Familie.
Wer sich auf viel medizinische Terminologie einlässt, kann einen fesselnden und bewegenden Roman der niederländischen Literaturpreisträgerin lesen.
Fl

Julie Otsuka: Wovon wir träumten

Julie Otsuka ist mit diesem kleinen Roman ein wahres Kunstwerk gelungen. Sie erzält von jungen und unerfahrenen Japanerinnen, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Heiratsvermittlern nach Amerika gelockt werden, wo sie von ihren zukünftigen Ehemännern erwartet werden. Den jungen Frauen und Mädchen wurde ein reiches und abgsichertes Leben in Amerika versprochen; vorgefunden haben sie jedoch nur bittere Armut. Das Faszinierende an Otsukas Roman ist vor allem die Tatsache, dass sie keine Ich-Erzählerin bemüht, sondern aus einer Wir-Perspektive heraus erzählt, die alle betroffenen japanischen Frauen umfasst. Sehr gelungen!
EGr

William Nicholson: Der verborgene Zauber des ganz normalen Lebens

Edenfield ist eine kleine Ortschaft in der englischen Grafschaft Sussex. Die hier lebenden Menschen durchleben in einer Woche im Mai die unterschiedlichsten Nöte und Glücksmomente des Alltags. Henry und Laura, über 20 Jahre verheiratet, stecken in der Midlife-Crisis, während ihre Kinder Probleme mit Mitschülern haben. Ihr junger Lehrer, der sich als Schriftsteller versucht, hofft, in der alleinerziehenden Journalistin Liz nicht nur eine gute Kritikerin gefunden zu haben und dem Vikar des Ortes kommt zum Entsetzen seiner Kirche der Glaube abhanden. Kleine Sorgen, große Geheimnisse, Liebe und Eifersucht verweben in immer größer werdenden Kreisen die Schicksale dieser Menschen und vervollkommnen das Bild für den Leser.


Lloyd Jones: Die Frau im blauen Mantel

Auf der Buchmesse Frankfurt war 2012 Neuseeland das Gastland. Es sind deshalb auch viele interessante Bücher von neuseeländischen Autoren erschienen.
"Die Frau im blauen Mantel" ist eine afrikanische Frau, die lange in guten Hotels am arabischen Meer gearbeitet hat. Hier lernt sie auch Jermayne kennen, der in Berlin lebt. Sie bekommt mit ihm einen Sohn, den er eines Tages entführt. Nun versucht sie mutterseelenallein nach Italien und von dort nach Deutschland zu kommen.
In diesem sehr interessant konstruierten Roman kommen die Personen zu Wort, die "Ines" - wie sie sich nennt - auf ihrer Odyssee nach Berlin helfen. Aus diesen vielen verschiedenen Perspektiven entsteht so nach und nach ein Bild von ihrem sorgenvollen Leben. Sehr zu empfehlen!
EGr

Veronique Olmi: In diesem Sommer

Jedes Jahr verbringen Denis und Delphine das Wochenende vom 14. Juli in ihrem Ferienhaus in Coutainville in der Normandie. Wie jedes Jahr sind Nicolas und Marie mit dabei, ebenso wie Lola. Sie hat jedes Jahr einen anderen jungen Freund im Schlepptau. Außerdem kommen noch die Kinder von Denis und Delphine mit. Jeanne und Alex dürfen in diesem Jahr jeweils einen Schulfreund mitnehmen, damit sie sich mit den Erwachsenen nicht langweilen. Veronique Olmi gibt uns an diesem Sommerwochenende Einblick in die Strukturen und Probleme der Paare. Das Leben und die Zeit plätschern dahin. Als Dimitri, ein fremder junger Mann auftaucht, bringt er mit seiner Art einiges durcheinander und stellt dadurch bald vieles im Leben der befreundeten Familien in Frage.
EGr

David Foenkinos: Souvenirs

Der französische Autor David Foenkinos hat gerade seinen letzten Roman "Nathalie küsst" zusammen mit seinem Bruder Stéphane verfilmt. Audrey Tautou spielt die Hauptrolle der Nathalie.
Souvenirs ist nun sein neunter Romen. In ihm erzählt der junge Ich-Erzähler die Geschichte seiner Familie. Der junge Mann arbeitet als Nachtportier in einem kleinen Zwei-Sterne-Hotel in Paris, um dort in Ruhe seinen schriftstellerischen Ambitionen nachzugehen. Er erzählt in seinem humorvollen und verspielten Roman von seinen Großeltern, von der Großmutter im trostlosen Altenheim und von ihren Eskapaden, von den Problemen seiner Eltern und nicht zuletzt von seiner eigenen Familiengründung. Als die Großmutter aus dem Heim Reißaus nimmt und er sich in der Normandie auf die Suche nach ihr macht, beginnt auch sein Leben Fahrt aufzunehmen.
EGr

Erri de Luca: Montedidio

Erri de Lucas Roman "Montedidio" ist in Italien bereits 2001 erschienen. In der jetzigen deutschen Übersetzung handelt es sich um die Neuauflage der Ausgabe von 2004, die den Titel "Ich bin da" getragen hatte.
Der jugendliche Ich-Erzähler berichtet von seinem Leben in der Schreinerwerkstatt von Errico. Hier arbeitet auch der Schuhmacher Don Rafaniello und hier fühlt er sich wohl. Sein Vater hat nicht viel Zeit für ihn, aber von ihm hat er einen Bumerang geschenkt bekommen; das Wichtigste, was er besitzt.
Jeden Tag steigt der Junge auf die Dachterrasse des Mietshauses, um dort unbeobachtet mit seinem Holz zu trainieren. Hier trifft er sich auch mit seiner gleichaltrigen Nachbarin Maria. Sie ist schon viel erfahrener und kümmert sich liebevoll um ihn.
EGr

Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen

Inzwischen ist der Deutsche Buchpreis 2012 vergeben. Auf der Longlist stand auch Bodo Kirchhoffs neuer Roman „Die Liebe in groben Zügen“. Er hat den Preis nicht bekommen, aber dieser 700 Seiten starke Roman ist ein guter Begleiter für lange Herbst- und Winterabende. Sehr detailreich schildert Kirchhoff eine späte existenzielle Beziehungskrise.
Vila und Renz sind schon lange verheiratet, beruflich erfolgreich und finanziell gutsituiert. Sie leben in Frankfurt und haben ein Ferienhaus in Italien. Dieses Haus vermieten sie im Winter an einen Lehrer, der sich dort seinen Forschungen über Franz von Assisi und der heiligen Klara widmet. Zwischen Vila und diesem eigenwilligen Wintermieter entwickelt sich eine heftige Liebesgeschichte, die alles Bisherige in Frage stellt.
Fl

Martin Suter: Die Zeit, die Zeit

Peter Taler lebt wie in Trance, seit seine Freundin vor seiner Haustür erschossen wurde, Mörder unbekannt. Sein Nachbar, ein alter Mann, der seine Frau schon vor Jahren verloren hat, zieht seine Aufmerksamkeit an. Er behauptet, es gäbe keine Zeit, nur die Veränderung und wenn es möglich wäre, alle Veränderungen seit einem bestimmten Zeitpunkt ungeschehen zu machen, wird die Zeit aufgehoben und alles möglich. Gemeinsam versuchen sie mit immensem Aufwand den Zustand der Umgebung von vor zwanzig Jahren herzustellen - mit überraschendem Ergebnis. Ein fast philosophischer Roman, sehr lebendig und unterhaltsam.
BGr

Katharina Hagena: Vom Schlafen und Verschwinden

Ellen Feld ist Schlafforscherin und lebt jetzt mit ihrer fast erwachsenen Tochter Orla in Hamburg. Sie erzählt in Rückblenden von ihrem bisherigen Leben, von ihrer Freundschaft mit Andreas und seinem Freund Lutz, von ihrer Zeit in Irland mit ihrem dortigen Lebensgefährten, der für Orla ein guter Vater war und von ihren Eltern. 6 Menschen treffen in einem Chor aufeinander, die alle miteinander in Verbindung stehen. Dabei ist auch Marthe, die Lehrerin, deren Sohn Lutz eines Tages sang- und klanglos verschwunden ist. Er hatte eine Beziehung zu Ellen. Was ist damals wirklich passiert?
Katharina Hagena ist auch nach ihrem ersten Roman "Der Geschmack von Apfelkernen" wieder ein schöner, gut zu lesender Roman gelungen.
EGr

Margaret Mazzantini: Das Meer am Morgen

Margaret Mazzantini hat nach ihrem letzten dicken Roman "Das schönste Wort der Welt" einen kleinen feinen Roman geschrieben, der ihr wieder vollkommen gelungen ist.
Es geht um 2 Mütter und 2 Söhne, die zu verschiedenen Zeiten von Krieg und Vertreibung bedroht sind. Die Tragödie spielt sich auf dem Meer zwischen Afrika und Italien ab. Jamila und ihr kleiner Sohn Farid fliehen 2011 aus der libyschen Wüste vor dem Bürgerkrieg. Sie fliehen, weil Gaddafis Truppen ihren Mann ermordet und ihre Existenz vernichtet haben. Vito und seine Mutter Angelina werden 1970 von Gadaffi aus Tripolis zurück nach Sizilien vertrieben. Das Meer ist Hoffnung und Bedrohung zugleich. In eindringlichen Bildern erzählt Margaret Mazzantini eine zarte Geschichte von den zwei ähnlichen Schicksalen, die sich beispielhaft hinter den aktuellen brutalen Ereignissen in der arabischen Welt verbergen.
EGr

Irvin D. Yalom: Das Spinoza-Problem

Irvin D. Yalom ist einer der wichtigsten Psychoanalytiker in den USA. Er hat neben einer Vielzahl wissenschaftlicher Werke bereits mehrere sehr erfolgreiche und empfehlenswerte Romane veröffentlicht.
In diesem Roman verknüpft er die Lebenswege, Ideen und Gedanken von  Spinoza mit denen von Alfred Rosenberg. Der eine ein jüdischer Philosoph, der andere nationalsozialistischer Politiker. Spinoza lebte im 17. Jahrhundert in Holland, gilt als einer der Begründer der modernen Bibelkritik und wurde aus der jüdischen Gemeinde verbannt. Ihm wird Rosenberg - führender Ideologe der NSDAP - gegenübergestellt. Rosenberg interessierte sich trotz seiner antisemitischen Einstellung für die Ideen von Spinoza. Dies liefert Yalom die Grundidee für seinen Roman und lässt uns tief in die Welt der Philosophie und Psychologie eintauchen.
EGr

John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Eigentlich handelt es sich bei dem neuen Roman von John Green wieder um ein Jugendbuch; doch wir haben es zusätzlich bei den Romanen einsortiert, weil es auch für Erwachsene sehr lesenswert ist.
Die 16jährige Hazel ist ein Einzelkind und sie hat Lungenkrebs. Sie vermeidet Freundschaften, sie ist gerne alleine und wird von ihren Eltern so sehr umsorgt, dass es ihr manchmal zu viel wird. Einmal in der Woche geht sie in eine Selbsthilfegruppe von jugendlichen Krebspatienten. Dort erscheint eines Tages Augustus, genannt Gus. Die beiden verlieben sich und verbringen noch eine sehr intensive Zeit zusammen.
Ein ehrliches und intensives Buch über Krankheit, die Liebe und das Leben.
EGr

Evi Simeoni: Schlagmann

Der 65jährige Sportjournalist Müller hat die beiden früheren "Lebensbegleiter" von Arne Hanse dazu gebracht, ihm in mehreren Einzelgesprächen Gedanken und Erinnerungen an den international erfolgreichen Ruderer Hansen zu offenbaren. Ali war sein Trainingspartner und Rivale, Anja war seine Freundin. Arne war kompliziert, er war magersüchtig und er lies niemanden an sich ran. Auch Anja ist es nie gelungen, zu Arne wirklich vorzudringen. Auch sie konnte sein Leben nicht retten, weil er es nicht zulies. Seine Merkwürdigkeiten verunsichern Anja noch heute. Sie fand keinen Zugang zu ihm; ebensowenig, wie alle seine anderen Mitmenschen.
Evi Simeoni ist Sportredakteurin der FAZ. Wie sie im Nachwort schreibt, wurde sie für ihr Romandebüt vom Schicksal des deutschen Ruderers Bahne Rabe inspiriert.
EGr

Francis Greenslade: Der Duft des Regens

Die Kanadierin Frances Greenslade hat mit ihrem ersten Roman einen richtig schönen Schmöker geschrieben. Die beiden Schwestern Maggie und Jenny Dillon werden von ihrer Mutter Irene zu Bea und Ted Edwards gebracht, da sie sich andernorts um ihren Lebensunterhalt kümmern will. Maggie und Jenny arrangieren sich so gut es geht mit der Situation. Als Jenny in Schwierigkeiten gerät, macht sich Maggie auf die Suche nach ihrer Mutter. Ein anrührender Roman, der viel von der Atmosphäre in der Wildnis Kanadas vermittelt
EGr

Armin Kratzert: Beckenbauer taucht nicht auf

Armin Kratzert ist in Augsburg geboren und in Stephanskirchen und Rosenheim aufgewachsen. Er studierte Theaterwissenschaft, Kunstgeschichte und Literatur und arbeitet als freier Journalist und Fernsehautor. Armin Kratztert hat bereits viele Romane, Theaterstücke und Gedichte geschrieben.
In "Beckenbauer taucht nicht auf" berichtet er von einem Außerirdischen vom Planeten Koho, der sich den Namen Anatol Hinueber gegeben hat. Anatol hat den Auftrag, sich auf die Suche nach Genmaterial von Franz Beckenbauer zu machen. Was er dabei mit dem Nachbarjungen Tschorsch und dessen Mutter, sowie anderen Nachbarn erlebt, welche Gedanken er sich zu München und Kitzbühel macht, ist sehr humorvoll erzählt.
EGr

Jane Urquhart: Der Schmetterlingsbaum

Die kanadische Autorin Jane Urquhart erzählt von Liz, die jeden Sommer ihrer Kindheit auf den Obstplantagen und dem Gut ihres Onkels am Eriesee verbracht hat. Nun kehrt sie hierher zurück, um als Insektenforscherin die Monarchenfalter zu beobachten. Sie erinnert sich an ihre Kindheit und erzählt von einem tragischen Ereignis, das das ganze Familiengefüge auf den Kopf stellt. Mosaikartig berichtet sie von ihrem Onkel, von ihrer Cousine Mandy, von ihrer Mutter und von ihrem Kindheits- und Jugendfreund Teo, dem mexikanischen Jungen, dessen Mutter auf der Farm gearbeitet hat.
EGr

Milena Michiko Flašar: Ich nannte ihn Krawatte

Milena Michiko Flašar hat eine japanische Mutter und einen österreichischen Vater; sie lebt als Schriftstellerin in Wien.
Sie erzählt von 2 Menschen, die sich auf einer Parkbank in Tokio kennenlernen. Der Jugendliche Taguchi Hiro will nicht wie sein Vater einfach nur funktionieren. Er ist dem Leben nicht gewachsen, hält dem Leistungsdruck nicht stand und hat sich deshalb vollkommen zurückgezogen und abgekapselt. In Japan werden Menschen, die aus Angst vor dem Leistungsdruck im Arbeitsleben das elterliche Haus nie verlassen, als "Hikikomori" bezeichnet.
Ohara Tetsu, ein erwachsener Mann, will seiner Frau nicht gestehen, dass er seine Arbeit verloren hat. Er ist ein typischer Anzug- und Krawattenträger, die in Japan "Salaryman" genannt werden; er geht weiterhin jeden Tag aus dem Haus und spielt seiner Frau ein Arbeitsleben vor. Die beiden verschiedenen Männer freunden sich an und erzählen sich Tag für Tag ihr Leben und finden so allmählich wieder in die Gesellschaft zurück.
EGr

David Vann: Die Unermesslichkeit

David Vann erzählt in seinem neuen Roman die Geschichte einer schwierigen Familie in Alaska. Die beiden Kinder Rhoda und Mark leben ihr eigenes Leben mit ihren jeweiligen Partnern und ihren eigenen Problemen. Doch Rhoda fühlt sich verantwortlich für ihre Eltern und möchte vor allem ihrer Mutter beistehen. Die Eltern Gary und Irene finden einfach nicht mehr zueinander und machen sich gegenseitig das Leben schwer. Als Gary verbissen durchsetzt auf einer kleinen Insel eine Holzhütte zu bauen und dort dann auch leben zu wollen, eskaliert die Situation.
EGr

Franz Hohler: Spaziergänge

Der Schweizer Autor hat hier seine 52 Spaziergänge eines Jahres aufgezeichnet. Jede Woche berichtet er von einer Wanderung und erzählt, was ihm dabei auffällt und welche Gedanken ihm durch den Kopf gehen. Seine genaue Beobachtungsgabe und Fromulierungskunst beschert dem Leser eine abwechslungsreiche und erhellende Lektüre. Mit offenen Augen und interessanten Gedanken scheint der Autor Franz Hohler durchs Leben zu spazieren.
EGr

Marion Brasch: Ab jetzt ist Ruhe! Roman einer fabelhaften Familie

Marion Brasch erzählt in ihrem DDR-Familienroman die Geschichte ihrer außergewöhnlichen Familie. Der Vater war stellvertretender Kulturminister der DDR, die drei Brüder wurden als Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler bekannt.
Sie erzählt die dramatischen Lebensereignisse und den Verlust ihrer drei Brüder konsequent aus der Perspektive der Schwester und Tochter als Kind und Jugendliche. Unpolitisch und naiv ist ihr Blick auf ein Aufwachsen in der DDR, trotzdem ist ihr in dieser Haltung ein bewegender und manchmal witziger Romanerstling gelungen.
SDe

Mechthild Borrmann: Wer das Schweigen bricht

Robert Lubisch entdeckt im Nachlass seines Vaters eine Schwarz-weiß-Fotografie einer jungen Frau und einen SS-Ausweis mit einem unbekannten Namen. Was hat das mit seinem Vater zu tun? Aus Neugier macht er sich auf die Suche und muss bald feststellen, dass es im Leben seines Vaters dunkle Punkte gibt. Und dass es Menschen gibt, die über Leichen gehen, um alte Geheimnisse zu wahren - spannend bis zuletzt!
BGr

Stephen King: Der Anschlag

Jake Epping hat einen Zeittunnel in das Jahr 1958 entdeckt, 3 Jahre vor dem Attentat auf John F. Kennedy. Kann er den Lauf der Geschichte ändern? Und wie sieht dann die Welt bei seiner Rückkehr aus? Er beschließt, alles daran zu setzen, den Anschlag zu verhindern. Aber die Vergangenheit will sich nicht ändern lassen und legt ihm verschiedenste Hindernisse in den Weg. Wird er es schaffen? Ein dicker Schmöker mit leichtem Grusel-Effekt und unerwartetem Ende.
BGr

Margaret Mazzantini: Das schönste Wort der Welt

Margaret Mazzantini hat wieder einen sehr schönen und sehr dicken Roman mit fast 700 Seiten verfasst. In Rückblenden geschrieben, aus dem Jahr 2008 ins Jahr 1984, fesselt dieser Roman ungemein, da er bis zum Schluß offen lässt, wer Gemmas Sohn Pietro eigentlich ist.
Die italienische Studentin Gemma verliebt sich in den Photographen Diego, als sie sich 1984 bei der Olympiade in Sarajevo befindet. Durch den gemeinsamen Freund Gojko haben sie sich kennen und lieben gelernt. Den beiden steht ein turbulentes und aufregendes Leben bevor.
EGr

Sten Nadolny: Weitlings Sommerfrische

Der Richter a.D. Wilhelm Weitling kentert bei einem Sturm auf dem Chiemsee. Als er in Chieming wieder an Land gespült wird, lebt er als Geist bei seinem eigenen Ich in der Jugendzeit. Überrascht, aber interessiert und teilweise voller Skepsis verfolgt er das Leben des Jungen. Doch wie lange bleibt er in dieser Situation - und was ist mit seiner Frau Astrid, die er eigentlich vom Zug abholen sollte? Darf er wieder in sein altes Leben zurückkehren?
Eine spannende und philosophische Lektüre.
EGr

Bernd Schroeder: Auf Amerika

Bernd Schroeder erzählt in diesem autobiographisch angehauchten Roman von einer Nachkriegs-Kindheit in einem kleinen Dorf nahe Erding.
Der wichtigste Kontakt des kleinen Jungen war der zum gutmütigen und ein bißchen geheimnisvollen Knecht Veit. Das Flüchtlingskind und der Knecht sind beides Einzelgänger. Niemand wusste etwas von Veit, doch der Junge hatte von allen Dorfbewohnern am meisten Vertrauen zu ihm. Niemand wusste woher er kam, wohin er ging und ob er jemals "Auf Amerika" gewesen ist.
EGr

Ingvar Ambjørnsen: Den Oridongo hinauf

Der norwegische Schriftsteller Ingvar Ambjørnsen wurde mit seiner "Elling"-Trilogie bekannt.
Der Eigenbrötler Ulf Vagsvik, verlässt Oslo und quartiert sich unangemeldet bei seiner Brieffreundin Berit auf der kleinen Insel Vaksøy ein. Ulf fühlt sich auf der meist in Nebelschwaden gehüllten Insel wohl; alle Bewohner kennen ihn, aber trotzdem lässt er sich nicht vollständig integrieren. Und wie ergeht es der niederländischen Familie van der Klerk, die sich ebenfalls auf der Insel ansiedeln will? Die Bewohner bereiten auf jeden Fall alles für die Ankunft der Neubürger vor. Doch dann geschieht ein Unglück. Dadurch wird Ulf gezwungenermaßen zum Vertrauten des zwölfjährigen jungen Tom  – und erinnert sich immer wieder an seine eigene schmerzliche Vergangenheit.
EGr

A.F.Th. van der Heijden: Tonio - ein Requiemroman

Der Schriftsteller Adri van der Heijden und seine Frau Mirjam verlieren ihren fast 22jährigen Sohn Tonio durch einen Verkehrsunfall mit dem Fahrrad. Der Autor versucht in diesem mehr als 600 Seiten starken Requiemroman seine Gefühle und Gedanken zu sortieren: "Das Schreiben wird dann zu einem Teil des Ringens, und umgekehrt. Die ratlosen Eltern, die die letzten Tage und Stunden ihres Sohnes rekonstruieren... weil alles von Bedeutung ist... sie klammern sich an jedes Detail..." Eigentlich war Adri van der Heijden gerade im Begriff einen neuen Roman zu beginnen. Im Angesicht dieser Tragödie kann er nur schreiben, indem er sich mit seinen Erinnerungen an seinen Sohn befasst.
Ein sehr berührendes und faszinierendes Buch!
EGr

Julian Barnes: Vom Ende einer Geschichte

Julian Barnes lebt in London und erhielt bereits zahlreiche internationale Preise. Mit seinem neuesten Buch "Vom Ende einer Geschichte" ist ihm wiederum ein spannendes und stilistisch hervorragendes Buch gelungen. Es teilt sich in zwei große Kapitel: im 1. Teil wird von Freundschaften und Erlebnissen aus der Jugend berichtet, im 2. Teil 40 Jahre später ist Anthony auf der Suche nach der Wahrheit.
Drei Freunde nahmen den überaus intelligenten neuen Schüler Adrian in ihrer Gruppe auf und verbringen viel Zeit zusammen.
Im Alter muss der inzwischen pensionierte und geschiedene Historiker Anthony sich mit der Frage auseinandersetzen, was zwischen ihm, Adrian und zwischen der Freundin Veronica und deren Mutter wirklich geschehen ist. Welche Mitschuld trägt er am Selbstmord seines Freundes?
EGr

Mario Vargas Llosa: Der Traum des Kelten

Llosa erzählt die bewegende Lebensgeschichte des Engländers Roger Casement, der um 1900 in die englischen Kolonien im Kongo und am Amazonas reist, um einen Beitrag zur "Zivilisierung der dortigen Bevölkerung" zu leisten. Vor Ort lernt er die ausbeuterischen Praktiken der Kolonialfirmen kennen und wird bald zum leidenschaftlichen Verteidiger der Rechte und Kulturen der Eingeborenen und ein Gegner der Kolonisation. Er verfasst Berichte, die in seiner Heimat England veröffentlicht werden und zu erheblichem Aufsehen führen. Der Aufenthalt in den Kolonien macht ihm auch seine eigenen irischen Wurzeln bewußt. Zurück in England wird er zu einem Hauptverfechter der irischen Unabhängigkeit und im Zuge des Osteraufstands 1916 als Landesverräter verurteilt und hingerichtet. Llosa gelingt es auf beeindruckende Weise, nicht nur die Zeit hautnah zum Leben zu erwecken, sondern Casement jenseits aller politischen Überzeugungen v.a. als Mensch darzustellen: als Menschen voller innerer Widersprüche.
BGr

Linda Holeman: Der Duft von Safran

Zum Dahinschmökern! Sidonie wächst in einer amerikanischen Kleinstadt Anfang der Dreißigerjahre auf. Schon von klein auf meint es das Leben nicht gut mit ihr, bis sie glaubt ihr Glück in Person des charismatischen Arztes Etienne gefunden zu haben, mit dem sie sich schon bald verlobt. Doch eines Tages verschwindet Etienne spurlos. Seine letzte Spur führt Sidonie in das ferne Marrakesch. Noch ahnt sie nicht, welche Wahrheit sie in jener exotischen Welt über den Mann aufdecken wird, den sie glaubte zu kennen.
JKu

Andreas Maier: Das Haus

Andreas Maier erzählt von einer Kindheit in Bad Nauheim. Das Kind Andreas wächst behütet in einer Familie mit einem älteren Bruder und einer älteren Schwester auf. Andreas ist scheu, geht äußerst widerwillig in die Schule; er ist am zufriedensten, wenn er mit sich selbt alleine ist. An gesellschaftliche Zwänge will er sich nicht anpassen. Von seinen Mitschülern wird er gehänselt und so zieht er sich immer mehr zurück.
EGr

Marie-Aude Murail: Das ganz und gar unbedeutende Leben der Charity Tiddler

Ein Jugendbuch, das aber auch für Erwachsene sehr lesenswert ist! Marie-Aude Murail begeisterte ihre Leser u. a. schon mit ihrem Buch "Simpel", für das sie den Jugendliteraturpreis erhalten hat. Ihr neuestes Werk erzählt das Leben von Charitiy Tiddler. Es ist die erfundene Biografie über Beatrix Potter, der Autorin des berühmten Buches "Peter Rabbit". Das Mädchen Charity ist einsam, forscht über allerei Getier, rezitiert Shakespeare und wartet auf das Leben. Bis zur letzten Zeile ist man als Leser gefesselt von Charitys Weg zur Unabhängigkeit in der - vor allem für Frauen - rigiden Gesellschaft des viktorianischen Englands, verliebt sich in ihre Verschrobenheit und bangt mit ihrem Schicksal. Sehr lesenswert!
JKu

Josef Bierbichler: Mittelreich

Der Schauspieler Josef Bierbichler erzählt in seinem ersten Roman die Familiengeschichte einer Seewirtsfamilie über drei Generationen hinweg. Mit kraftvoller Sprache, stimmiger Erzählweise und mit autobiographischen Zügen, berichtet er vom schwierigen Leben der Familie und der sie umgebenden Figuren. Der Krieg beeinflusst die Lebensläufe der Menschen bis in den hintersten Winkel.
EGr

Stewart O'Nan: Emily, allein

Emily führt zusammen mit ihrem alten Hund Rufus ein sehr unspektakuläres Leben. Ihr Mann ist schon gestorben und die beiden Kinder sind aus dem Haus. Da sie weiter weg gezogen sind, sieht sie auch die Enkelkinder sehr selten. Einzige Abwechslung sind die kleinen Ausflüge mit ihrer Schwägerin Arlene. Als diese eines Tages wegen einem Schwächeanfall ins Krankenhaus kommt, muss Emily sich um sie und um ihr Auto kümmern. Als wieder alles in den üblichen Bahnen verläuft, kauft sie sich ein kleines Auto und genießt ihre Unabhängigkeit, die sie dadurch wieder erlangt.
Stewart O'Nan hat ein ruhiges Buch geschrieben, das unaufgeregt vom unaufgeregten Leben der 80jährigen Emily erzählt.
EGr

Gérard Georges: Eines Morgens auf dem Land
 
Zwei stadtmüde Engländer haben tief im Herzen der Auvergne einen Weiler gekauft und wollen daraus ein Bed&Breakfast machen. Der alte Nachbar Ferdinand Pélissier ist entsetzt. Er lebt mit acht Charolais-Kühen, Hühner und einem Hund ganz allein auf dem Nachbarhof. Eltern und Bruder sind gestorben, und Yvette, seine einzige große Liebe, hat Ferdinand nie bekommen. Den verbitterten Bauern, holen oft nachts die Erinnerungen ein und lassen ihn nicht schlafen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass er alles versucht, um diese Engländer mit schlechtem Benehmen und angelegten Gewehr zu vertreiben. Doch Mrs und Mr Kelly sind gar nicht so schrecklich. Und für Peggy, ihre kleine Tochter, öffnet der alte Ferdinand noch einmal sein Herz …
Warmherzig, skurril und voller Humor wird in diesem Roman vom Leben auf dem Land erzählt und davon, dass es für das Glück niemals zu spät ist.

Michael Kumpfmüller: Die Herrlichkeit des Lebens

Michael Kumpfmüller erzählt in seinem Roman die relativ kurze Beziehung zwischen der 25jährigen Dora Diamant und Franz Kafka bis zu seinem frühen Tod im Juni 1924. Die beiden lernten sich 1923 in Müritz kennen. Franz Kafka war an Tuberkulose erkrankt und meist ziemlich schwach und ohne Appetit. Kumpfmüller ist eine überzeugende Verbindung zwischen einer gründlich recherchierten Lebensgeschichte und einer einfühlsamen Fiktion gelungen.
EGr

Christos Tsiolkas: Nur eine Ohrfeige

Christos Tsiolkas wurde in Australien als Sohn griechischer Einwanderer geboren. In seinem Roman "Nur eine Ohrfeige" geht es um eine Gruppe befreundeter Familien der australischen Mittelschicht.
Auf einer Party wird der erwachsene Harry vom vierjährigen Hugo durch dessen Verhalten so, gereizt, dass ihm die Hand ausrutscht und er dem Kind eine Ohrfeige versetzt. Hugos Mutter Rosie ist entsetzt und erstattet Anzeige.
Die Ereignisse werden in 8 Kapiteln aus 8 sehr verschiedenen Blickwinkeln einiger der beteiligten Personen geschildert. Die Meinungen gehen auseinander. So entsteht ein äußerst spannender, kontoverser und vielschichtiger Schmöker.
EGr

Ketil Bjørnstad: Die Unsterblichen

Nachdem Ketil Bjørnstad seine lesenwerte Trilogie um den jungen Pianisten Aksel Vinding beendet hat, hat er nun einen neuen Roman geschrieben, der sich mit dem Thema Alter beschäftigt.
Die Großfamilie vom Arzt Thomas Brenner ist eine "eingeschworene Gemeinschaft", bei der alles gewohnheitsmäßig funktioniert. Thomas Brenner und auch seine Frau geraten dabei allerdings an ihre Grenzen. Die beiden Töchter sind zwar schon erwachsen, aber jede ist auf ihre Art sehr unselbständig. Die beiden Elternpaare von Thomas Brenner und seiner Frau Elisabeth benötigen viel Unterstützung und Hilfe, die Zeit und Nerven kostet.
Als dann auch noch der 60. Geburtstag von Elisabeth, verbunden mit einem großen Fest und einer Reise nach Chicago ansteht, ist der Zusammenbruch vorprogrammiert.
EGr

Peter Henning: Leichtes Beben

Ein leichtes Erdbeben erschüttert Deutschland. Peter Henning schildert in 31 Momentaufnahmen, wie dieses Beben in das Leben seiner Charaktere eingreift: ein Schriftsteller, der sich in ein Hotel zurückzieht, um seiner Schreibblockade zu entfliehen; ein Paar, das sich trennen will und im steckengebliebenen Aufzug wieder zueinander findet; ein Mann, der im ICE sitzt, als ein fliehendes Pferd die Gleise kreuzt und viele mehr. Meisterhaft schafft Henning es, aus diesen vielen kleinen Szenen ein großes Ganzes zu weben und dabei die kleinen Erschütterungen einfühlsam aufzuzeigen.
BGr

Erri de Luca: Das Gewicht des Schmetterlings

Erri de Luca hat eine kurze Erzählung über einen alten Jäger und Wilderer und über einen alten Gamsbock - den König des Rudels - geschrieben. Beide waren trotz und wegen ihrer Einsamkeit mächtige Persönlichkeiten; beide stehen jetzt am Ende ihrer Tage. An einem kalten Novembertag begegnen sie sich im karstigen Hochgebirge zum letzten Mal. Obwohl der Mensch die Tiere tötet, empfindet er Bewunderung und Ehrfurcht vor ihnen.
In dem wunderbaren kleinen Büchlein ist noch eine zweite poetische Erzählung über eine Zirbe "Der Besuch des Baumes" enthalten. Auch ist ein interessantes Nachwort des Übersetzers Helmut Moyisch und die lesenswerte Laudatio zum Petrarca-Preis von Peter Kammerer angefügt.
EGr

Kristin Steinsdottir: Im Schatten des Vogels

Kristin Steinsdottir ist eine sehr bekannte Kinderbuchautorin Islands. In ihrem dritten Roman für Erwachsene "Im Schatten des Vogels" erzählt sie die Geschichte von Pálina Jónsdóttir. Das Mädchen wächst am Ende des 19. Jahrhunderts in einer abgelegenen Gegend Islands auf. In der Großfamilie findet sie einerseits Halt, hat aber andererseits auch mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie darf in Reykjavik die Mädchenschule besuchen; den Mann, den sie liebt, darf sie jedoch nicht heiraten. 
So heiratet sie Vigfús, bekommt kurz hintereinander viele Kinder und leidet unter Ängsten und Depressionen. Schon als Kind hatte sie mit seelischen Problemen zu kämpfen. Im Lauf ihres Lebens verstärken sich diese so extrem, dass nicht nur sie selbst, sondern ihre ganze Familie sehr darunter leidet.
EGr

Marie-Sabine Roger: Der Poet der kleinen Dinge

Vier Menschen stehen im Mittelpunkt des neuen Buchs von M.-S. Roger: Olivier, dem alles egal ist außer seinen Bierdosen; Cédric, der endlos im Liebeskummer badet; Alex, eine Frau, die möglichst niemanden an sich heranlässt und Gérard alias Roswell, dem hässlichen, hochgradig behinderten Bruder von Alex`Vermieter, der letztendlich ihrer aller Leben verändert und sie dazu bringt, einen abenteuerlichen Neu-Anfang ins Leben zu wagen. Ein liebenswerter Roman, der durch menschlich scharfsinnige Zeichnung der Charaktere besticht.
BGr

Franz Hohler: Der Stein

Der Schweizer Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher Franz Hohler hat ein breitgefächertes Werk veröffentlicht und wurde schon mit vielen Preisen ausgezeichnet.
Seine Erzählungen behandeln die unterschiedlichsten Themen; sie sind sehr vielschichtig und oft überraschend; sie sind sehr abwechslungsreich und bieten deshalb eine gewinnbringende und intensive Lektüre.
EGr

Jean-Philippe Mégnin: Dieses klare Licht in den Bergen

Jean-Philippe Mégnin lehrt Wissenschaftsgeschichte an der Universität Franche-Comté. "Dieses klare Licht in den Bergen" ist sein erstes Buch. Dieser kleine Roman ist atmospärisch dicht und lässt sich in einem Rutsch zu Ende lesen.
Marion ist in Annecy aufgewachsen. Sie hat das große Glück, sich einen Wunschtraum erfüllen zu können. Mit 24 zieht sie nach Chamonix in ihre geliebten Berge und kauft dort eine kleine Buchhandlung. Diese führt sie mit viel Freude und sie hat ein gutes Gespür für ihre Kunden.
Einer ihrer regelmäßigen Stammkunden ist der Bergführer Pierre. Eines Tages nimmt er sie mit auf eine Bergtour und auch Marion verliebt sich in ihn. Die beiden heiraten nach kurzer Zeit - aber sind sie auch die Richtigen füreinander?
EGr

Noam Shpancer: Der gute Psychologe

Noam Shpancer ist Psychologieprofessor an der Universität in Ohio. Er arbeitet auch als Therapeut, insbesondere mit Angstpatienten.
"Der gute Psychologe" ist sein erster Roman; ein ruhiger, schön zu lesender Roman, in dem es um drei Dinge geht:
Sein eigenes Leben, in dem er zwar sehr zufrieden ist, aber trotzdem Sehnsucht nach Nina, einer Kollegin und ehemaligen Geliebten hat.
Seine Patientin Tiffany, Tänzerin in einem Nachtclub, die ihre Bühnenangst und überhaupt ihr Leben in den Griff bekommen möchte.
Seine abendliche Vorlesung mit einer kleinen Gruppe von Studenten.
Noam Shpancer gelingt es, seine Erfahrungen als Therapeut in eine unterhaltsame und intelligente Geschichte zu verpacken.
EGr

Paola Capriolo: Der stumme Pianist

Die junge Krankenschwester Nadine findet am Strand einen jungen Mann. Er wird in die psychiatrische Klinik gebracht, in der sie arbeitet. Der Mann spricht nicht; von seiner Identität ist nichts bekannt. Jedoch ist er ein begnadeter Pianist, der sich täglich an den Flügel im Wintergarten der Klinik setzt und ein Grüppchen Interessierter um sich schart - sowohl Personal als auch andere Patienten. Der Direktor der Klinik entschließt sich, das Photo des "stummen Pianisten" zu veröffentlichen. So bekommt er viele Hinweise von Personen, die meinen, dem Mann schon einmal begegnet zu sein. Auch bei einigen Patienten löst die Musik Blockaden und sie ermöglicht es ihnen, sich mit ihrer schwierigen Vergangenheit und ihren Problemen auseinanderzusetzen.
Aus diesen verschiedenen Perspektiven bildet die Autorin einen vielschichtigen Text.
EGr

Nicolas Barreau: Das Lächeln der Frauen

Kann das Zufall sein? Die junge Aurélie ist am Boden zerstört. Einfach sitzengelassen von dem Mann, den sie zu lieben glaubte. Nun irrt sie ziellos, im strömenden Regen, durch Paris.
Da stößt sie in einer kleinen Buchhandlung auf ein ihr unbekanntes Werk „Das Lächeln der Frauen“. Beim Lesen merkt sie, dass der Autor genau sie und ihr Restaurant beschreibt. Woher kennt er sie so gut?
Aurélie macht sich auf die spannende Suche nach dem geheimnisvollen Autor des Buches...
Schu

Christiane Tramitz: Himmelsspitz

Christiane Tramitz wurde 1959 in München geboren. Sie studierte Sprechwissenschaften und promovierte an der Forschungsstelle für Humanethologie in Andechs. Bisher hat sie Sachbücher, Artikel und Reportagen veröffentlicht, in denen sie sich vorwiegend mit menschlichen Verhaltensweisen beschäftigt. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin von HumanLink.
"Himmelsspitz" ist ihr erster Roman. Auf dem Titel steht zwar, dass es sich um einen "Alpen-Krimi" handelt, jedoch fehlt eine typische Krimihandlung. Die Bezeichnung "Alpen-Krimi" ist vermutlich einem Marketing-Trick des Verlages geschuldet, da sich Alpenkrimis derzeit sehr gut verkaufen.
Mehrere Handlungsstränge werden miteinander verwoben. In den 40er-Jahren wird das Leben des Dorfes Fuchsbichl in den Ötztaler Alpen erzählt. Das Leben der Bergbauern ist zu dieser Zeit sehr hart. Schwere Arbeit, Armut, Gewalt und Lieblosigkeit bewirken eine düstere Atmosphäre. Vor allem die Frauen und Kinder leiden unter der Tyrannei der Männer.
In den 50er Jahren lernt Isabel in Hamburg für sehr kurze Zeit einen rätselhaften Mann kennen und lieben. In den 60er Jahren lebt sie in Hamburg mit ihrer unehelichen Tochter Lea und mit ihrem finanziell gut ausgestatteten, aber sehr herrischen Lebensgefährten. Da es Leas Arzt empfiehlt, verbringen sie einen längeren Urlaub in den Bergen. Lea leidet unter Albträumen.
Was verbindet die Personen aus den verschiedenen Regionen und Zeiten? Der Roman ist spannend geschrieben und ebenso spannend zu lesen.
EGr

Boualem Sansal: Harraga

Boualem Sansal hat 2011 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels bekommen. Er war bis zu seiner Entlassung im Jahr 2003 ein hoher Beamter im algerischen Industrieministerium.
Lamia lebt alleine in Algier und arbeitet als Ärztin. Die Arbeitsbedingungen sind sehr schlecht. Ihre Eltern und der ältere Bruder sind tot. Der jüngere Bruder ist ein Harraga; sie hat keinerlei Kontakt zu ihm. "Harraga" ist die Bezeichnung für Menschen, die sich illegal aus Afrika auf den Weg nach Europa machen.
Eines Tages steht die ihr unbekannte 16jährige Cherifa vor der Tür. Lamias angepasstes Leben gerät von einem Tag auf den anderen vollkommen durcheinander.
EGr

Hanns-Josef Ortheil: Liebesnähe

"Die Erfindung des Lebens" ist mein liebster Roman von Hanns-Josef Ortheil. Aber auch seine 3 Liebesromane sind sehr schön zu lesen. "Liebesnähe" ist nach den beiden Romanen "Die große Liebe" und "Das Verlangen nach Liebe" nun der 3. Band seiner Liebesromane.
Ein märchenhafter, poetischer und schon fast mythischer Roman über den Beginn einer intensiven Beziehung: Die Künstlerin Jule Danner und der Schriftsteller Johannes Kirchner kennen sich nicht. Doch sie haben eine gemeinsame enge Freundin, die in einem Hotel im Voralpenland südlich von München eine Buchhandlung betreibt. Dort, in diesem Hotel verbringen sie unabhängig voneinander ein paar Urlaubstage. Wie werden sie sich kennenlernen?
EGr

Lisa Moore: Und wieder Februar

Lisa Moore ist ein schöner und melancholischer, aber trotzdem positiver Roman gelungen. Sie erzählt eine Familiengeschichte über 3 Generationen. Im Mittelpunkt steht Helen, die ihren Mann Cal schon in jungen Jahren bei einem Unglück auf einer Ölplattform verliert. Sie hat 4 Kinder und versucht sie mit geringen finanziellen Mitteln aber mit viel Liebe aufzuziehen. Sie ist es, die die ganze Familie samt Schwiegereltern und Enkelkindern zusammenhält. Tief in ihr schwingt aber immer die Traurigkeit über den Verlust von Cal und die Sehnsucht nach einer neuen Liebe mit.
EGr

Tatiana de Rosnay: Sarahs Schlüssel

Es gibt Bücher die packen und lassen nicht mehr los. Sarahs Schlüssel ist so ein Buch.
Der Hintergrund der Geschichte ist die wahre Begebenheit im Sommer 1942, als FRANZÖSISCHE Soldaten tausende Franzosen mit jüdischen Wurzeln zusammentreiben. Der Befehl der deutschen Besatzung jüdische Männer zum Arbeitseinsatz zu zwingen wird völlig übertrieben ausgeführt. Ganze Familien werden aufgestört und im Radrennstadion von Paris eingepfercht. Die 10jährige Sarah ist eine von über 10.000 die tagelang dort menschenunwürdig eingesperrt werden. Und das von eigenen Landsleuten!
Als sie mitgenommen wurden dachte Sarah sie kämen bald zurück. Ihren kleinen Bruder hat sie deshalb zuhause in einem geheimen Schrank versteckt und den Schlüssel abgezogen…
Der Weg aus Paris führt nun direkt in die Arbeitslager rund um Paris.
Julia ist Journalistin und schreibt einen Artikel zum 60. Jahrestag der Zusammentreibung. Dabei stößt sie auf Details, die sie ganz persönlich betreffen.
Was ist damals mit Sarah passiert?
Ab 15.12.2011 im Kino.
Schu

Veronika Peters: Das Meer in Gold und Grau

Die Autorin Veronika Peters lebte 12 Jahre im Kloster, worüber sie auch in ihrem Buch "Was in zwei Koffer passt" geschrieben hat. Jetzt lebt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter als freie Autorin in Berlin.
Katja ist 29 Jahre alt und ziemlich orientierungslos, als sie gleichzeitig Arbeit und Wohnung verliert. Kurzentschlossen reist sie zu ihrer 73jährigen Tante Ruth, die mit einer Freundin ein kleines Strandhotel an der Ostsee betreibt. Die beiden kannten sich bisher nicht und da beide sehr eigenwillige Persönlichkeiten sind, verspricht der Aufenthalt nicht langweilig zu werden.
Katja kann im Hotel arbeiten und wohnen und ist schon bald von der angenehmen Atmosphäre in dem altmodischen Hotel gefangen.
Der Autorin ist mit diesem Buch ein schöner Schmöker gelungen.
EGr

Per Petterson: Ist schon in Ordnung

Der schwedische Schriftsteller Per Petterson erzählt die Kindheit und Jugend von Audun. Audun durchlebt eine schwierige Zeit; er lebt bei seiner Mutter; sein Bruder ist tot, seine Schwester bereits ausgezogen. Das Gymnasium schmeisst er kurz vor dem Abitur; er beginnt in einer Druckerei zu arbeiten, auch hier kann er sich nur schwer integrieren.
"Du weißt ja, Audun. Du bist achtzehn. Das ist eine schwierige Zeit. Da passiert so viel auf einmal, und hinterher sagen manche, es war die beste Zeit, die sie je hatten, und andere sagen, es war die schlimmste, und beides stimmt...."
EGr

Maja Haderlap: Engel des Vergessens

Maja Haderlap wurde 1961 in Eisenkappel/Zelezna Kapla in Kärnten geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft und Germanistik an der Universität Wien. Von 1992 bis 2007 war sie Chefdramaturgin am Stadttheater Klagenfurt und unterrichtet regelmäßig am Institut für Angewandte Kulturwissenschaft der Alpen-Adria-Universität in Klagenfurt. Sie veröffentlichte Gedichtbände auf Slowenisch und Deutsch sowie Übersetzungen aus dem Slowenischen. "Engel des Vergessens" ist ihr erster Roman. 2011 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis.
Die Ich-Erzählerin berichtet von ihrer Familie, die der slowenischen Minderheit angehört und in Kärnten lebt. Insbesondere erzählt sie von ihrer Großmutter, die das KZ Ravensbrück überlebt hat und von ihrem Vater, der gefoltert wurde und sich mit den Leiden des Krieges am wenigsten versöhnen kann. Die Ich-Erzählerin versucht als Kind und später als junge Frau die Erwachsenen zu verstehen und das Erlebte zu verarbeiten.
EGr

Astrid Rosenfeld: Adams Erbe

Adam verliebt sich in Anna. Aber es ist 1938, er ist Jude und lebt in Deutschland. Edward wächst in den 60er Jahren auf und sieht seinem Großonkel Adam zum Verwechseln ähnlich. Nach dem Tod der Großmutter findet er auf dem Dachboden ein handgeschriebenes Dokument, in dem Adam seine Geschichte erzählt. Mit Ironie und Witz in locker-leichtem Ton erzählt Astrid Rosenfeld von eigensinnigen Persönlichkeiten in einer schweren Zeit und wie sich Familienbande über Generationen miteinander verweben. Das beeindruckende Debüt steht auf der Nominierungsliste für den Deutschen Buchpreis.
BGr

Judith W. Taschler: Sommer wie Winter

Der Debütroman der Tiroler Autorin Judith Taschler ist ergreifend und spannend zugleich.
Geschickt baut sie die Handlung anhand von Gesprächen auf, die einzelne Familienmitglieder nach einem dramatischen Ereignis mit Therapeuten führen. Auf  diese Weise werden Geschehnisse der Vergangenheit aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Der Hintergrund der Therapiegespräche bleibt zunächst im Dunkeln, aber man ahnt als Leser, dass etwas Schreckliches passiert ist. Alexander Sommer wächst als Pflegekind in einer Tiroler Bauernfamilie auf. Eine gefühlsarme Erziehung und viel Arbeit auf dem Anwesen der Pflegeeltern prägten seine Kindheit. Volljährig macht er sich auf die Suche nach seiner leiblichen Mutter und entdeckt dabei Dinge, die für ihn und seine Pflegefamilie alles verändern.
Fl

Jennifer Donnelly: Das Blut der Lilie

Zum Dahinschmökern: Andi ist verzweifelt, seit ihr Bruder bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Trost findet sie nur beim Gitarrespielen. Auf einer Parisreise findet sie in einem alten Gitarrenkoffer das Tagebuch einer jungen Frau, die während der französischen Revolution den Kronprinzen Louis Charles betreut hat. Zunehmend wird sie von deren Lebensgeschichte gefangen genommen; nicht zuletzt aus der wachsenden Ahnung heraus, dass ihre beiden Schicksale untrennbar miteinander verbunden sind.
JKu

Doris Dörrie: Alles inklusive

Da es in diesem Jahr wohl keinen richtigen Sommer in Deutschland gibt, ist der neue Roman von Doris Dörrie eine Empfehlung. Die Handlung ist größtenteils im sonnigen Spanien angesiedelt. Die Protagonisten sind auf der Suche nach Wärme, Liebe und Glück. Alles beginnt zur Zeit der Hippies im Fischerdorf Torremolinos. Ingrid verbringt dort mit ihrer Tochter die Sommermonate am Strand. Eine leidenschaftliche Affäre mit dem verheirateten Karl hat dramatische Folgen. Nach 30 Jahren treffen einige der betroffenen Personen am Schauplatz des damaligen Geschehens nochmals zusammen, allerdings hat sich nicht nur die idyllische Landschaft entscheidend verändert.
Fl

Alice Munro: Zu viel Glück

Auch wenn Sie Erzählungen nicht so gerne mögen: die Erzählungen von Alice Munro sollten Sie trotzdem lesen!
Alice Munro wurde am 10. Juli 1931 in Ontario geboren. Die kanadische Autorin ist eine der bekanntesten und bedeutendsten Schriftstellerin ihres Landes und wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet.
Souverän erzählt sie in ihren Geschichten von schwierigen familiären oder wirtschaftlichen Verhältnisse der - meist weiblichen - Protagonisten. Durch widrige Umstände stehen sie oft vor den Scherben ihres Lebens und müssen sich mit der Situation arrangieren.
EGr

Michael Degen: Familienbande

Michael Degen ist den meisten Menschen mehr als Schauspieler bekannt; er hat aber bereits mehrere beachtenswerte Bücher geschrieben. In seinem neuen Roman beschäftigt er sich mit dem Leben von Michael Mann, dem jüngsten Sohn von Katia und Thomas Mann. Es gelingt dem Autor sehr gut, die schwierigen und unterkühlten Verhältnisse in der Famile Mann darzustellen. Michael Mann fühlte sich von seinem Vater zeitlebens nicht geliebt. Er war ein schwieriges und jähzorniges Kind; auch in seiner Jugend und seinem Erwachsenenleben konnte er sich von diesen Problemen nicht befreien.
EGr

Yusuf Yesilöz: Hochzeitsflug

Der kurdische Autor Yusuf Yesilöz lebt mit seiner Familie in der Schweiz. Er ist Autor und Filmemacher und hat bereits mehrere Roman veröffentlicht.
Der junge Beyto lebt mit seinen Eltern in der Schweiz. Die Eltern betreiben ein "Kebab House" und sehnen sich aber ständig nach einem Leben in der türkischen Heimat. Höchstens einmal im Jahr werden dort die Verwandten besucht.
Nichtsahnend fliegt Beyto auch diesmal wieder mit nach Hause und muss seinen heimlichen Geliebten Manuel für 3 Wochen zurücklassen. Seine Eltern haben ihm nicht verraten, dass er in diesem Sommer mit seiner Cousine Sahar verheiratet wird. Beyto schafft es nicht, sich gegen die Konventionen und gegen seine Eltern und seine Verwandschaft durchzusetzten. So fügt er sich der unvermeidbaren Tatsache - doch wie geht er damit um und wie wird seine Zukunft aussehen? Er hat nun niemandem mehr, dem er sich öffnen und vertrauen kann.
EGr

Francesca Kay: Die Farbe zwischen Himmel und Meer

Dieser Roman ist der erste Roman von Francesca Kay.
Ben, der Sohn der Malerin Jennet Mallow, erzählt die fiktive Biographie seiner Mutter. Jennet Mallow wurde am 11.11.1924 als Tochter eines schottischen Dorfpfarrers und einer Jamaikanerin geboren; sie wurde eine sehr erfolgreiche Malerin. Das Buch beginnt mit ihrer Beerdigung und endet mit ihrem Tod. Ihr Leben war strapaziös und sehr intensiv. Höhen und Tiefen durchlebte sie mit bewundernswerter Kraft. Das Leben in Künstlerkreisen ist ihr dabei sowohl Stütze und Motivation, als auch eine große Belastung und Tragik.
EGr

Nicole Balschun: Ada liebt

Ein anrührender, mit Leichtigkeit geschriebener Roman, den man am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Die Literaturwissenschaftlerin Ada liebt Bo, den "wunderschönen Bauerntölpel", wie sie ihn liebevoll nennen darf. Er ist Landwirt und bessert sein Einkommen als Sargträger auf. Doch schon am Anfang des kleinen Romans erfährt der Leser, dass die Liebesgeschichte zum Scheitern verurteilt ist. Die unterschiedlichen Welten und Lebenskonzepte sind trotz der großen Liebe nicht unter einen Hut zu bringen. Das tut aber dem Lesegenuß keinen Abbruch.
EGr

Mirjam Kristensen: Ein reiches Leben

Mirjam Kristensen wurde 1978 geboren und lebt in Kristiansand. "Ein reiches Leben" ist ein rätselhafter und spannender Roman, der eine ganz eigene Stimmung ausstrahlt. In 17 relativ kurzen Kapiteln wird die Geschichte von Dahlia, einer Russin, die in Kopenhagen an der Universität unterrichtet und forscht, erzählt. Sie wohnt sehr zurückgezogen in einem Haus, in dem eine Etage über ihr das ältere Vermieterehepaar lebt. Eines Tages wird sie von Isak besucht, zu dem sie bisher kaum Kontakt hatte. Sie wird in ein Geheimnis um einen Verkehrsunfall hineingezogen. Wer ist schuld an dem Unfall? Erst im 18. und letzten Kapitel löst sich die Geschichte auf.
EGr

Klaus Modick: Sunset

Der Schriftsteller Klaus Modick hatte über Lion Feuchtwanger promoviert. Nun hat er einen Roman geschrieben, der aus der Sicht Lion Feuchtwangers seine Zeit im Exil in Amerika und seine Freundschaft zu Brecht beleuchtet. Feuchtwanger hat Brecht in väterlicher Weise unterstützt und gefördert. Er sinniert aber nicht nur über diese Freundschaft nach, sondern auch über sein eigenes Leben im Exil, sein schwieriges Verhältnis zu seinem Vater, seine Schuldgefühle seiner Frau und seiner früh verstorbenen Tochter gegenüber. Klaus Modick ist es aus dieser Perspektive gelungen, dem Leser eine sehr persönliche Bilanz des Lebens Lion Feuchtwangers zu vermitteln.
EGr

Elia Barceló: Töchter des Schweigens

Mal wieder ein richtig schöner Schmöker gefällig? - Dann lesen Sie den Roman "Töchter des Schweigens". Eine spannend konstruierte Geschichte um 7 Freundinnen einer Abschlußklasse. Die Kapitel wechseln zwischen dem Jahr 1974, als die Abschlußfahrt nach Mallorca stattfindet und dem Jahr 2007, als eine der ehemaligen Schülerinnen wieder in ihren Heimatort zurückkehrt.
Die 7 Frauen teilen ein Geheimnis: es ist damals etwas Schreckliches passiert, was an keiner von ihnen spurlos vorbeigegangen ist. Nun, im Jahr 2007 stirbt eine der Freundinnen und nun schaltet sich auch die Polizei ein. Die lange vertuschten Ereignisse kommen wieder ans Tageslicht.
EGr

Nataša Dragnic: Jeden Tag, jede Stunde

Eine ideale Sommer-Sonne-Strand-Lektüre! Ein Liebesroman, der in Makarska, an der kroatischen Küste beginnt und dann zwischen dort und Paris hin- und herpendelt. Dora und Luka kennen sich schon seit Kindertagen und fühlen sich ihr ganzes Leben lang zueinander hingezogen. Gelingt es ihnen, ihre Träume zu verwirklichen?
EGr

Véronique Olmi: Die erste Liebe

Emilie bereitet gerade das Abendessen für ihren 25. Hochzeitstag vor, als sie eine Suchanzeige auf einem Stück Zeitungspapier entdeckt. Sie weiß, dass diese Anzeige ihr gilt und mit ihrem Jugendfreund Dario zu tun hat.  Hals über Kopf macht sie sich auf den Weg nach Genua. Auf der Fahrt erinnert sie sich an ihre Wünsche und Träume, die im Alltag untergegangen sind. Erinnerungen an ihre Schwester, an ihre Familie und an Dario machen sich breit. Doch in Genua wird sie von ganz anderen Dingen und Themen überrascht als sie erwartet hat.
EGr

Sara Gruen: Das Affenhaus

Die Wissenschaftlerin Isabel Duncan erforscht die Sprachbegabung und Kommunikationsfähigkeit von Menschenaffen, als auf ihr Institut ein Bombenattentat verübt wird, bei dem sie schwer verletzt überlebt. Den Affen gelingt es zu flüchten, kurze Zeit später tauchen sie in einem Reality-TV auf. Zusammen mit dem Journalisten John Thigpen versucht Isabel, die Hintergründe zu erforschen und die Affen in eine neue Heimat zu retten. Dieser Roman ist nicht nur spannend und unterhaltsam, er spiegelt viel Zeitgeist und bezieht Stellung zum Thema Ethik.
BGr

Jakob Arjouni: Cherryman jagt Mr. White

Rick ist 18 Jahre,  wohnt in Ostdeutschland und sucht vergeblich eine Lehrstellen. Seit geraumer Zeit wird er von einer Gruppe Neonazis nach Mafia-Art bedroht. Gekonnt und erschreckend nachvollziehbar beschreibt Arjouni, wie sich Rick angesichts der lauernden Gewalt immer weiter im Mitläufertum verstrickt, bis er auf schreckliche Weise aussteigt. Ein Roman, der Fragen stellt: Wie weit darf man sein Gewissen fürs eigene Glück ignorieren, wohin bringt einen Menschen die Angst und wieviel Gewalt ist bei Notwehr erlaubt?
BGr

Francesca Melandri: Eva schläft

Francesca Melandri wurde in Rom geboren. Sie schrieb bereits zahlreiche Drehbücher, aber "Eva schläft" ist ihr erster Roman und ein richtig schöner Schmöker.
Sie erzählt eine Liebesgeschichte, die vor dem Hintergrund der wechselhaften Geschichte Südtirols zum Scheitern verurteilt ist. Der Roman wird aus der Sicht von Gerdas unehelicher Tochter Eva erzählt. Gerda arbeitet unter schwierigsten Umständen in einer Hotelküche und wird von dem reichen Hotelerben Hannes schwanger. Da sie von Hannes nicht unterstützt wird, muss sie sich weiter alleine durchschlagen und eine Möglichkeit finden, weiter in der Küche zu arbeiten und einen Platz für ihre Tochter zu finden. Erst als sie Vito Anania kennenlernt, scheint das Leben für sie besser zu werden.
EGr

Irène Némirovsky: Die Familie Hardelot

Irène Némirovsky wurde 1903 als Tochter eines jüdischen Bankiers in Kiew geboren und wurde hauptsächlich von einer französischen Gouvernante aufgezogen. 1917, während der Russischen Revolution, floh die ganze Familie nach Paris. Irène studierte an der Sorbonne Literaturwissenschaften und wurde eine bekannte Schriftstellerin. 1942 starb sie in Auschwitz.
Posthum wurde sie vor allem auch durch das Buch "Suite francais" bekannt. "Die Familie Hardelot" erschien im Jahr 1947.
Die Fabrikantenfamilie Hardelot legt sehr viel Wert auf bürgerliche Tradition, Sicherheit und gesellschaftliches Ansehen. In ihrem Denken und in ihrem Verhalten ist es nicht vorgesehen, dass der Sohn Pierre seine große Liebe Agnès heiratet. Pierre und Agnès widersetzen sich den starren Regeln ihrer Familie und versuchen, ihre Liebe über die beiden Weltkriege zu retten. Der Familienzwist stellt sich als eine Lappalie gegenüber der heraufziehende Katastrophe heraus, die Frankreich, Europa und schließlich die ganze Welt erfasst.
EGr

Ida Fink: Die Reise

Ida Fink wurde 1921 geboren. Sie floh während der deutschen Besatzung mit gefälschten Papieren aus dem Ghetto von Zbaraz. und lebte bis zur Befreiung in der Illegalität. 1957 emigrierte sie nach Israel; sie schreibt aber weiterhin in polnischer Sprache.
Die Geschichte, die sie in diesem Buch erzählt, beginnt im Herbst 1942. Zwei jungen polnischen Jüdinnen gelingt die Flucht aus dem Ghetto ins Deutsche Reich. Ihr Ziel ist eines der zahlreichen Zwangsarbeiterlager. Unter falschem Namen arbeiten sie in einer Maschinenfabrik im Ruhrgebiet. Bei ihrer weiteren Odyssee erleben sie Haß und Feindschaft, aber sie lernen auch Hilfsbereitschaft und Freundschaft kennen. Nur durch ihre Vorsicht und ihren ausgeprägten Willen überleben sie die schwere Zeit.
EGr

Flavia Company: Die Insel der letzten Wahrheit

Ist es möglich, die Robinsonade neu zu erfinden? Ja ist es. Das zeigt die argentinische Autorin Flavia Company, von der nun erstmalig ein Roman auf Deutsch erschienen ist. Erzählt wird die Geschichte von Matthew Prendel, der tagelang im Atlantik treibt, nachdem seine Segelyacht von Piraten gekapert wurde. Schon halbtot stößt er schließlich auf eine einsame Insel, wo sich bereits ein weiterer Gestrandeter befindet – einer der Piraten. Gemeinsam verbringen sie dort eine sehr lange Zeit und was sich zwischen ihnen ereignet, lässt den Leser in die verborgensten  Bereiche des menschlichen Daseins eintauchen. Das Ende ist ebenso verstörend wie überraschend.
JKu

Delphine de Vigan: Das Lächeln meiner Mutter

Delphine de Vigan wurde bei uns mit ihrem Roman "No & ich" bekannt. In ihrem neuen Buch ist sie auf Spurensuche in ihrer weitverzweigten Familie. Sie treibt die Frage um, warum sich ihre Mutter Lucile im Alter von 61 Jahren umgebracht hat. Die Autorin trägt Erinnerungen zusammen; sie befragt die vielen Geschwister der Mutter, zeichnet das Porträt einer französischen Großfamilie: vital, gastfreundlich, aber mit einem Geheimnis behaftet. So geht sie von mehreren Seiten dem Leben ihrer Mutter und deren Eltern und Geschwister auf den Grund. Sie erzählt in drei großen Abschnitten die Lebensgeschichte ihrer Großeltern und der ganzen Familie. Aus Notizen, Tagebuchaufzeichnungen und Gesprächen formt sich so ein Bild des schwierigen Lebens von Lucile.
EGr

Arno Geiger: Der alte König in seinem Exil

Wenn einer nicht mehr denken kann wie früher, was ist das für ein Leben? Arno Geigers Vater hat Alzheimer. Die Krankheit löst langsam seine Erinnerung und seine Orientierung in der Gegenwart auf, lässt sein Leben abhandenkommen. Der österreichische Schriftsteller hat eine anrührende und wunderbar zu lesende Vater-Sohn-Geschichte geschrieben, die zugleich Familiengeschichte, Kindheitserinnerung, und Autobiografie ist.
Arno Geiger war nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2011. Für seinen Roman „Es geht uns gut“ erhielt er 2005 den Deutschen Buchpreis.
SDe

Zsuzsa Bánk: Die hellen Tage

Drei Kinder aus dem kleinen Ort Kirchblüt in Süddeutschland sind eng befreundet: Aja, Seri und Karl. Diese Freundschaft trägt sie durch Höhen und Tiefen und erreicht auch ihre Mütter und ihre Familien.
Zsuzsa Bánk versteht es, in ihrem Roman in märchenhafter Manier zu erzählen.
EGr

John Updike: Die Tränen meines Vaters

Zwei Jahre nach Updikes Tod sind seine letzten, meisterhaften Erzählungen auf Deutsch erschienen. Viele der 18 Erzählungen tragen autobiographische Züge, so auch die Titelgeschichte, in welcher sich Updike als alternder Mann an einen Abschied von zu Hause erinnert. Besonders beeindruckend ist in diesem Buch allerdings eine andere Geschichte. Sie spielt am 11.September 2001 und schildert aus drei ganz unterschiedlichen Perspektiven die Geschehnisse an diesem Tag, die nicht nur die Welt veränderten, sondern in dramatischer Weise vor allem die Schicksale der betroffenen und beteiligten Personen.
Fl

Horst Evers: Für Eile fehlt mir die Zeit

Auch in seinem neuen Buch erweist sich der mehrfach ausgezeichnete deutsche Kabarettist als genauer Beobachter, der es versteht, das Absurde im Alltäglichen zu entdecken und so humorvoll in Worte zu fassen, dass man nicht umhinkommt, laut loszulachen. Seine Texte sprühen vor Ironie und erstaunen und belustigen immer wieder mit ganz unerwarteten Ideen - eine witzig-erfrischende Alltagslektüre!
BGr

Tatjana Meissner: Alles außer Sex

Die Kabarettistin Tati hat alles was sie sich wünscht: Liebe in unbeschreiblichem, Kreativität in erfolgversprechendem und Erfolg in erträglichem Maß – wäre da nicht das Problem mit ihrem Alter, sie hat die Vierzig bereits überschritten. Mit viel Humor und Selbstironie beschreibt die Protagonistin ihre sich daraus ergebenden weiblichen Unzufriedenheiten. Tatjana Meissner hat mit ihrem zweiten Buch eine Lektüre vorgelegt, die nicht nur weibliche Leser um die vierzig sehr unterhalten wird.
JKu

Ketil Bjørnstad: Die Frau im Tal

Nun ist auch der letzte Teil der Trilogie von Ketil Bjørnstad erschienen. Bjørnstad ist Schriftsteller, Pianist und Komponist. Diese beruflichen Voraussetzungen spiegeln sich in seinem faszinierenden schriftstellerischen Werk wieder.
Der junge Pianist Aksel Vinding versucht nach dem Selbstmord seiner Frau Marianne, ihr in den Tod zu folgen. Doch dieses Vorhaben misslingt. Er wird gerettet und muss nun versuchen im Leben wieder Fuß zu fassen. Die geplante Tournee sagt er ab und zieht sich nach Nordnorwegen zurück. Dort lebt auch seine Schwägerin mit ihrem Mann Eirik. Sie ist Ärztin, ihr Mann arbeitet in einem Internat. Aksel macht eine Konzertreise zu den kleinen Orten an der Eismeerküste. Außerdem versucht er, durch die Arbeit mit den Schülern des Internats wieder etwas Sinn in sein Leben zu bekommen. Eine schwierige Zeit liegt vor ihm.
EGr

Elisabeth Binder: Orfeo

Nachdem uns die Neuerscheinung "Der Wintergast" von Elisabeth Binder sehr gut gefallen hat, haben wir auch noch ältere Bücher der Schweizer Autroin angeschafft.
In "Orfeo" erzählt sie die Geschichte eines älteren Schweizer Fabrikanten. Er macht sich auf die Reise nach Venedig und hofft, dort seine große Liebe, seine frühere Frau Stella, wiederzufinden.
Dieser kleine Roman ist mit seinen schönen Spaziergängen durch die Stadt Venedig und mit seinen wehmütigen Erinnerungen an die Vergangenheit ein kleiner Lesegenuss.
EGr

Delphine de Vigan: Ich hatte vergessen, dass ich verwundbar bin

Delphine de Vigan hatte bereits mit dem Roman "No & ich" sehr viel Erfolg. Auch ihr neuer Roman beleuchtet wieder ein aktuelles Problem unserer Zeit und ist wieder sehr spannend zu lesen.
Mathilde hat ihren Mann bei einem Unfall verloren und ist nun alleinerziehende Mutter von drei Söhnen. Sie hat ihr Leben so lange gut im Griff, wie sie sich in ihrer Arbeit als Marketingleiterin einer großen Firma gut mit ihrem Chef arrangiert hat. Doch eines Tages widerspricht sie ihm bei einem Meeting. Ab diesem Zeitpunkt schikaniert er sie tagtäglich und straft sie mit Nichtbeachtung. Ein klassischer Fall von Mobbing.
Parallel dazu wird die Geschichte des Arztes Thibault erzählt, der für einen mobilen medizinischen Dienst tätig ist. Er lebt ein einsames Leben in Paris und opfert sich für seine Patienten auf.
Begegnen sich die Beiden?
EGr

Susann Pásztor: Ein fabelhafter Lügner

Der 100. Geburtstag des vor 30 Jahren verstorbenen Vaters und Großvaters  ist Anlass für ein Treffen einer weitverzweigten Familie in Weimar. Dort war Opa Joschi angeblich als jüdischer Häftling im KZ Buchenwald. Allerdings hatte Joschi fünf Kinder von fünf Frauen und jedem dieser Kinder hat er eine andere Version seines Lebens erzählt und jedes Kind hat völlig andere Erinnerungen an den Vater. Was an Opa Joschis Biografie ist wahr, was Legende? Das versucht die Patchworkfamilie an diesem turbulenten Wochenende herauszufinden und kommt sich dabei endlich näher. Eine klug konstruierte, unterhaltsame Geschichte !
Fl

Sofi Oksanen: Fegefeuer

Monatelang war die estnisch-finnische Autorin und Dramaturgin Sofi Oksanen mit ihrem Roman Fegefeuer auf Platz Eins der finnischen Bestsellerlisten und erhielt bereits mehrere Literaturpreise. Dieser Roman ist auf Grundlage des überaus erfolgreichen Theaterstücks Puhdistus, das 2007 in Helsinki uraufgeführt wurde, entstanden.
Die tragische Geschichte der sehr jungen Zuhälterin Zara und der alten Bäuerin Aliide Truu bettet Oksanen in die Geschichte Estlands im 20. Jahrhundert ein. Die beiden Frauen verbindet ein lange zurückliegendes Familiendrama.
In Vor- und Rückblenden, mit Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und KGB-Akten wird von Menschenhandel, grausamer Folter, unglücklicher Liebe und Gewalt berichtet; die Grenzen zwischen Opfer und Täter sind dabei fließend.
EGr

Jean-Philippe Toussaint: Die Wahrheit über Marie

Jean-Philippe Toussaint hat nach "Sich lieben" und "Fliehen" den 3. Teil seiner Geschichte über die unmögliche Liebe zwischen Marie und dem namenlosen Ich-Erzähler veröffentlicht. Wie bereits in den beiden anderen Teilen können sich die Beiden weder vollkommen aufeinander einlassen - genausowenig können sie sich aber auch endgültig voneinander trennen.
Diesmal geht es nun auch um einen anderen Mann - um die Beziehung zwischen Marie und einem reichen französischen Rennpferdebesitzer. Die Handlung spielt zwischen Tokio und Paris. Der Liebhaber stirbt allerdings ziemlich plötzlich an einem Herzinfarkt, so dass bei Marie wieder die Abhängigkeit vom Ich-Erzähler zum Tragen kommt.
Wie schon die beiden anderen Bände ist auch dieses wieder ein sehr intensives Buch; mit seinem faszinierenden und fesselnden Stil gelingt dem Autor mit seiner Trilogie ein Meisterwerk.
EGr

Elisabeth Binder: Der Wintergast

Die Schweizer Schriftstellerin Elisabeth Binder erzählt in ihrem feinsinnigen Roman vom viermonatigen Aufenthalt des Künstlers Andreas in einem kleinen Dorf zwischen Maloja und Chiavenna. Er hat ein Stipendium für diesen Aufenthalt in einem Palazzo erhalten. Erst fühlt er sich nicht sonderlich wohl und hat Angst vor den langen Wintermonaten. Doch nach und nach fügt er sich in die Dorfgemeinschaft ein und findet auch wieder seine künstlerische Berufung, die ihm vorher abhanden gekommen war.
Elisabeth Binder erzählt vom täglichen Lenen im Dorf und von einigen ausgewählten Dorfbewohnern, die für Andreas wichtig geworden sind: die Pfarrerin Maddalena, der ein kranker Adler zugeflogen ist; die Hobby-Ornithologin Susanna, die kleine mutterlose Andrea, der Arzt, die Ladenbesitzerin und noch einige mehr. So lässt sie den Leser an deren Leben teilhaben und zaubert ein einnehmendes Bild vom Dorfleben.
EGr

Zora del Buono: Big Sue

Der Schweizer Carl Fenner ist auf der Flucht vor einem Skandal um seinen Schriftstellervater, der in seiner Heimat die Öffentlichkeit in Atem hält. Darum nimmt er den Auftrag an, über eine alte Villa in den Südstaaten der USA zu forschen. Dort lernt er eine deutsche Journalistin kennen. Sie ist es, die mehr und  mehr auf den wahren Grund kommt, der sich hinter Fenners Rechercheauftrag verbirgt. Aus ihrer Sicht erwacht die schwül-träge Atmosphäre  des amerikanischen Südens zum Leben während die Spannung mit der Aufdeckung einer schockierenden Wahrheit bis hin zu einem überraschenden Ende immer größer wird.
JKu

Michael Köhlmeier: Madalyn

Aus der Sicht des Schriftstellers und väterlichen Freundes Sebastian Lukasser wird die Geschichte der jungen Madalyn erzählt. Sie wohnt zusammen mit ihren Eltern in Wien im selben Haus. Da ihre Eltern nicht viel Verständnis und nicht viel Zeit für ihre Tochter aufbringen, fühlt sich Sebastian Lukasser in gewisser Weise für das junge Mädchen verantwortlich. So versucht er, sie in ihrer Liebe zu dem problematischen Freund Moritz zu unterstützen und ihr zu helfen die Wahrheit zu erkennen.
EGr

Philip Roth: Die Demütigung

Hier erleben wir den preisgekrönten amerikanischen Schriftsteller wieder in seiner erzählerischen Meisterschaft. Mit klarer, schnörkelloser Sprache schreibt er über den alternden Schauspieler Axler, der sich plötzlich seines Talentes beraubt sieht. Seine Angst, das Publikum könne über ihn lachen, weil er auf der Bühne einfach nur er selbst ist und der komplette Verlust seines Selbstvertrauens, hindern ihn daran, zum Theater zurückzukehren. Sein Leben gerät daraufhin vollkommen aus dem Gleichgewicht. Nur kurz erliegt er der Illusion, die Affäre mit einer sehr viel jüngeren Frau, könne ihn retten. Letztlich ist sie es, die ihn dazu bringt, das Vorgestellte zu etwas Wirklichem werden zu lassen - fast wie auf der Bühne…
JKu

Lukas Hartmann: Finsteres Glück

Der 8jährige Yves überlebt als einziger seiner Familie einen schweren Verkehrsunfall und liegt mit einem Schock im Krankenhaus. Eliane, Psychologin, soll den Jungen begleiten. Ob es ihr gelingt, den Jungen durch seine Trauer in sein Leben zurückzuholen, wie bei dieser Aufgabe langsam die Grenzen zwischen Beruf und Privatsphäre verschwimmen, wie sich die Hintergründe des Unfalls langsam enthüllen und sich auch Elianes Leben von Grund auf ändert, wird hier sensibel, mit Tiefgang und sehr einfühlsam erzählt von Lukas Hartmann.
BGr

Romain Rolland: Pierre und Luce

Romain Rolland erhielt 1915 den Nobelpreis für Literatur. Der Aufbau-Verlag hat jetzt seinen kleinen Roman "Pierre und Luce" in neuer Übersetzung wieder verlegt; laut Umschlag ist es "Die zarteste Liebesgeschichte der Weltliteratur". Paris, 1918: zwei junge Leute, Pierre und Luce, verlieben sich ineinander und versuchen die Angst und die schwierigen Lebensumstände, die der Krieg mit sich bringt, zu verdrängen.
EGr

Thomas Hettche: Die Liebe der Väter

Die dreizehnjährige Annika fährt mit ihrem Vater Peter über den Jahreswechsel gemeinsam mit Freunden des Vaters nach Sylt. Annika lebt normalerweise bei ihrer Mutter, die auch das Sorgerecht hat. Vater und Tochter haben sich durch die Umstände immer mehr entfremdet. Peter hadert mit dieser Situation; bei einem Restaurantbesuch kann er plötzlich seine Wut nicht mehr im Zaum halten; seine Nerven liegen blank und er verpasst wegen einer Lapalie seiner Tochter eine Ohrfeige. Dieses indiskutable Verhalten wirkt sich auf die ganze Gruppe aus und Peter wird ausgeschlossen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob Peter bei den Freunden und bei seiner Tochter doch noch Verständnis finden kann.
EGr

Michela Murgia: Accabadora

Michela Murgia wurde 1972 in Cabras auf Sardinien geboren. Sie studierte Theologie und unterrrichtete Religion. Accabadora ist ihr erster Roman.
Maria ist in einem kleinen sardischen Dorf als vierte Tochter einer sehr armen Witwe auf die Welt gekommen. In Sardinien gibt es den Brauch einer formlosen Adoption - "fill'e anima" - "Kind der Seele".  Deshalb wird sie von der kinderlosen alten Schneiderin Bonaria Urrai aufgezogen. Die beiden kommen gut miteinander zurecht, bis Maria erkennt, dass ihre zweite Mutter auch als Accabadora tätig ist, was sie nicht akzeptieren kann. "Ihr Handeln entspringt einem mütterlichen Impuls. So wie sie als Hebamme bei der Geburt die Nabelschnur durchtrennt, so schneidet sie den letzten Faden des Lebens ab und begleitet den, der nicht sterben kann."
Die Autorin versteht es meisterhaft, die Stimmungen und alten Traditionen dem Leser auf sehr spannende und eindrückliche Weise nachvollziehbar zu machen.
EGr

Lukas Hartmann: Bis ans Ende der Meere

England, 1776: Der junge Maler John Webber geht an Bord der Resolution, um die dritte Weltumsegelung James Cooks zu begleiten - sie wird vier Jahre dauern, sein Leben völlig verändern und eine unstillbare Sehnsucht in ihm hinterlassen...
Lukas Hartmann gelingt es, den Leser sehr authentisch und lebendig in diese Zeit eintauchen zu lassen: man spürt die Abenteuerlust und Entdeckungsfreude, die Faszination der Fremde. Man erlebt das harte Leben an Bord des Segelschiffs, ist den Launen des Meeres und des Windes ausgesetzt, den Freuden, Leiden und Grausamkeiten der Mannschaft und des Kapitäns. Sind die Engländer aufgrund ihrer Errungenschaften wirklich den "Wilden" überlegen? Wieviel Neues darf in andere Kulturen getragen werden? Auch diese Fragen finden ihren Platz...
Ein Buch, von dem man wünscht, es möge möglichst nicht zu Ende gehen.
BGr

Alain Claude Sulzer: Zur falschen Zeit

Alain Claude Sulzer wurde 1953 geboren. Er lebt in Basel und im Elsass als freier Schriftsteller.
Nachdem das Buch am Anfang etwas zäh "dahintröpfelt", wird es dann aber doch ziemlich spannend.
Der 17jährige Erzähler macht sich auf Spurensuche nach seinem Vater, der kurz nach seiner Geburt Selbstmord begangen hat. Von seiner Mutter erfährt er über die Umstände nicht viel; so macht er sich selbst auf die Suche nach seinen Wurzeln. Der Weg führt ihn nach Paris zu einem Freund seines Vaters.
Dieser Freund ist sein eigener Patenonkel, der sich jedoch seit seiner Taufe nicht mehr gemeldet hat. Hier findet er immer noch mehr Fragen, aber auch Antworten darauf.
EGr

Sebastian Glubrecht: Ja mei - Wie ich lernte, die Ehe zu schließen

Ein Preuße in Bayern! Im ersten Teil „Na Servus – Wie ich lernte die Bayern zu lieben“ sorgte Sebastian Glubrecht für allgemeine, völkervereinende Erheiterung. Nun geht die Geschichte von „Waschtl“, dem Herzblut-Berliner weiter. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten will Sebastian nun seine Roni heiraten. Leichter gesagt als getan! Dank seines Trauzeugen, dem Junggesellenenabschied, Schrägen Verwandten und dem verliebten Ex-Freund, gestaltet sich der schönste Tag des Lebens etwas kompliziert…
Sebastian Glubrecht geb. 1976 in Hannover, war lange Zeit leidenschaftlicher Wahlberliner. Vor seinem dreißigsten Geburtstag zog er nach München, wo er, allen Prognosen zum Trotz, immer noch wohnt. „Na servus“ ist sein erstes Buch und wird in kürze verfilmt.
TDo

Claudie Gallay : Die Brandungswelle

Dieser Bestseller aus Frankreich ist eine ideale Urlaubslektüre für LeserInnen die ans Meer fahren, aber auch für Daheimgebliebene, die gern vom Meer träumen.
Sehr poetisch schildert die Autorin Menschen und deren Alltagsleben im rauen Klima eines abgelegenen Fischerdorfes. Dorthin hat sich die Protagonistin nach dem Tod ihres Geliebten zurückgezogen. Durch das Auftauchen eines mysteriösen Fremden gerät ein streng gehütetes Geheimnis der Dorfbewohner in den Mittelpunkt der spannenden Handlung.
Fl

Bernhard Schlink : Sommerlügen

Der Titel des neuen Erzählbandes des bekannten Autors ist etwas irreführend, denn es sind schon eher Lebenslügen, die in den einzelnen Geschichten zu Tage treten. Schlink schildert einfühlsam, wie Menschen in bestimmten Lebenssituationen schmerzhafte Wahrheiten erkennen und sich diesen stellen müssen. Trotz dieser Thematik ist das Buch gut und leicht zu lesen – durchaus empfehlenswerte Urlaubslektüre.
Fl

Carla Guelfenbein: Der Rest ist Schweigen

Die chilenische Schriftstellerin Carla Guelfenbein hat einen sehr spannenden Roman geschrieben, der hinter die Kulissen der vermeintlich heilen Welt der Patchwork-Familie Montes schaut. Lügen, Heimlichkeiten und Halbwahrheiten sind hinter dieser Fassade zu finden.
Verborgene Konflikte und Geheimnisse, die vor allem den kleinen Sohn Tommy belasten, führen letzendlich zu einem großen Drama. Diese Krise, die alles mit sich reisst, hätte vermieden werden können, wenn die Familienmitglieder ihre Probleme und Sorgen miteinander geteilt hätten und nicht Scheinheiligkeit und Unverständnis geherrscht hätten.
Carla Guelfenbein ist ein nachdenklicher, spannender und unsentimentaler Roman gelungen!
EGr

Elizabeth Hay: Nachtradio

Der Roman spielt in dern siebziger Jahren in Yellowknife, einem kleinen Ort im Norden Kanadas. Die Handlung dreht sich um die Mitarbeiter eines kleinen Radiosenders, die in diesem Mikrokosmos die Leidenschaft für Ihre Arbeit ausleben. Diverse Intrigen und Sorgen verbinden die Mitarbeiter. Da die Autorin selbst in dieser Gegend gelebt hat und auch als Moderatorin gearbeitet hat, gelingt es ihr, das Leben und die Beziehungen unter den Mitarbeitern sehr authentisch und fesselnd zu beschreiben. Eine mehrwöchige gemeinsame Kanufahrt führt 4 der Mitarbeiter auf engstem Raum zusammen und lässt sie ihre Grenzen erkennen.
Ein intensiver, spannender und ruhiger Roman. Sehr zu empfehlen!
EGr

Paolo Giordano: Die Einsamkeit der Primzahlen

Paolo Giordano, geboren 1982 in Turin, hat in dieser Stadt Physik studiert und gelehrt. "Die Einsamkeit der Primzahlen" ist sein erster Roman. Er war mit 26 Jahren der jüngste Gewinner des "Premio Strega", Italiens renommiertestem Literaturpreis.
Die zwei Hauptpersonen Alice und Mattia haben beide eine schwierige Kindheit hinter sich, sind beide Aussenseiter mit schweren Problemen. Sie lernen sich als Jugendliche kennen und teilen ihre beiden Geheimnisse, die sonst fast niemand kennt. Beide für sich alleine drohen daran zu zerbrechen; gemeinsam könnten sie es schaffen, darüber hinwegzukommen.
Die Frage ist nur: sind sie wirklich füreinander geschaffen?
EGr

Sam Savage: Firmin – Ein Rattenleben

Firmin – klein, haarig und ein Aussenseiter. Geboren in einer Buchhandlung, entdeckt Firmin schon früh seine Leidenschaft für Bücher und Menschen.
In diesem in „Ich-Form“ verfassten Roman, erzählt Sam Savage die Lebensgeschichte einer Ratte, die mit ihrem Nager-Dasein hadert und lieber zu der Spezies gehören würde, die systematisch versucht, ihn um die Ecke zu bringen – den Menschen.
Sam Savage promovierte in Philosophie und arbeitete unter anderem als Tischler, Fischer, Drucker und reparierte Fahrräder.
TDo

Rafael Yglesias: Glückliche Ehe

Glückliche Ehe ist die auf wahren Tatsachen basierende Geschichte einer fast dreißigjährigen Ehe - vom romantischen Kennenlernen, Heirat, Kinder, Alltag, Seitensprung, Fast-Scheidung bis zum tragischen Ende durch den krankheitsbedingten Tod der Ehefrau. Der Roman besticht durch seine ganz persönliche Offenheit und die vielen feinsinnigen Nuancen im zwischenmenschlichen Miteinander. Kapitelweise wechseln die Szenen von den Anfängen zu den letzten Wochen gemeinsamen Lebens und konfrontieren den Leser mit beständig wechselnden Gefühlen. Ein Tipp: Zeit nehmen und jede Seite genießen - Schmunzeln, Lachen, Nachdenken, Lieben, Trauern und zu Tränen rühren lassen!
BGr

Eric-Emmanuel Schmitt: Vom Sumo, der nicht dick werden konnte

Dies ist der 5. Band aus Schmitts Zyklus über die Weltreligionen.
Als Jun, ein fünfzehnjähriger Straßenjunge, alles verloren hat, folgt er einer Einladung des alten Shomintso zu einem Sumoringen – eine Sportart, die er immer schon albern fand. Er fängt an, sich dafür zu begeistern, wird selbst Schüler und begibt sich damit auf den Weg einer körperlichen wie geistigen Ausbildung und auf den Weg zu sich. In gewohnt spielerisch-philosophischer Weise bringt Eric-Emmanuel Schmitt dem Leser Aspekte des Zen-Buddhismus näher. Shomintso: „Um über dem Kampf zu stehen, musst du dich über dich selbst und den Gegner erheben, indem du aus Intuition richtig reagierst.“ „Wie schafft man das?“ „Durch Meditation. Indem man die Leere in sich selbst findet.“ Empfehlenswert!
BGr

Linda Olsson: Die Nacht trägt Deinen Namen

Der jüdische Musiker und Komponist Adam Lipski lebt mit seiner Tochter Miriam auf der Insel Waiheke in der Nähe von Auckland. Adam wurde in Krakau geboren. Seine Familie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstreut, er selbst wuchs in Stockholm auf. Dort hat er seine große Liebe Cecilia kennengelernt. Zu Gunsten seiner Tochter  Miriam verlässt er Cecelia und um Abstand zu gewinnen wandert er nach Neuseeland aus.
Als seine Tochter plötzlich stirbt, zieht es ihm den Boden unter den Füßen weg. Nach einem Jahr Zurückgezogenheit und Trauer, beschließt er, sich auf den Weg zu seinen Wurzeln zu machen. Er reist nach Polen und anschließend nach Schweden um seiner Geschichte auf die Spur zu kommen. Wieder ein sehr spannend geschriebener Roman von Linda Olsson.
EGr

Kristín Marja Baldursdóttir: Die Farben der Insel

"Die Farben der Insel" ist die Fortsetzung des Romans "Die Eismalerin"; es ist die Lebensgeschichte der isländischen Künstlerin Karitas und ihrer Familie.
Die Malerin Karitas lebt am liebsten sehr zurückgezogen, um sich auf Ihre Malerei zu konzentrieren. Zu ihren Kindern und auch zu ihrem Mann Sigmar hat sie kaum Kontakt.
Anfang der fünfziger Jahre reist Karitas nach Paris, um dort neue Inspirationen für ihre Kunst zu erhalten. Sie - und auch andere Frauenfiguren dieses Romans - versuchen, aus ihren angestammten Rollen auszubrechen um auch als Frau ein selbstbestimmtes Leben verwirklichen zu koennen.
Ein richtig schöner spannender Schmöker!
EGr

Juan José Millás: Meine Straße war die Welt

Der spanische Autor Juan José Millás beschreibt in seinem autobiographischem Roman minutiös die Gefühle und Schwierigkeiten seiner Kindheit in Madrid. In faszinierender und detailreicher Sprache erzählt er von seinen Eltern, von seinem Freund, der bald gestorben ist, von Mädchen, die ihn interessieren und von der harten Schulzeit.
Eine ziemlich unglückliche und freudlose Kindheit öffnet sich vor den Augen des Lesers. Oft verzweifelt, aber doch getragen durch eine kindliche Fantasie, kämpft sich Juan José Millás durch Kindheit und Jugend.
EGr

Anna Gavalda: Ein geschenkter Tag

Eigentlich sind die Geschwister Simon, Garance und Lola auf der Hochzeit eines Cousins eingeladen. Auf der Fahrt beschließen sie, stattdessen lieber ihren Bruder Vincent mit einem Besuch zu überraschen und verbringen einen ganz unbeschwerten Tag unter Geschwistern, eine Insel des Glücks in ihrem Alltag: eintauchen in die alte Vertrautheit, gemeinsam lachen, baden, essen, erzählen, Kraft tanken; so wird dieser geschenkte Tag ein unterhaltsames Stück Sommerglück für den Leser!
BGr

Mark Twain: Sommerwogen - eine Liebe in Briefen

Mark Twain ist vor allem als Autor der Bücher über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn bekannt. Er wurde 1835 geboren und war bereits zweiunddreißig Jahre alt, als er sich verliebte. Am 21. April 2010 jährt sich der 100. Todestag Mark Twains; zu diesem Anlass hat der Aufbau-Verlag erstmals die Briefe Twains an seine einzige große und lebenslängliche Liebe Livy Langdon veröffentlicht. Die Briefe an seine Verlobte, Ehefrau und Mutter seiner Kinder sind humorvolle und anrührende Lebenszeugnisse des Autors, der offen von seinen Erfolgen und Niederlagen, von seinen Hoffnungen und Ängsten schreibt.
EGr

Hansjörg Schertenleib: Das Regenorchester

Der Schriftsteller lebt, nachdem seine Frau ausgezogen ist, allein und verzweifelt in seinem Haus in Irland. Die Begegnung mit der sechzigjährigen Niamh, die ihn zu ihrem Biografen macht, verändert auch ihn. Sie erzählt von den kleinen Wundern ihres Landes Irland und ihres Lebens und zeigt Dinge auf, die Mut auf eine neue Zukunft weisen.


Daniel Glattauer: Gut gegen Nordwind

Brieffreundschaft mal anders.
Als Emmi Rothner ein Zeitschriften-Abo kündigen will, landet ihre E-Mail versehentlich in der Mail-Box von Leo Leike. Was als oberflächliches Geplauder beginnt, entwickelt sich schnell zu einer Internet-Romanze. Liebeserklärungen, Eifersucht und „Gespräche“ bis tief in die Nacht inklusive. Aber es gibt ein Problem: Emmi ist glücklich verheiratet…
Daniel Glattauer baut seine Geschichte als „Blind Date“ für den Leser auf. Die beiden Hauptkaraktere lassen erst nach und nach erahnen, wie sie aussehen, fühlen und leben.
TDo

Daniel Glattauer: Alle Sieben Wellen

Die Geschichte um das Liebespaar aus „Gut gegen Nordwind“ geht in die zweite Runde. Wie bereits im ersten Teil schreiben, gestehen, verletzen und verzeihen, verabschieden und streiten Leo und Emma in alt bewährter E-Mail-Variante.
Die Gefühle sind die gleichen, die Probleme dieselben.
TDo

Michel Georges-Michel: Die von Montparnasse

Ausbrechen aus dem eigenen kleinen Leben…was für ein Vergnügen! Sei es nun als Künstler  aus einem dunklen, kalten Atelier im Jahre 1924 oder als Angestellter von heute - weg vom Schreibtisch und hinein ins Leben der kleinen Theater, Bars und Cafés. Neue Inspiration und die Erkenntnis, dass das Leben mehr zu bieten hat…
Tun Sie es, machen Sie eine Pause vom Alltag und lesen Sie dieses Buch!
Schm

Thommie Bayer: Fallers große Liebe

Zwei Männer begegnen sich scheinbar zufällig und begeben sich gemeinsam auf eine Reise durch Deutschland. Der eine ist ein wohlhabender älterer Herr, der andere ein junger Studienabbrecher, der sich als Antiquar seinen Lebensunterhalt verdient. Während der Fahrt unterhalten sie sich über das Leben und die Liebe, auch Bücher und Musik spielen eine Rolle. Die beiden sehr unterschiedlichen  Menschen kommen sich so zunehmend näher. Das Lesen dieser ungewöhnlichen Story ist spannend – bis zum unerwarteten Schluss.
Fl

Arno Geiger: Alles über Sally

2005 erhielt der Wiener Autor Arno Geiger den deutschen Buchpreis; nun ist sein neues Buch „ Alles über Sally“ erschienen.
Sally und Alfred sind seit vielen Jahren verheiratet. Ein Einbruch in ihr Haus setzt ungeahnte Veränderungen in Gang. Alfred wird ängstlich, geht Sally aus dem Weg. Die aber, eine smarte, lebenshungrige Frau, beginnt eine Liebesaffäre. Alfred muss sich fragen, was er nach 30 Jahren eigentlich über seine Frau und die Ehe weiß.
Mit Humor und einer eigenwilligen Prosa erforscht der Autor die Wandlungen einer Liebe über die Jahrzehnte.
„So lebensklug, so welthaltig auf eng umzirkeltem Raum, so elegant kann deutschsprachige Prosa im Jahr 2010 klingen.“ M. Ebel  Tages–Anzeiger–Zürich
Fl

Carl-Henning Wijmark: Nahende Nacht

Ein einstmals gefeierter und berühmter „Theatermann“ verbringt den letzten September seines Lebens. Lakonisch, beklemmend, manchmal aber auch vergnüglich, beschreibt der schwedische Schriftsteller Gedanken und Gefühle eines Sterbenden. Der Roman der trotz des gewaltigen Themas mit 154 Seiten auskommt ist nicht zuletzt ein Plädoyer für ein menschenwürdiges Sterben.
Carl-Henning Wijmark erhielt für dieses Buch den bedeutendsten schwedischen Literaturpreis.
SDe

Jan Weiler: Kühn hat zu tun

Jan Weiler hat mit seinem ersten Krimi eine sehr spannende Lektüre geschaffen. Martin Kühn wohnt auf der Weberhöhe; das ist eine Neubausiedlung im S-Bahn-Bereich von München, die auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik gebaut wurde. Er ist Kommissar und muss aktuell in einem Mordfall ermitteln, der direkt in der Nähe seines Hauses stattgefunden hat. Kühn hat eigentlich eine funktionierende Familie, doch belasten seine unterschiedlichsten Probleme und seine stressbedingte Überforderung zunehmend sein Leben. Nun ist er zu allem Überfluss in diesem Fall auch immer mehr persönlich involviert und sieht langsam kein Land mehr. Er steuert direkt auf einen Burnout zu.
EGr

Rainer Doh: Mordkap

Ein spannender Krimi, der auf der MS Midnatsol der Hurtigruten spielt. In einer Kabine wird ein Toter aufgefunden. Man geht von Selbstmord aus. Da die Kollegen von der Kriminalpolizei in Tromsø wegen des überaus schlechten Winterwetters nicht bis Skjervøy durchkommen, wird der Ortspolizist Arne Jakobsen auf das Schiff geschickt. Er wird die weitere Reise bis Kirkenes begleiten, um Photos von der Kabine zu machen und die Passagiere zu befragen. Doch bei der Obduktion wird festgestellt, dass es sich um einen Mord handelt. So sind nun doch weitere Maßnahmen notwendig. Doch nicht nur Jakobsen ist in die Ermittlungen involviert, sondern auch der russische und der amerikanische Geheimdienst sowie der BND. Rainer Doh hat für seinen ersten Roman sehr gut rechechiert. Deshalb ist dieser Krimi ein Muss für jeden Hurtigruten-Fan.
EGr

Cilla Börjlind: Springflut

Schon unsagbar spannend und zugleich grausam beginnt dieser Krimi: Eine schwangere junge Frau wird an einem Strand eigegraben. Nur noch ihr Kopf ragt heraus. Die Springflut sorgt für ihr grausames Ende. Heute, über 20 Jahre später, befasst sich die angehende Polizistin Olivia Rönning im Rahmen einer Seminararbeit mit diesem Fall, der nie aufgeklärt werden konnte. Bei ihren Recherchen findet sie den damaligen Ermittlungsleiter, Tom Stilton, der heute als Obdachloser lebt. Olivia gelingt es, ihn aus seiner inneren Isolation zu locken und ihn wieder für den Fall einzunehmen. Gemeinsam und mit einer ganz neuen Herangehensweise gewinnen die beiden ganz neue und sehr überraschende Erkenntnisse über dieses Verbrechen. Wird es ihnen doch noch gelingen den Mörder zu finden?
JKu

Henning Mankell: Mord im Herbst

Endlich ist doch nochmal ein neuer Krimi mit Kurt Wallander erschienen und er macht wieder genauso viel Spaß zum Lesen, wie die früheren Bücher. Allerdings ist er nur 120 Seiten lang und viel zu schnell zu Ende. Henning Mankell hat den Roman schon 2002 geschrieben; jetzt erst ist er auch in Deutsch erschienen.
Kurt Wallander will sich ein Häuschen auf dem Land kaufen; er entdeckt aber schon bei der ersten Besichtigung eine Leiche im Garten. Er begibt sich auf die Suche nach den Vorbesitzern des Hofes, um herauszufinden, was damals passiert ist. Eine zweite Leiche wird gefunden und Kurt Wallander nimmt dann doch davon Abstand, dieses Haus zu kaufen.
EGr

Friedrich Ani: Süden und das heimlich Leben

Einer der besten Tabor-Süden-Krimis von Friedrich Ani. In seinem dreizehnten Fall geht es um Ilka, Bedienung im Gasthaus "Charly's Tante". Sie wird vermisst; die Stammgäste sammeln Geld, um den Vermissten-Fahnder engagieren zu können. Tabor Süden versucht durch Gespräche mit der Schwester, mit der Chefin und mit den Gästen, herauszufinden warum Ilka verschwunden ist und wo sie sich aufhält.
EGr

Felicitas Mayall: Zeit der Skorpione

Felicitas Mayall hat nun schon das 8. Buch mit der Münchner Kommissarin Laura Gottberg und dem italienischen Commissario Angelo Guerrini geschrieben. Das wie immer ruhig und angenehm zu lesende Buch spielt im Bankenmillieu. Der Erbe des Münchner Bankhauses Hardenberg wurde in der Toskana ermordet. Die Tat wird dem Chef der Banca Libera, Paolo Massimo, in die Schuhe geschoben. Auf seinem Grundstück wird die Leiche gefunden und in seinem Auto gibt es DNA-Spuren. War er wirklich der Täter oder hat noch jemand anderer Interesse, Leo Hardenberg aus dem Weg zu räumen?
EGr

Ina May: Tod am Chiemsee

Die am Chiemsee wohnende Schriftstellerin Ina May hat einen spannenden regionalen Krimi geschrieben. Er spielt hauptsächlich auf der Fraueninsel und im Kloster. Die Klosterschwester Althea - mit bürgerlichem Namen Marian Reinhart - "ermittelt" zusammen mit ihrem Neffen Stefan Sanders von der Münchner Mordkommission. Ein Fischer findet einen alten Überseekoffer mit zwei Skeletten. Bald stellt sich heraus, dass es sich um Mitschüler von Marian handelt, die in ihrer Jugend im Internat auf Frauenchiemsee lebten. Die beiden Ermordeten waren ein Liebespaar. Viele Mitschüler beneideten Theresa Biedermann um ihren gut aussehenden Freund Moritz Lanz. Doch wer hatte ein Interesse, dass die Beiden von der Bildfläche verschwinden. Nach so vielen Jahren ist dies nicht mehr einfach zu eruieren; auch tauchen noch ein paar andere Ungereimtheiten auf, die gelöst werden wollen.
EGr

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Verhältnisse

In einem malerischen Künstlerdorf in der Bretagne wird ein Hotelbesitzer ermordet.
Der äußerst sympathische, koffeinsüchtige Kommissar Dupin, als Pariser zwangsversetzt ans Ende der Erde (Finistère), ermittelt in der bretonischen Sommeridylle. Da ein fiktives Gemälde von Paul Gauguin die entscheidende Rolle im Romangeschehen spielt, erfährt man gleichzeitig auch Interessantes über die Post-Impressionistische Künstlerkolonie Pont Aven. Keine harte Krimikost, aber eine ideale Urlaubslektüre - vor allem für Bretagne-Liebhaber.
Fl

Friedrich Ani: Süden und die Schlüsselkinder

Friedrich Ani hat wieder einen atmosphärisch dichten Krimi mit dem ehemaligen Kommissar der Vermisstenstelle und jetzigem Privatdetektiv Tabor Süden geschrieben. In der tristen Kulisse der Kneipen und Hinterhöfe im winterlichen München verschwindet kurz vor Weihnachten der zehnjährige Adrian aus einem Kinderheim. Süden macht sich auf die Suche: beim Vater, bei der Mutter, die derzeit in einem Hotel bei einer Freundin wohnt, bei ihrem neuen Freund. Süden vermutet, dass Adrians Freundin Fanny aus dem Kinderheim, die einzige ist, die ihm bei der Suche helfen könnte. Aber Fanny hat Adrian versprochen, ihn nicht zu verraten.
Wieder ein eindrucksvoller Roman von Friedrich Ani. Wie immer ein literarischer Genuss!
EGr

Thomas Bogenberger: Chiemsee Blues - Chiemgau-Krimi

Der Priener Mediziner und Musiker Thomas Bogenberger hat einen spannenden und gut zu lesenden bayrischen Krimi geschrieben.
In einem Aussichtspavillon am Herrnberg in Prien am Chiemsee wird an den Osterfeiertagen eine abgetrennte Frauenhand gefunden. Aber das ist nur die erste von mehreren Entdeckungen, denen Kommissar Hattinger mit seinen Kollegen nachgehen muss. Die Osterfeiertage sind auf jeden Fall im Eimer, was ihm auch manche private Probleme beschert.
Es macht Spaß, den Krimi zu lesen; trotz der kleinen Sprachkunde im Anhang sollte man bayrisch können, um den Text wirklich genußvoll lesen zu können.
EGr

Andrej Longo: Sarahs Mörder

Der italienische Schriftsteller Andrej Longo war in Italien mit seinem Krimi "Sarahs Mörder" sehr erfolgreich.
Hauptperson ist der junge und unerfahrene Polizist Acanfora. Aus seiner Sicht wird die Suche nach dem Mörder der jungen Sarah erzählt. Der Krimi spielt in Neapel. In der hochsommerlichen Hitze wird die Atmosphäre der italienischen Großstadt intensiv fühlbar.
EGr

Felicitas Mayall: Nachtgefieder - Laura Gottbergs siebter Fall

Im siebten Fall der Münchner Kommissarin Laura Gottberg geht es um einen Mord, der in einem Hotel in München geschieht. Gleichzeitig erscheint die vornehme Italienerin Donatella Cipriani im Kommissariat und bittet Laura Gottberg um Hilfe, weil sie erpresst wird.
Auch bei ihrem italienischen Freund und Kollegen Commissario Angelo Guerrini gibt es einen Mord. Es ist ein Fall zu lösen, der mit skrupellosen Geldverleihern und der Mafia zu tun hat.
Als Angelo Guerrini angeschossen wird und schwer verletzt im Krankenhaus liegt, reist Laura Gottberg nach Italien. Findet sie hier die Lösung für den Mord, der in München geschehen ist?
EGr

Bernd Lohse: Familienbande - Pilgerkrimi

Ein relativ harmloser Krimi, der von Menschen, die Norwegen gerne mögen und am besten auch noch eine Affinität zum Pilgern haben, sicher gerne gelesen wird. Zwei Handlungsstränge werden miteinander verknüpft.
In Hamburg wird Marie-Louise Wagenknecht ermordet an ihrem Schreibtisch aufgefunden. Wer hat ein Interesse, die alte unschuldige Frau zu ermorden?
Ein zweiter Handlungsstrang dreht sich um eine Pilgergruppe auf dem Olavsweg in Norwegen. Der 48jährige Gefängnispastor Jon-Hendrik Kristensen betreut eine Resozialisierungsmaßnahme. Mit dabei ist Johannes, der Sohn von Marie-Louise.
Der Autor Bernd Lohse ist Pilgerpastor in Hamburg und hat bereits den Krimi "Tod in den Lofoten" veröffentlicht.
EGr

Friedrich Ani: Süden

Tabor Süden war früher Kommissar bei der Vermisstenstelle im Dezernat 11 in München. 8 Jahre nach seinem letzten Fall kehrt er nach München zurück und arbeitet nun für eine Privatdetektei. Er erhält den Auftrag, nach dem Wirt Raimund Zacherl zu suchen, der von seiner Frau vermisst gemeldet wurde. Süden findet eine heisse Spur und verfolgt sie bis nach Sylt.
EGr

Friedrich Ani: Die Tat

Das ist der dritte Seher-Krimi mit dem erblindeten Exkommissar Jonas Vogel und seinem Sohn Max. Max ist für diesen neuesten Fall im Kommissariat in München zuständig. Eine gelbe Kordel aus Strohseide ist das Tatwerkzeug beim Mord an Sonja Piers. Bis auf die Farbe ist sie identisch mit den Kordeln aus älteren und ungeklärten Mordfällen: handelt es sich um einen Serienmörder, der in der Stadt seit Monaten sein Unwesen treibt? Es kommen mehrere Täter in Frage; selbst in der Familie des Opfers wird ermittelt.
In der Familie des Opfers, in der Familie des Täters, aber auch in der Familie des Kommissars herrschen Sprachlosigkeit und Unverständnis zwischen den einzelnen Familienmitgliedern. Friedrich Ani versteht es meisterhaft, dieses Grundübel unserer Zeit und unserer Gesellschaft in seinem Krimi in die Handlung einzubauen.
EGr

Henning Mankell: Der Feind im Schatten

Der zehnte und letzte Roman mit Kurt Wallander! Es fällt schwer, sich von Wallander zu verabschieden - nochdazu, wo er mit seinen Problemen immer schwerer zu kämpfen hat: Diabetes, Gedächtnisverlust, Einsamkeit, ab und zu etwas zuviel Alkohol; ausserdem die Erinnerungen an schönere vergangene Zeiten, an seine geschiedene Frau Mona, die Alkoholikerin ist und an seine vergangene große Liebe Baiba aus Riga, die an Krebs erkrankt ist. Der einzige Lichtblick ist seine Tochter Linda mit der Enkeltochter Klara. Ausserdem hat sich Wallander einen alten Hof mit Meerblick gekauft, arbeitet aber weiter in Ystad an seinen ungeklärten Fällen und hat nun eigentlich Urlaub.
Im aktuellen Fall ermittelt er nicht offiziell, da es ein Fall seiner Kollegen in Stockholm ist. Da es aber um das Verschwinden der Eltern seines zukünftigen Schwiegersohnes geht, ist er trotzdem in den Fall involviert. Es geht um U-Boote, um Politik und Spionage. Lindas Schwiegervater Hakan von Enke, ein ehemaliger U-Boot-Kommandant erzählt Wallander auf seiner Geburtstagsfeier von einer politischen Affäre. Doch dann verschwindet Enke spurlos, und als kurz darauf auch noch seine Frau als vermisst gilt, steckt Wallander bereits mitten in den undurchsichtigen Ermittlungen..
EGr

Hochgatterer, Paulus : Das Matratzenhaus

Man möchte nicht jung sein in der fiktiven österreichischen Kleinstadt Furth.
Ein junger Mann stürzt in den Tod, Kinder werden misshandelt, eine Sechzehnjärige verletzt sich selbst. Wie sollen Kommissar und Kinderpsychologe diese Fälle lösen, wenn die Opfer nicht mit Ihnen reden wollen oder können. Man ahnt beim Lesen, dass es um Kinderpornographie geht. Ausgesprochen wird das allerdings nie.
„Das Matratzenhaus“ ist eine gelungene Auseinandersetzung mit dem leider sehr aktuellen Tabuthema Gewalt an Kindern. Der Autor weiß wovon er schreibt – er ist Kinder und Jugendpsychiater - aber auch ein erfolgreicher österreichischer Autor. 2007 wurde er mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet.
Fl

Friedrich Ani: Totsein verjährt nicht

Der Münchner Autor Friedrich Ani hat wieder einen Krimi mit dem eigenwilligen Kommissar Polonius Fischer geschrieben.
Im Jahr 2002 verschwand die achtjährige Scarlett Peters spurlos. Seither sitzt der geistig zurückgebliebene Jonathan Krumbholz in lebenslanger Haft. Doch Polonius Fischer hatte damals schon den Verdacht, dass die Ermittlungen nicht korrekt verlaufen sind und dass Jonathan nicht der Täter ist. Als er von Marcel, einem ehemaligen Schulfreund von Scarlett, einen Brief bekommt, mit dem Hinweis, dass Marcel Scarlett am Marienplatz gesehen hat, erklärt er sich bereit, sich mit dem Jungen zu treffen. Marcels Vermutungen treiben Polonius Fischer dazu, das Umfeld von damals nochmal unter die Lupe zu nehmen. Damit eckt er natürlich bei seinen Vorgesetzten und Kollegen wieder einmal an.
EGr

Wolf Haas: Brenner und der liebe Gott

Wolf Haas hat seinen Brenner wiederauferstehen lassen, die Haas-Fans dürfen also aufatmen. Der kauzige Expolizist und Exdetektiv Simon Brenner ermittelt in seinem siebten Fall als Chauffeur und wird dennoch wieder in einen kniffligen Kriminalfall verwickelt. Eine Tafel Schokolade sorgt für eine Kettenreaktion. Es ist also schon wieder etwas passiert....
Br

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