Romane

Lesetipps von uns gelesen + empfohlen

Karl Ove Knausgård: Im Herbst

Nach dem beeindruckenden sechsbändigen autobiographischen Romanzyklus "Mein Kampf" hat der norwegische Autor Knausgård auch noch eine vierbändige Jahreszeiten-Reihe veröffentlicht. Seine bewundernswerte Beobachtungsgabe und seine Formulierungskünste faszinieren immer wieder auf's Neue. Mit essayartigen kurzen Texten zu banalen Alltagsgegenständen und -situationen gelingt es Knausgård immer wieder staunend die Welt zu beschreiben. Nach seinen Gedanken und Texten kann man fast schon süchtig werden!
EGr

Berge - Ein Lichtung-Lesebuch

2017 erschien im Lichtung-Verlag eine interessante Anthologie zum Thema "Heimat". Nun gibt es - in gleicher Aufmachung - eine Zusammenstellung von literarischen Texten zum Thema "Berge". Die  Autoren, wie z.B. Gerd Holzheimer, Armin Kratzert, Bernhard Straßer oder Werner Schmidbauer, haben Prosa, Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben, aus denen ein abwechslungsreiches Buch entstanden ist. Sie haben sich in abwechslungsreicher Art und Weise mit verschiedenenen Aspekten und verschiedenen Regionen auseinandergesetzt. Eine schöne Auswahl zu diesem Thema!
EGr

Fabio Geda: Vielleicht wird morgen alles besser

Der 14jährige Ercole lebt mit seiner älteren Schwester Asia bei seinem unzuverlässigen Vater in Turin. Die Mutter hat die Familie schon vor mehreren Jahren verlassen. Asia gelingt es, sich soweit um die Familie und ihren kleinen Bruder zu kümmern, dass das Jugendamt nicht einschreitet. Doch dann zieht Asia mit ihrem Freund zusammen und der Vater wird eines Tages verhaftet. Ercole flieht, weil er Angst hat, dass er ins Kinderheim gesteckt wird. Die Geschichte eines Jungen, der für sich selbst sorgen muss, weil die Erwachesenen in seinem Leben das nicht tun. Von Fabio Geda glaubwürdig und voller Hoffnung erzählt.
EGr

Delphine de Vigan: Loyalitäten

Mit "Loyalitäten" ist der französischen Autorin Delphine de Vigan wieder ein fesselnder Roman gelungen. Théos Eltern sind geschieden und haben keinerlei Kontakt mehr. Théo verbringt die Woche bei seinem Vater und versucht, dessen desaströsen Zustand in der verwahrlosten Wohnung vor der Mutter und seiner Umgebung geheim zu halten. Zusammen mit seinem Freund Mathis entdeckt Théo den Alkohol. Nur seine Lehrerin Hélène ahnt, dass etwas nicht stimmt. Doch auch für sie ist es schwer, den richtigen Weg zu finden. Alles braucht seine Zeit.
EGr

Jean-Philippe Blondel: Ein Winter in Paris

Victor geht aus dem Provinzort seiner Kindheit zum Studium nach Paris. Er verlässt sein einengendes Elternhaus und findet sich relativ einsam in der Großstadt und in einem elitären Lycée in Paris wieder, wo er eine zweijährige Vorbereitungsklasse besucht. Der Druck durch die Lehrer ist groß. Auch gilt Victor als Aussenseiter, weil er nicht den Vorstellungen seiner Kommilitonen entspricht. Doch dann tritt Mathieu, ein schüchterner Junge, in sein Leben. Die beiden beginnen sich gerade anzufreunden, als sich Mathieu in den Tod stürzt. Victor sucht nun noch intensiver seinen Platz im Leben. Leise und poetisch erzählt der Autor, was ein Selbstmord bei den Mitmenschen, bei den Eltern, Lehrern und Freunden auslöst und wie unterschiedlich sie damit umgehen.
EGr

Christoph Hein: Verwirrnis

Das neueste Buch Christoph Heins spielt in der Nachkriegszeit in der DDR: zwei junge Männer - Friedeward und Wolfgang - besuchen die gleiche Schule im katholischen Heiligenstadt. Strenge Erziehung und sehr strenge Väter verbieten ihnen, ihre Liebe zu zeigen. Die häuslichen Züchtigungsrituale des Vaters zwingen Friedeward dazu, seine Homosexualität zu verheimlichen und ein Doppelleben zu führen. Der Roman begleitet die beiden Männer durch ihr ganzes Leben und zeigt dem Leser ein breites Panorama der Nachkriegsgesellschaft.
EGr

Kaouther Adimi: Was uns kostbar ist

Die 1986 in Algier geborene und in Paris lebende Schriftstellerin Kaouther Adimi hat dem Buchhändler und Verleger Edmond Charlot in diesem Roman ein Denkmal gesetzt. Edmont Charlot eröffnete im Jahr 1936 in jungen Jahren - im damals noch französischen Algier - eine Leihbuchhandlung. Bald wurde er auch verlegerisch tätig und hatte Kontakt mit wichtigen Autoren der damaligen Zeit, wie z.B. Camus, Saint-Exupéry und André Gide.
Die Autorin verknüpft fiktive Tagebuch-Notizen immer wieder mit der Gegenwart des seit 1962 unabhängigen Algerien. So entstand ein spannender Roman für literarisch und politisch interessierte Leser.
EGr

René Freund: Ans Meer

Anton fährt mit seinem Linienbus jeden Tag dieselbe Strecke und bringt die Kinder zur Schule. Sein Leben ist ein bisschen eintönig und einsam. Doch heute fährt die krebskranke Carla im Rollstuhl mit; sie wird von ihrer jungen Tochter begleitet. Carla möchte noch einmal in ihrem Leben das Meer und ihre geliebte Bucht aus ihrer Kindheit sehen. Nach anfänglichen Zweifeln lässt sich Anton überreden. Endlich ist er einmal in seinem Leben mutig und weicht von seiner täglichen Route und Routine ab. Mit dabei sind zwei schlecht erzogene Jugendliche, ein schüchternes Mädchen, ein Hase und eine verwirrte Frau, die versehentlich zugestiegen ist.
EGr

Thommie Bayer: Das innere Ausland

Andreas Vollmann war Bahnschaffner und war ständig in ganz Europa unterwegs. Einst war das sein Traumberuf, doch die Realtität sah dann doch anders und ernüchternd aus. Nun lebt er ganz genügsam in einem ruhigen schönen Haus in Südfrankreich, ist aber sehr alleine. Gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Nina, um die er sich nach dem Tod der Eltern schon immer viel gekümmert hatte, hat er sich dort eine Oase geschaffen. Nina starb viel zu jung und so lebt er jetzt auf sich alleine gestellt und erwartet nicht mehr viel von seinem Leben. Doch eines Tages steht ganz unerwartet eine junge Frau vor der Tür.
EGr

Robert Seethaler: Das Feld

Der Autor und Schauspieler Robert Seethaler hat einen Roman über "Das Feld", über den Friedhof des fiktiven österreichischen Ortes Paulstadt, geschrieben. In unterschiedlich langen Kapiteln blicken die Toten auf ihr Leben zurück und lassen so vor dem Leser ein ganzes Dorfleben auferstehen und lebendig werden. Verschiedenste und zahlreiche frühere Bewohner - vom Bürgermeister bis zum Bauern - kommen zu Wort. Da das Leben ja hinter ihnen liegt, erinnern sie sich relativ gelassen an ihre Schicksale und Probleme.
EGr

Khaled Hosseini: Am Abend vor dem Meer

Der afghanische Autor Khaled Hosseini wurde bei uns mit seinem erfolgreichen und verfilmtem Buch "Drachenläufer" bekannt. Das Schicksal des im September 2015 ertrunkenen dreijährigen Jungen Alan Kurdi hat ihn zu diesem neuen kleinen Büchlein inspiriert. Der englische Künstler und Illustrator Dan Williams begleitet den Text mit seinen wunderbaren farbigen Bildern, die genau auf die Geschichte abgestimmt sind. Der so dargestellte Kontrast zwischen Friedenszeiten und Krieg, zwischen blühender Landschaft und Ruinen wird niemanden kalt lassen.
EGr

Francesca Melandri: Alle, außer mir

Die italienische Schriftstellerin wurde bei uns mit ihrem ersten Roman "Eva schläft" bekannt. Nun hat sie die Geschichte der italienischen Familie Profeti in den Mittelpunkt gerückt. Francesca Melandri hat sehr fundiert recherchiert und die kolonialistische Vergangenheit und den Abessinienkrieg mit der Flüchtlingskrise der Gegenwart Italiens in Verbindung gebracht. Vor der Tür der vierzigjährigen römischen Lehrerin Ilaria steht auf einmal ein junger Mann, der behauptet, ihr Neffe aus Äthiopien zu sein. Anfangs sehr skeptisch beginnt Ilaria Nachforschungen anzustellen.
EGr

Linn Ullmann: Die Unruhigen

Die Schriftstellerin und Journalistin Linn Ullmann ist die Tochter der Schauspielerin Liv Ullmann und des Filmemachers Ingmar Bergmann. In ihrem neuesten Roman berichtet sie in bruchstückhaften Erinnerungen von ihrer Kindheit, von ihrer Mutter, von ihren Gesprächen mit ihrem Vater, von ihren Kindermädchen und von ihren zahlreichen älteren Halbgeschwistern. Den Mittelpunkt des Buches bilden die Gespräche mit ihrem alternden Vater. So ist auch das Hauptthema das Altwerden und wie Ingmar Bergmann damit zurechtgekommen ist: Erinnerungen, Beziehungen, Reduktion und Rückzug auf das Notwendigste.
EGr

Sara Novic: Das Echo der Bäume

Sara Novic, eine kroatischstämmige Autorin, wurde 1987 in den USA geboren. Ihr erster Roman "Das Echo der Bäume" fesselt den Leser so, dass man meint, die Autorin muss dies alles selbst erlebt haben.
Das Buch handelt vom Krieg in Jugoslawien. Ana Juric ist 10 und lebt mit ihren Eltern und der kleinen Schwester Rahela in Zagreb, als in Jugoslawien 1991 der Bürgerkrieg ausbricht.
2001 lebt und studiert sie in New York. Doch auch in der Ferne kommt sie von den Ereignissen, die ihr und ihrer Familie während dem Krieg passiert sind, nicht los. Sie wird von Alpträumen verfolgt. So beschließt sie nach 10 Jahren in ihre Heimat zurückzukehren und auf Spurensuche zu gehen.
EGr

Minna Rytisalo: Lempi, das heißt Liebe

Die finnische Lehrerin und Autorin Minna Rytisalo hat mit ihrem ersten Roman in Finnland viel Erfolg. Der Roman besteht aus drei Teilen. Teil 1 wird aus der Sicht von Viljami erzählt. Er hat früh seine Eltern verloren, lebt auf einem einsamen Bauernhof und verliebt sich ganz unerwartet in Lempi, die hübsche Tochter des Ladenbesitzers aus der kleinen Stadt Rovaniemi. Teil 2 wird von der Magd Elli erzählt, Teil 3 von Sisko, der Zwillingsschwester von Lempi.
So entsteht eine kunstvoll verwebte Geschichte in Zeiten des Lapplandkrieges zwischen Finnen und Deutschen. Die jungen Menschen sind entwurzelt und entfremden sich. Das harte Schicksal übernimmt das Ruder des Lebens.
EGr

Slavenka Drakulic: Mileva Einstein oder die Theorie der Einsamkeit

Slavenka Drakulic ist eine erfolgreiche kroatische Autorin. In diesem Buch wirft sie einen Blick auf das Privatleben von Mileva und Albert Einstein. Die beiden sind Studienkollegen und verlieben sich. Mileva wird schwanger und schafft ihren Abschluss des Physikstudiums nicht. Nach der unehelichen Tochter kommen noch zwei Söhne auf die Welt. Albert verlässt seine Familie für seine Cousine Elsa, in die er sich verliebt hat. Milena ist auf sich alleine gestellt und verzweifelt immer mehr an ihrer Situation. Dazu kommen noch die Sorgen um den psychisch schwer erkrankten jüngeren Sohn. Mileva leidet unter Einsamkeit und Depressionen. Interessant, die beiden Wissenschaftler von einer anderen Seite zu sehen.
EGr

Erri de Luca: Den Himmel finden

Erri de Luca ist einer unserer Lieblingsautoren. Er hat wieder einen sehr eigenwilligen Roman geschrieben.
Der 60jährige Protagonist und Ich-Erzähler lebt am Fuß der Berge in einem italienischen Bergdorf nahe der Staatsgrenze. Er ist Bergführer und arbeitet als Restaurator. Er verhilft Menschen über die grüne Grenze. Nach einem Streit mit den Dorfbewohnern zieht er ans Meer und bekommt nach langem Suchen einen außergewöhnlichen Auftrag. Er soll eine Marmorstatute des Gekreuzigten von seinem nachträglich hinzugefügten Lendenschurz befreien.
EGr

Jan Weiler: Kühn hat Ärger

Nach seinem 6-wöchigen Kuraufenthalt fühlt sich Martin Kühn dem Polizeialltag wieder gewachsen. Blöd nur, dass das den Alltag wenig interessiert. Erpressung, Entführung, Mord – und als ob das nicht schon genug wäre, hat seine Frau auch noch eine Affäre. Die Fortsetzung um den völlig überforderten Münchner Polizisten ist ebenso gelungen wie sein Vorgänger "Kühn hat zu tun".
TDo

Henning Mankell: Der Sprengmeister

Die schwedische Erstausgabe von Henning Mankells Debüt "Der Sprengmeister", das er mit 25 Jahren geschrieben hat, erschien im Jahr 1973. In Deutsch wurde das Buch eigenartigerweise bisher nie verlegt.
Oskar Johansson arbeitet als Sprengmeister. Im Jahr 1911 wird er beim Bau eines Tunnels durch eine Explosion schwer verletzt und überlebt wie durch ein Wunder. Trotz seiner Behinderung gelingt es ihm, eine Familie zu gründen; er führt ein entbehrungsreiches und bescheidenes Arbeiterleben. Als seine Frau gestorben ist und er in Ruhestand geht, zieht er sich in den Sommermonaten in ein kleines Saunahäuschen auf die Schären zurück. Politisch ist er interessiert; er glaubt an die Revolution und den Sozialismus; er beobachtet die Entwicklung im Land und in Europa und hofft, dass sich die Situation der Arbeiter und der Gesellschaft schnell verbessern wird.
EGr

Allen Eskens: Das Leben, das wir begraben

Allen Eskens hat für diesen Krimi in Amerika jede Menge Preise bekommen. Das Buch ist wirklich sehr lesenswert.
Der Student Joe Talbert schlüpft in die Rolle des Ermittlers, als er wegen einer Hausarbeit fürs College jemanden sucht, über den er eine Biographie schreiben kann. In einem Pflegeheim lernt er den krebskranken Carl Iverson kennen. Bald merkt er, dass Iverson vermutlich fälschlicherweise fast sein Leben lang wegen einem Mord an einem jungen Mädchen inhaftiert war. Joes Ehrgeiz wird geweckt und er versucht - zusammen mit seiner Nachbarin Lila - den Dingen auf den Grund zu gehen. Auch privat ist es schwierig. Joe hat eine alkoholkranke Mutter, die sich nicht richtig um seinen autistischen Bruder kümmert, so dass hier immer wieder vieles an ihm hängen bleibt. Für die Finanzierung des Studiums und für seinen Lebensunterhalt muss er viel arbeiten, um sein Geld zu verdienen.
Ein spannender und flüssig zu lesender Krimi.
EGr

Anja Baumheier: Kranichland

Die Lehrerin Anja Baumheier erzählt in ihrem ersten Roman die Geschichte einer Familie in der DDR. Elisabeth und Johannes werden nach dem Krieg ein Ehepaar und glauben an den Sozialismus. Sie bekommen zwei Töchter; doch mit der zweiten Tochter Marlene beginnen die Probleme. Sie ist anders, sie rebelliert und will sich nicht an das System anpassen. Sie verliebt sich in den Pfarrerssohn; sie kommt ins Gefängnis, wo sie eine Tochter bekommt, die ihr gegenüber für tot erklärt wird.
Der Roman beginnt 1936 und nähert sich in abwechselnden Kapiteln der heutigen Zeit im vereinten Deutschland. Die Handlung zieht sich von Krieg, Vertreibung, Gründung der DDR bis hin zur Wende und der Gegenwart. Sehr spannend geschrieben!
EGr

Yasmine Ghata: Lange hatte ich Angst in der Nacht

Arsène und Suzanne sind aus verschiedenen Welten und Generationen; doch sie haben das Erleben von Verlust, Einsamkeit und Heimatlosigkeit gemeinsam und das verbindet sie.
Arsène ist als Kind alleine aus Ruanda geflohen; sein leerer Koffer ist das einzige, was ihm geblieben ist. Inzwischen lebt er in Frankreich bei fürsorglichen Adoptiveltern, besucht die Schule und dort einmal pro Woche eine Schreibwerkstatt. Diese wird von der Schriftstellerin Suzanne geleitet, die sich durch Arsène an ihre eigene Kindheit erinnert fühlt.
Ein einfühlsamer kurzer Roman mit einem schönen und passenden Cover.
EGr

Kristine Bilkau: Eine Liebe, in Gedanken

Die Ich-Erzählerin versucht, nach dem Tod ihrer Mutter, deren Lebensgeschichte auf den Grund zu gehen. An Hand von Briefen und Photos versucht sie zu verstehen, warum ihre Mutter Antonia und ihr Verlobter Edgar nicht beisammen geblieben sind.
Die Mutter lebt als sehr junge Frau in bescheidenen Verhältnissen in Hamburg. Anfang der 60er-Jahre lernt sie Edgar kennen und lieben. Die beiden planen ein gemeinsames Leben. Edgar bekommt die Gelegenheit, beruflich nach Hongkong zu gehen. Antonia soll ihm folgen, sobald er Fuß gefasst hat. Doch ein Jahr lang wird sie immer nur vertröstet. Schließlich beschließt sie, ohne ihn weiterzuleben.
Wer war der Mensch, den ihre Mutter nie vergessen konnte? Was genau ist damals passiert?
EGr

Esther Gerritsen: Der große Bruder

Olivia ist beruflich sehr erfolgreich und hat eine vermeintlich stabile Familiensituation mit Mann und zwei Kindern. Doch plötzlich muss sie sich um ihren Bruder kümmern. Er ist alleinstehend, Diabetiker und sozial nicht integriert. Als ihm ein Bein amputiert wird, zieht er vorübergehend bei Olivias Familie ein. Die eingefahrene Familienstruktur und viele Gewohnheiten werden durch die neuen Umstände auf den Prüfstand gestellt. Bisher war das Leben von Olivias Familie durch Pragmatismus geprägt; nun kommen Emotionen ins Spiel. Vor allem Olivia fällt es schwer, damit umzugehen.
EGr

Gert Heidenreich: Schweigekind

Ein psychologischer Roman, in dem das zentrale Thema der Mißbrauch des Mädchens Lenja ist. Lenjas Eltern sind früh gestorben; sie wird im Alter von 8 Jahren vom Rektor der Schule adoptiert. Von ihm und anderen "angesehenen" Männern wird sie missbraucht. Als erwachsene Frau und erfolgreiche Künstlerin versucht Lenja ihr Trauma aufzuarbeiten, um irgendwie damit zurecht zu kommen. Der spannend konstruierte Roman besteht aus Gesprächen zwischen den zwei Therapeuten Sahlfeldt und Tiefenbach, aus nicht abgeschickten Briefen Lenjas und aus der eigentlichen Handlung rund um Lenja.
EGr

Ferdinand von Schirach: Carl Tohrberg

"Carl Tohrberg" ist eine der drei kurzen Erzählungen dieses dünnen Büchleins. Alle drei sind fesselnd, überraschend einfach perfekt geschrieben. Im minimalistischer und klarer Art und Weise werden Schicksale und menschliche Abgründe aufgedeckt, die sich hinter der Fassade verbergen.
EGr

Kent Haruf: Lied der Weite

Nach "Unsere Seelen bei Nacht" hat der Diogenes Verlag nun auch den Roman "Lied der Weite" neu aufgelegt. Er ist 1999 in englisch und 2001 in deutsch erschienen.
Die Bücher des amerikanischen Schriftstellers spielen alle in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado. In diesem Roman geht es um die 17jährige Victoria Roubideaux. Sie ist schwanger. Das Kind möchte sie ohne Vater zur Welt bringen. Von mehreren Seiten holt sie sich Hilfe und verändert so auch das Leben von zwei alten Viehzüchtern.
EGr

Peter Härtling: Der Gedankenspieler

Peter Härtlings letzter posthum veröffentlichter Roman "Der Gedankenspieler" erzählt vom alten Herrn Wenger, der als Architekt gearbeitet hatte. Er ist alleinstehend und krank und befindet sich in seiner letzten Lebensphase. Sein Hausarzt Dr. Mailänder freundet sich mit ihm an und versucht, ihn aus seiner Melancholie und Einsamkeit herauszuholen. Auch als Mailänder heiratet wird Johannes Wenger in die Familie mit einbezogen. Wenger hadert mit seinem Schicksal, seiner Krankengeschichte und mit seinem Alter.
EGr

Andy Weir: Artemis

Andy Weir bleibt seinem Stil treu und lässt seinen Protagonisten wieder in unbekannte Weiten aufbrechen. Nur diesmal geht es nicht für Mark Watney („Der Marsianer“) auf den Mars, sondern für Jasmine Bashara auf den Mond. Dort aufgewachsen und bestens vernetzt, muss sich „Jazz“ einem mörderischen Kartell stellen und alles riskieren, um ihre Heimat zu schützen.
TDo

Esther Kinsky: Hain

Die Autorin Esther Kinsky erhielt für dieses Buch 2018 den "Preis der Leipziger Buchmesse". Der Roman ist in drei Kapitel und entsprechend drei italienische Orte unterteilt: Olevano Romano, Chiavenna und Comacchio. Das Buch ist durchzogen von Rückblenden und Erinnerungen an Reisen, an Landschaften, an Orte, an Menschen, an die Kindheit und an den Vater. Ein ruhiges und stilles Buch, das vor allem auch Leser ansprechen wird, die Italien und das dortige Leben mögen.
EGr

Viktor Funk: Mein Leben in Deutschland begann mit einem Stück Bienenstich

Viktor Funk kam im Alter von 11 Jahren mit seinen Eltern aus Kasachstan nach Deutschland. In seinem autobiographischen Roman verarbeitet er seine Geschichte. Der Ich-Erzähler versucht seine Identität zu finden. Er lebt zwischen den Welten, zwischen Russland und Deutschland. Auch seine Freundin Marie, die aus Rumänien stammt, versucht ihren Platz in Deutschland und im Leben zu finden.
Eine unaufgeregte, schön zu lesende Geschichte über Heimat, Heimatlosigkeit, Integration, Indentität und über die Liebe.
EGr

Nell Leyshon: Die Farbe von Milch

Diese Geschichte des Mädchens Mary spielt in den Jahren 1830 und 1831. Mary lebt mit ihren Eltern, mit ihrem Großvater und ihren drei älteren Schwestern auf einem Bauernhof. Die Familie ist sehr arm. Alle Familienmitglieder arbeiten hart. Als der Dorfpfarrer ein Dienstmädchen sucht, weil seine Frau krank ist, schickt der Vater die selbstbewusste Mary im Alter von 15 Jahren in den Pfarrhaushalt. Nachdem seine Frau gestorben ist, behält der Pfarrer Mary bei sich und bringt ihr lesen und schreiben bei. So kann Mary ihre eigene schwere Geschichte niederschreiben.
EGr

Johan Bargum: Nachsommer

Der finnlandschwedische Autor Johan Bargum hat einen kurzen, intensiven und melancholischen Roman über zwei Brüder, über ihre Mutter und die Familie geschrieben. Carl, der Lieblingssohn der Mutter, verließ früh das Elternhaus, um mit der von der Mutter ungeliebten Schwiegertochter Klara in die USA zu gehen und beruflich Fuß zu fassen. Die beiden zutiefst unterschiedlichen Brüder Carl und Olof treffen sich erst wieder, als die Mutter im Sterben liegt.
EGr

Catalin Dorian Florescu: Der Nabel der Welt - Erzählungen

Der in Rumänien geborene Autor Florescu lebt in der Schweiz in Zürich. Seine Romane wurden bereits mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Nun hat er einen Band mit Erzählungen vorgelegt, die in den Jahren 2001 bis 2016 entstanden sind. Wichtige Themen unserer Zeit, wie Migration, Flucht und Heimatlosigkeit verarbeitet er in den verschiedenen Geschichten. Sie spielen in den unterschiedlichsten Ländern mit den unterschiedlichsten Landsleuten und reichen von Sylt über die Schweiz, Italien und Rumänien. Sehr einfühlsam beobachtet und sprachlich originell geschrieben!
EGr

Natalie Buchholz: Der rote Swimmingpool

Die in Rosenheim geborene Autorin hat im renomierten Verlag "Hanser Berlin" ihren ersten Roman veröffentlicht. Sie erzählt aus der Sicht des 18jährigen Adam, was es mit einem jungen Mann macht, wenn sich seine Eltern trennen. Aus einer scheinbar perfkten Familie wird ein Scherbenhaufen. Adam versteht nicht, was passiert ist, weil weder Vater noch Mutter ihm eine Erklärung liefern. So muss er selbst versuchen, mit der neuen Situation zurecht zu kommen und seinen eigenen Weg finden.
Ein stimmiger, sprachlich routiniert geschriebener Roman.
EGr

Astrid Kofler: Das Fliegen der Schaukel

Ada Torelli blickt zurück auf ihr langes und erfülltes Leben. Jetzt mit über 80 Jahren lebt sie in Bozen in einem Seniorenheim. Geboren wird sie 1917 in Paliano im Hinterland von Rom. Mit mehreren Geschwistern wächst sie hier auf. Sie möchte Lehrerin werden, geht zur Ausbildung nach Rom und dann als junge Lehrerin nach Südtirol. Hier bei den Bauersfamilien durchlebt sie die schwierige Zeit des Krieges.
EGr

Bernhard Schlink: Olga

Dieser Roman ist eine Zeitreise vom Ende des 19. Jahrhunderts in Pommern bis zum Jahr 1971 in Westdeutschland. Olgas Eltern sterben früh, so dass sie bei ihrer Großmutter in Pommern aufwächst. Sie wird nicht geliebt, hat auch keine Freundinnen, aber im Mitschüler Herbert findet sie einen Seelenverwandten. Gegen den Widerstand seiner Eltern, reiche Gutsbesitzer, lieben sich die beiden. Doch der rastlose Herbert nimmt bei einem Militäreinsatz gegen die Hereros in Deutsch-Südwestafrika teil. Auch nach seiner Rückkehr zieht es ihn immer wieder in die Ferne; zuletzt auf eine Expedition in die Arktis. Er bleibt verschollen - doch Olgas Leben geht weiter.
EGr

Haiku: Gedichte aus fünf Jahrhunderten

Im Reclam-Verlag ist ein schön gestalteter Band mit einer Auswahl sowohl alter als auch modernerer Haiku entstanden. Herausgegeben und zusammengestellt wurde das Buch von Masami Ono-Feller; der Japanologieprofessor Eduard Klopfenstein hat die Haiku übersetzt und ausführlich kommentiert. Diese Sammlung bietet einen wunderbaren Querschnitt und Einblick in die Haiku verschiedenster Autoren.
EGr

Jürgen-Thomas Ernst: Schweben

Der neue Roman des österreichischen Autors Jürgen-Thomas Ernst erzählt das Leben von Rosa und Josef. Sie lernen sich kennen und lieben, verlassen ihre Elternhäuser und gehen in den 1960er-Jahren in den Westen. Mit harter Arbeit verdienen sie ihr Geld und erarbeiten sich ganz langsam ein bescheidenes Glück.
EGr

Lamia Berrada-Berca: Kant und das kleine rote Kleid

Eine junge Frau aus Nordafrika geht mit ihrem Mann nach Paris, wo er ihr ein glückliches Leben verspricht. Doch sie muss sich weiterhin verschleiern und sich ihrem Mann unterordnen; ohne großes Selbstbewußtsein und ohne Sprachkenntnisse ist sie sehr einsam. Ein rotes Kleid in einem Schaufenster und ein Buch von Kant, das ihr zufällig in die Hände fällt, weckt ihre Sehnsüchte.
Wird ihre kleine Tochter eines Tages bessere Chancen im Leben haben? Dieses dünne Buch mit seinen kurzen Kapiteln regt zum Nachdenken über die Rolle der Frau, über Träume und über Freiheit an.
EGr

Ilse Tielsch: Das letzte Jahr

Ilse Tilsch wurde 1929 in Mähren geboren und lebt als Schriftstellerin in Wien. In ihren Büchern verarbeitet sie ihr eigenes Schicksal und das Schicksal der deutschsprachigen Bevölkerung in Böhmen und Mähren bis zu ihrer Vertreibung.
Das junge Mädchen Elfi hat ein behütetes Leben, bis sie langsam spürt, dass die Kluft zwischen der deutschprachigen und der tschechischen Bevölkerung immer größer wird. Die Eltern sprechen mit ihr nicht über diese Entwicklung, so dass Elfi mit ihren Ängsten alleine gelassen wird und ihre Welt nicht mehr versteht.
EGr

AJAR: Unter diesen Linden

"Unter diesen Linden" ist der erste Roman des schweizerischen Autorenkollektivs AJAR "Association de jeunes auteur-e-s romandes et romands." Es ist ein kurzer, aber sehr intensiver Roman entstanden. Ein gelungenes Experiment! Mit Esther Montandon haben die Autoren eine fiktive Autorin erschaffen. Esther wird endlich schwanger, als sie schon nicht mehr damit rechnet. Louise stirbt jedoch im Jahr 1968 schon als Kleinkind. In kurzen Kapiteln werden die Geschehnisse verarbeitet.
EGr

Miika Nousiainen: Die Wurzel alles Guten

In diesem Roman aus Finnland geht es um Pekka und Esko. Pekka geht zu einem neuen Zahnarzt zur Behandlung und stellt dort fest, dass es sich um seinen Halbbruder handelt. Die beiden wussten nichts voneinander und so ist der Zahnarzt Esko zuerst sehr reserviert und möchte keinen weitern Kontakt. Doch nach einiger Zeit bricht das Eis und die beiden beschließen, dass sie auf die Suche nach ihrem Vater gehen. Was sie auf dieser Reise alles erleben und wie es ihr Leben bereichert und verändert - davon erzählt dieses Buch.
EGr

Selim Özdogan: Wo noch Licht brennt

Gül ist die älteste von 5 Geschwistern. Ihre Mutter stirbt früh, so dass sie sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern muss. Gül heiratet früh, bekommt zwei Töchter und geht mit ihrem Mann Fuat nach Deutschland. Hier ist sie einsam, kommt nie richtig an. Sie ist hin und hergerissen zwischen den beiden Ländern; sowohl in der Türkei als auch in Deutschland fühlt sie sich fremd. Der Roman erzählt, was sie aus ihrem Leben macht und wie sie versucht, mit den vielfältigen Problemen zurechtzukommen.
EGr

Pierre Lemaitre: Drei Tage und ein Leben

Pierre Lemaitre wurde 2013 für sein Buch "Wir sehen uns dort oben" mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis - dem Prix Goncourt - ausgezeichnet.
In seinem neuen Roman erzählt er vom Leben von Antoine. Als Antoine zwölf ist, geschieht ein Unglück. Der sechsjährige Nachbarssohn Rémi wird vermisst und von Polizei und von der ganzen Gemeinde vergeblich gesucht. Alleine Antoine weiß, was passiert ist. Seine Schuld wird ihn ein Leben lang begleiten und immer wieder gibt es Situationen, bei denen er befürchtet, dass sein Geheimnis entdeckt wird.
EGr

Birgit Vanderbeke: Wer dann noch lachen kann

Das neue Buch von Birgit Vanderbeke beginnt so: "Es gibt nur einen einzigen Menschen, der auf Sie aufpassen kann. Das sind Sie. Sonst niemand."
Die Autorin erzählt von der Kindheit mit einem gewalttätigen Vater. Die Mutter, schaut immer weg und versucht, alles mit Medikamenten zu verdrängen. Sie erzählt von Eltern, die sich gegenseitig fertig machen und das Kind ebenso. Diskret und spannend wird diese Geschichte entwickelt.
EGr

Marc-Uwe Kling: QualityLand
 
Willkommen in der schönen neuen Welt!
In QualityLand ist alles optimiert. Algorithmen errechnen wer oder was du bist und arbeiten müssen nur noch Maschinen. Doch ist das System wirklich so perfekt wie es scheint? Peter hat da so seine Zweifel. Zusammen mit einem kommunistischen Tablet, einer Drohne mit Flugangst und einem impotenten Liebesroboter sagt er der digitalen Welt den Kampf an. 
Der gesellschaftskritische Roman von Marc-Uwe Kling besticht durch Einfallsreichtum und Witz. Auch zu empfehlen ist das Hörbuch - gelesen vom Autor.
TDo
 

Delphine de Vigan: Tage ohne Hunger

Wieder ein Roman der französischen Autorin, der den Leser gefangen nimmt. Dieser Titel ist ihr erster Roman und erschien in Frankreich bereits im Jahr 2001 unter Pseudonym.
Es geht um eine magersüchtige junge Frau. Nachdem sie sich endlich dazu durchgerungen hat in eine Klinik zu gehen, versucht sie dort über mehrere Monate, zu einem Mindestgewicht zu kommen und wieder einen Sinn im Leben zu finden. In ihrem Notizbuch schreibt sie von ihrem schweren Kampf, von ihren Mitpatienten, von ihrer Sehnsucht nach dem alten Zustand und von der Kraft, die es sie ständig kostet, durchzuhalten.
Unbedingt lesenswert ist von der Autorin auch das Buch "No & ich"!
EGr

Friedrich Ani: Ermordung des Glücks

Dies ist der 2. Fall mit dem pensionierten Münchner Kommissar Jakob Franck.
Ein kleiner Junge wird ermordet. Erst 34 Tage nach seinem rätselhaften Verschwinden, wird er tot aufgefunden. Der Täter wird jedoch nicht gefunden. Doch Jakob Franck hat Zeit. Mit seiner Geduld und seiner Erfahrung quält er sich wieder ganz intensiv durch die verschiedenen Möglichkeiten und Theorien. Er führt mit Verwandten, Nachbarn und Verdächtigen lange Gespräche, bis er schließlich doch noch zum Ziel kommt.
EGr

Petra Morsbach: Justizpalast

Petra Morsbach erzählt das Leben von Thirza Zorniger. Sie hat dafür fast ein Jahrzehnt bei vielen Richtern und Juristen intensiv recherchiert und lässt immer wieder die verschiedensten juristischen Fälle und Themen in die Rahmenhandlung einfließen.
Ihre Kindheit und Jugend verbringt Thirza nach der Trennung ihrer Eltern bei ihrem Großvater - ehemaliger Richter - und bei zwei Tanten. Nach dieser problematischen Zeit strebt Thirza Zorniger in ihrer Heimatstadt München eine Karriere als Richterin an. Beruflich erfolgreich, tut sie sich sehr schwer, auch ihr privates Glück zu finden.
Die Autorin erhielt für diesen Roman den Wilhelm Raabe-Literaturpreis.
EGr

Birgit Müller-Wieland: Flugschnee

Die österreichische Autorin hat einen Roman geschrieben, der einen vom Anfang zum Ende hin immer mehr gefangen nimmt. Im Zentrum des Buches steht ein Familiengeheimnis, über das geschwiegen wird. Nun ist Simon, der Bruder von Lucy verschwunden. Dies lässt Geheimnisse und Erinnerungen der verschiedenen Generationen, Familienmitglieder und Personen nach oben kommen. Vor allem Simons Schwester Lucy versucht zu verstehen, was passiert ist. Aus verschiedenen Perspektiven wird erzählt, was im Leben der Eltern und Großeltern geschehen ist und um welches Geheimnis sich alles dreht.
EGr

Anne von Canal: Whiteout

Schon das Buch "Der Grund" von Anne von Canal hat uns sehr gut gefallen. Auch das neue Buch von der Autorin nimmt den Leser sofort gefangen.
Hanna ist mit ein paar Kollegen auf einer wissenschaftlichen Forschungsreise in der Antarktis. Dort erhält sie von ihrem Bruder die Nachricht, dass ihre beste Jugendfreundin nicht mehr lebt. So geistern während der Arbeit in der eisigen Kälte immer wieder Erinnerungen an ihre Kindheit durch ihren Kopf. Die drei waren lange ein unzertrennliches Gespann und Hanna fragt sich, was mit ihrer Freundin später passiert ist. Ein atmosphärisch sehr dichter und schön zu lesender Roman.
EGr

Stefan Ferdinand Etgeton: Das Glück meines Bruders

Die Eltern von Botho und Arno haben ihren beiden Söhnen immer nur gepredigt, dass das Leben aus Arbeit besteht. Deshalb haben die beiden nie gelernt zu träumen oder Zuversicht zu haben. Sie tun sich mit ihrem Leben manchmal hart.
Botho ist Lehrer geworden; Arno ist Handwerker, hat Probleme mit dem Alkohol und ist oft arbeitslos. Aber im Gegensatz zu Botho hat er eine Freundin.
Etgeton erzählt in diesem Buch von einem Brüderpaar, das sehr verbunden ist, das jedoch auch sehr unterschiedlich ist und deren Leben sich in sehr unterschiedliche Richtungen bewegt.
EGr

Leila Slimani: Dann schlaf auch du

Die aus Marokko stammende französische Autorin Leila Slimani hat einen Roman über ein anscheinend perfektes Kindermädchen in Paris geschrieben. Louise arbeitet für ein scheinbar ebenso perfektes Ehepaar und betreut liebevoll die beiden kleinen Kinder. Durch ihren Perfektionismus und ihre Aufopferung macht sie sich unentbehrlich. Doch wie sieht es wirklich in ihrem Leben aus?
EGr

Renate Ahrens: Alles, was folgte

Ein rundherum gelungener und stimmiger Roman! Katharina wird im Krieg geboren. Sie weiß lange nicht, dass ihre Eltern sie adoptiert haben. Nur durch Briefe zwischen ihrer Mutter und ihrer Tante, die ihr ein Halbbruder zukommen lässt, erfährt sie eines Tages von dieser Tatsache. Ab diesem Zeitpunkt setzt die Kriegsfotografin alles daran, ihrer wirklichen Herkunft auf die Spur zu kommen.
EGr

Ilija Trojanow: Nach der Flucht

Ilija Trojanow wurde 1965 in Sofia geboren und erhielt zusammen mit seiner Familie in Deutschland politisches Asyl. Seine Wege führen ihn später über Kenia, Paris, München, Bombay und Kapstadt nach Wien, wo er heute lebt. In seinem neuen Buch "Nach der Flucht" sammelt er persönliche und allgemeingültige Gedanken zu den Themen Heimat, Flucht und Sprache und zu allem, was damit zusammenhängt. Ein sehr nachdenkliches Buch.
EGr

Samuel Selvon: Die Taugenichtse

Samuel Selvon wurde 1923 in Trinidad geboren und ist - ebenfalls dort - 1994 gestorben. 1950 ging er nach London, wo er in einem Immigrantenheim und später in einer Kellerwohnung lebte. "Die Taugenichtse" erschien bereits 1956 in England, aber erst jetzt zum ersten Mal in Deutschland.
Hauptperson ist Moses Aloetta, der schon länger in London lebt und für viele Neuankömmlinge - trotz seiner Armut - ein weiches Herz hat und hilft, wo er kann. Voller Hoffnung erreichen in der Nachkriegszeit die Einwanderer aus der Karibik London. Hier suchen sie ein besseres Leben, bleiben aber fremd zwischen den verschiedenen Kulturen.
EGr

Iman Humaidan: Fünfzig Gramm Paradies - Roman aus dem Libanon

Der Roman von Iman Humaidan ist teils etwas schwer zu lesen, weil er durch die Zeiten und zwischen den verschiedenen Personen hin- und herspringt. Er ist aber auf jeden Fall sehr lesenswert! Die Handlung dreht sich um den Bürgerkrieg in Beirut im Jahr 1978 und verknüpft mehrere Schicksale miteinander. Die libanesische Schriftstellerin Maja findet 1994 die Tagebücher der vom syrischen Geheimdienst ermordeten Journalistin Nura. Sie versucht den Hintergründen auf den Grund zu gehen. Als drittes Frauenschicksal fungiert die analphabetische Kurdin Sabah. Herkunft, Alter und Bildung sind unterschiedlich, jedoch wurde allen Frauen in unterschiedlicher Form Gewalt angetan und sie mussten ihre Heimat verlassen.
EGr

Henning Mankell: Der Sandmaler

Die schwedische Originalausgabe dieses frühen Afrika-Romanes von Henning Mankell erschien bereits 1974, als Henning Mankell 26 Jahre alt war.
Im Jahr 1971 reist die junge Elisabeth für zwei Wochen nach Afrika. Nach der Schule weiß sie nicht recht, welchen Weg sie einschlagen soll und erhofft sich vom Kennenlernen des fremden Landes einen Anstoß. Sie lernt viele Probleme der ehemals englischen Kolonie kennen und kehrt erwachsener geworden nach Schweden zurück.
Interessant zu sehen ist vor allem auch, wie sich der schwedische Schriftsteller in seinen späteren Romanen im Vergleich zu diesem frühen Text weiterentwickelt hat. Die Themen sind die gleichen und sie sind leider immer noch hochaktuell.
EGr

Morten Brask: Das perfekte Leben des William Sidis

Das Leben des William James Sidis ist keinesfalls ein perfektes Leben. William zerbricht am Ehrgeiz seines Vaters und an der Lieblosigkeit seiner Mutter, die ihn zu immer mehr Höchstleistungen anspornen. Beide zwingen das Kind und später den Jugendlichen in ein Leben ohne Spiel, ohne Sport und ohne gute soziale Kontakte. In kunstvollen Vor- und Rückblenden erzählt der Autor von der Kindheit des Wunderkindes und Genies. William lernt extrem früh lesen, er lernt extrem viele Sprachen, er interessiert sich vor allem auch für Mathematik. In Schule und Studium ist er immer wesentlich jünger als seine Mitschüler; so hat er immense Anpassungsschwierigkeiten, bleibt immer ein Aussenseiter und zerbricht schließlich an diesen außergewöhnlichen Umständen.
Fast zeitgleich ist noch ein zweiter Roman über William James Sidis erschienen: "Das Genie" von Klaus Cäsar Zehrer.
EGr

Ernest Cline: Ready player one

Stellen Sie sich vor, es wäre das Jahr 2044. Alle Menschen sind miteinander vernetzt, der Zugang zu Bildung steht jedem kostenfrei zur Verfügung und das Leben ist geradezu perfekt; allerdings nur in der virtuellen Welt der "OASIS". In der Realität herrscht Hunger, Platzmangel und Ressourcenknappheit. Der einzige Ausweg besteht darin, das "Easter Egg", einen in dem Computerspiel versteckten Code, der dem Finder zu unfassbarem Reichtum verhelfen soll, zu finden.
Wie Millionen anderer, versucht Wade, genau dieses "Egg" zu finden. Doch nicht alle spielen mit fairen Mitteln. Die Buchverfilmung von Steven Spielberg erscheint im Frühjahr 2018.
TDo

J.M. Coetzee: Ein Haus in Spanien - Drei Geschichten

Dieses äußerst dünne und äußerst schön gestaltete Büchlein mit drei Geschichten Coetzees, lädt zu einem kurzen aber intensiven Einstieg in das Werk des südafrikanischen Literatur-Nobelpreisträgers ein. Es macht auf jeden Fall Lust, mehr von diesem interessanten Autor zu lesen.
EGr

Rupi Kaur: milk and honey - milch und honig

Rupi Kaur ist Kanadierin mit indischen Wurzeln. Ihre Lyrik dreht sich um die Themen Missbrauch, Gewalt, Schmerz, Verlust und Liebe. Mit einer klaren und nüchternen Sprache findet die Autorin immer den richtigen Ton und die richtigen Worte. Die Texte berühren und machen Mut, zu sich selbst zu stehen.
EGr

Dietlind Falk: Das Letzte

Dietlind Falk, geboren 1985, ist Übersetzerin und hat bereits mehrere bekannte Autoren, wie z.B: Mark Haddon, ins Deutsche übersetzt.
Eine junge Frau wohnt in einer WG in einem alten heruntergekommenen Haus. Ihr ungeliebter Vater und ihr Bruder sind bereits beide gestorben. Ihre Mutter wohnt alleine in einer Wohnung und leidet unter dem Messie-Syndrom. Ihre Wohnung ist unvorstellbar zugemüllt. Für die Tochter ist das ein großes Problem, vor allem als die Wohnung gekündigt wird und ihre Mutter wegen einem Schlaganfall in die Klinik kommt. Sie ist heillos überfodert und kommt mit der Situation lange nicht zurecht. Eines Tages gelingt es ihr dann doch, ihre Mitbewohner um Hilfe zu bitten.
EGr

Robert Höpfner: Das Licht von gegenüber - Lyrische Prosa

Nun ist nach dem Gedichtband "Der Himmel hält sich bedeckt" ein neues Buch mit kurzen lyrischen Prosatexten entstanden. "Ich möchte Kleinoden schaffen, in denen sich hin und wieder Sätze finden, die es wert sind, flüsternd wiederholt zu werden." Dies ist dem Grassauer Autor auf jeden Fall gelungen.

Ausdauer

Du klagst, dich tagtäglich vergeblich abzumühen,
es immer wieder auf's Neue versuchen zu müssen.
Steh' auf, fahre zu einem Meeresstrand und schaue zu:
Seit ewigen Zeiten nimmt das Wasser Welle für Welle
Anlauf, fließt mal mehr und mal weniger weit, um dann
wieder zurückgezogen zu werden. Du wirst von ihnen
keine Klage hören. Darum lass dir gesagt sein: Mache
nicht so viel Wind und die Wogen werden sich legen.

© Robert Höpfner

Michela Murgia: Chirú

Michela Murgia wurde 1972 in Cabras auf Sardinien geboren. Sie studierte Theologie und unterrrichtete Religion. Mit ihrem Roman "Accabadora" wurde sie auch bei uns bekannt.
In ihrem neuen Roman erzählt sie von der Schauspielerin Eleonora, die immer mal wieder einen begabten Schüler unter ihre Fittiche nimmt und ihn auf seinem Ausbildungsweg begleitet. Diesmal kümmert sie sich um den Musikstudenten Chirú. Seine Jugend erinnert sie daran, wie sie sich selbst als Kind gefühlt hat. Die Beziehung der beiden ist eine labile Gratwanderung zwischen Mutter, Lehrerin und Geliebter.
EGr

Jess Kidd : Der Freund der Toten

Mahony aus Dublin ist gutaussehend, charmant und bis auf die Tatsache, dass er Tote sehen und mit ihnen reden kann, auch nicht sonderlich außergewöhnlich. Aufgewachsen in einem Waisenhaus, erfährt er mit 26 Jahren, dass er nicht wie gedacht, von seiner überforderten Mutter ausgesetzt, sondern dieser "…weggenommen" wurde. Mit Unterstützung der exzentrischen Mrs. Cauley setzt Mahony alles daran, das Verschwinden seiner Mutter aufzuklären, auch wenn das nicht allen im Ort gefällt.
TDo

Lorenza Pieri: Ich hatte eine Insel

Teresa wächst mit ihrer älteren Schwester Caterina auf der italienischen Insel Giglio auf, wo auch die Autorin selbst ihre Kindheit verbracht hat. Mit Höhen und Tiefen wird sie inmitten des elterlichen Hotelbetriebs älter und schließlich erwachsen.
Die politisch aktive Mutter trennt sich von Teresas Vater, der eine Affäre mit der mit der Familie befreundeten Ärztin beginnt. Teresa zieht mit ihrer Mutter auf das Festland, studiert nach dem Schulabschluss und lebt dann alleine in Rom.
Doch entgegen dem Rat ihrer Schwester kehrt sie schließlich wieder nach Giglio zurück. Auch hier erwarten sie noch einige "Überraschungen".
EGr

Karl Ove Knausgård: Das Amerika der Seele

Der norwegische Autor hat neben den sechs sehr interessanten Bänden seines autobiographischen Projekts auch Essays geschrieben. Die Texte zu sehr verschiedenen Themen spiegeln die subjektive und tiefschürfende Gedankenwelt Knausgårds wider. Egal, um welches Thema es geht: immer ist der Autor beim Schreiben auf der Suche nach Selbsterkenntnis.
EGr

Robert Höpfner: Der Himmel hält sich bedeckt

Robert Höpfner wohnt in Grassau. Er schreibt Gedichte und lyrische Prosa. Er beobachtet sehr genau, so dass sehr vielschichtige und feinfühlige Gedichte entstanden sind. Wer schon lange keine Gedichte mehr gelesen hat, sollte hier mal wieder einen Versuch wagen.

Sorgen

Jeden Tag
geht die Sonne
unbesorgt auf.
Die Sorgen erwachen
erst mit mir.
---
Nagelproben

In das weiche Holz
meiner Empfindsamkeit
schlage ich
Gedichte ein und das
mit der bloßen Hand.
---
© Robert Höpfner

Fredrik Backmann: Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid

Dieses Buch ist ein wunderbar emotionaler, lustiger Roman über das Anderssein. Der Autor erzählt von der fast achtjährigen Elsa, die mit ihrer Mama und George und dem Halben in Mamas Bauch in einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus wohnt, gegenüber von Oma. Oma ist Elsas bester Freund und nimmt sie mit in ihre eigene Märchenwelt. Als Oma stirbt, geht Elsa auf eine von ihrer Oma gestellten Schatzsuche, die sie in das richtige Leben führen soll. Auf der Reise findet sie neue Freunde und erfährt so einiges über ihre Oma.
ASt

Emma Jane Kirby: Der Optiker von Lampedusa - Die Geschichte einer Rettung

Der Optiker von Lampedusa hat Urlaub und ist zusammen mit seiner Frau und mehreren Freunden mit dem Schiff Galata auf's Meer hinausgefahren, um die Ruhe und die Weite des Wassers zu genießen. Nur die anhaltenden Möwenschreie gehen ihm auf die Nerven. Doch dann merkt er, dass es Schreie von ertinkenden Menschen sind... Die acht Freunde beginnen, die noch lebenden entkräfteten Menschen aus dem Meer zu ziehen. Doch viele sind bereits ertrunken. Diese Erlebnisse verändern ihr Denken und Leben. "Wie naiv er doch gewesen war, dachte der Optiker. Wie naiv! Denn es gab immer noch größeres Leid, tiefer und unermesslicher, als irgendeiner von uns es sich jemals vorstellen könnte."
EGr

Isabelle Autissier: Herz auf Eis

Stromness ist eine gebirgige Insel im Südatlantik. Louise Flambart und ihr Freund Ludovic aus Paris umsegeln die Welt und stranden auf dieser unwirtlichen Insel; ein Sturm hat ihr vor Anker liegendes Schiff hinweggefegt. Beeindruckend an diesem Roman ist der krasse Gegensatz der beiden Teile: zuerst die fast unerträgliche Einsamkeit und der extreme Überlebenskampf, dann - zurück in der Zivilisation - die vollkommene Vereinnahmung durch Journalisten und Presse.
EGr

Mehrnousch Zaeri-Esfahani: 33 Bogen und ein Teehaus

Dieser autobiographische Roman ist zwar ein Jugendbuch, jedoch auch für Erwachsene sehr empfehlenswert.
Mehrnousch Zaeri-Esfahani wurde 1974 in Isfahan geboren. Nach dem Machtantritt Ajatollah Chomeinis floh sie 1985 mit ihren Eltern und Geschwistern über die Türkei nach Ostberlin, wurde nach Westberlin ausgewiesen, kam nach Karlsruhe und schließlich nach Heidelberg. Aus Sicht ihrer Kindheit erzählt sie das Leben als Flüchlting und wie schwer es war, das fremde Leben, die fremde Sprache und die fremden Menschen verstehen zu lernen.
EGr

Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Der amerikanische Autor Kent Haruf lebte von 1943 bis 2014. Seine sechs Romane spielen in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado. "Unsere Seelen bei Nacht" wurde mit Jane Fonda und Robert Redford verfilmt.
Die Witme Addie ist um die 70 und sie ist einsam. Das möchte sie ändern; und so schlägt sie Louis, der in der Nachbarschaft lebt, etwas Überraschendes vor.
EGr

Barbara Kingsolver: Das Flugverhalten der Schmetterlinge

Dieser Roman erzählt aus dem Leben der jungen Mutter Dellarobia Turnbow. Ihre Eltern sind früh gestorben, sie wurde früh schwanger und sie ist unzufrieden mit dem Leben auf der Farm ihrer Schwiegereltern und ihres sehr unselbständigen Mannes Cub. Eigentlich möchte sie aus ihrem Leben ausbrechen; doch dann geschieht etwas, was ihr Leben auf den Kopf stellt. Sie entdeckt im heimischen Wald eine Unzahl von Monarchfaltern. Was sie zuerst für ein Wunder hält, stellt sich aber bald als die Folge des Klimawandels heraus. Der Biologe und Wissenschaftler Ovid Byron interessiert sich für dieses Phänomen, weil die Monarchfalter sein Spezialgebiet sind.
EGr

Ketil Bjørnstad: Emma oder Das Ende der Welt

Aslak Timbereid arbeitet als Lektor bei einem Verlag in Oslo. Seine Frau Hanne hat sich von ihm getrennt und ist wieder nach Nordnorwegen in die Nähe ihrer Mutter gezogen. Die neunjährige Tochter Emma lebt bei ihm. In den Ferien begleitet er seine Tochter bei ihrem Flug zu ihrer Mutter, wo sie die Ferien verbringen soll. Doch ein schreckliches Unglück reisst Emma aus dem Leben und verändert das Leben der Eltern für immer.
Ein Buch über das Schicksal und die Zufälle im Leben, über die Trauer und über die Suche nach Schuld und Vergeltung. Wieder ein sehr intensives Buch vom norwegischen Autor und Musiker Ketil Bjørnstad.
EGr

Karl Ove Knausgård: Sterben

Der 1. Teil des autobiographischen Projekts von Karl Ove Knausgård erschien in Deutschland bereits 2011. Inzwischen ist auch der 6. Band "Kämpfen" erschienen.
Der norwegische Autor wurde 1968 geboren und lebt jetzt mit seiner Familie in Schweden.
Schwerpunktmäßig handelt dieser erste Teil von seiner Kindheit und Jugend und von seinem Verhältnis zu seinen Eltern - insbesondere zu seinem Vater. "Mittlerweile hatte ich alle Tagebücher und Notizen verbrannt; von dem Menschen, der ich bis zu meinem fünfundzwanzigsten Geburtstag gewesen war, gab es kaum noch eine Spur und das aus gutem Grund, vor dort kam nichts Gutes."
In der zweiten Hälfte des Buches geht es um das Sterben, bzw. um den Tod des Vaters. Sehr intensiv schildert Knausgård die Familienverhältnisse.
Das Buch weckt großes Interesse, alle Bände des norwegische Autors zu lesen.
EGr

Cecilia Samartin: Nicht die Nacht allein

Ana hat als Kind schlimme Erlebnisse im Bürgerkrieg in El Salvador überlebt. Zusammen mit der Nonne Josepha gelingt es ihr, zu fliehen und ausser Landes zu gelangen. Ana kommt nach einer Zeit im Kloster als Kindermädchen zu der sehr wohlhabenden Familie Trellis. Von da an verändert sich ihr Leben von Grund auf.
Ana bleibt auch in der neuen Umgebung eine sanfte und aufrichtige junge Frau, die an ihren Grundsätzen festhält und immer zu helfen versucht.
EGr

Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses

Die Autorin Elif Shafak gehört zu den wichtigsten Schriftstellerinnen der Türkei. Sie wurde in Straßburg geboren, lebt in London und Istanbul.
Erzählt wird aus dem Leben von Peri, die in einem Elternhaus aufwächst, in dem sich die unterschiedlichsten Weltanschauungen gegenüberstehen. Vater und Mutter lieben sich schon lange nicht mehr; die beiden Brüder sind gegensätzlicher als man es sich vorstellen kann. Peris Vater hält große Stücke auf seine Tochter und ihre Intelligenz; er lässt sie in Cambridge studieren. Hier freundet sie sich mit Shirin und Mona an; drei Muslima unterschiedlichster Ausprägung. Eine spannende Zeit beginnt.
EGr

Susann Pásztor: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

Die Autorin Susann Pásztor hat eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin. In ihrem neuen Roman erzählt sie die Geschichte von Karla, die bald an Krebs sterben wird, von Fred, ihrem Sterbebegleiter und von seinem Sohn Phil. Alle drei müssen erst mit der Situation umzugehen lernen; sie müssen sich erst aneinander gewöhnen und lernen, wie man die Bedürfnisse von Klara erkennt und akzeptiert.
Ein wunderbares Buch zum so wichtigen Thema Sterben.
EGr

Daniela Ohms: Winterhonig

Daniela Ohms hat einen spannenden Roman über eine verbotene Liebe während des Zweiten Weltkriegs geschrieben. Angelehnt ist dieser dicke Schmöker an die Geschichte ihrer eigenen Großmutter. Mathilda ist die jüngste Tochter einer elfköpfigen Bauernfamilie. Die Mutter stirbt früh, der Vater und die älteste Schwester sind sehr streng; so fühlt sich Mathilda schon als kleines Mädchne nur von ihrem Lieblingsbruder und von Karl verstanden. Karl arbeitet als Stallknecht im Nachbarhaus. Doch umgibt ihn ein Geheimnis, das er nie verraten darf.
EGr

Tiphaine Rivière: Studierst du noch oder lebst du schon?

In der Bibliothek gibt es eine große Abteilung mit Graphic Novels, die sehr interessant und vielseitig zum Lesen sind. Deshalb hier mal wieder ein sehr gelungenes Beispiel.
Tiphaine Rivière hat drei Jahre versucht an einer Doktorarbeit in Literaturwissenschaft zu schreiben. Der anfängliche Enthusiasmus macht ziemlich schnell einer sehr hohen Frustration durch die ernüchternden Umstände an der Universität und dem ständigen Zeitdruck Platz. Über diese extrem schwierige Zeit als Doktorandin hat sie den illustrierten Blog "Le bureau 14 de la sorbonne" geschrieben und als Graphic Novel auch in Deutsch veröffentlicht.
EGr

T.C. Boyle: Die Terranauten

Um zu beweisen, dass das Überleben in einem geschlossenen ökologischen System langfristig möglich ist, bauen Wissenschaftler in der Wüste von Arizona, ein 200 Mio. $ teures, gigantisches Gewächshaus. Vier Männer. Vier Frauen. 730 Tage.
Was wie ein Auszug aus einem Science Fiction Roman klingt, ist 1991 unter dem Namen „Biosphäre 2“  tatsächlich versucht worden.
Was zunächst als der „neue Garten Eden“ angepriesen wird, entwickelt sich zunehmend zur Zerreißprobe für die acht Terranauten, die erst lernen müssen, auf engstem Raum in einer vermeintlich idealen Welt zu überleben.
Verfügbar als Buch, Hörbuch, E-Book und E-Audio!
TDO

Max Küng: Wenn Du Dein Haus verlässt, beginnt das Unglück

Vom Erdgeschoss bis zum 4. Stock wird das Leben der Bewohner des Hauses in der Lienhardstrasse 7 erzählt. Keiner der Menschen ist so, wie er auf den ersten Blick erscheint. Erst wenn man hinter die Fassade des Hauses, der Wohnungen und der Menschen blickt, erst wenn man mehr von ihrem Leben erfährt, erkennt man langsam, wer und wie sie wirklich sind und warum sie so sind, wie sie sind.
EGr

Ronja von Rönne: Heute ist leider schlecht - Beschwerden ans Leben

Die junge Autorin Ronja von Rönne schreibt für die "Welt am Sonntag" und für ihren Blog "Sudelheft" Kolumnen. In ihrem neuen Buch gibt es zusammen mit weiteren Texten eine Auswahl ihrer Artikel und Gedanken zu allen möglichen und unmöglichen Themen.
EGr

Lori Ostlund: Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

Der sympathische aber introvertierte Aaron ist auf der Suche nach sich selbst. Seine Eltern lieben sich nicht mehr; sein herrischer Vater stirbt bei einem Unfall; seine labile Mutter verlässt ihn einige Zeit später. Der ältere Walter rettet ihn aus den Folgen seiner dramatischen Kindheit und Jugend; er ermöglicht ihm ein gutes Leben, sowie ein Studium. Doch nach 20 Jahren flieht Aaron aus dieser Beziehung Hals über Kopf und versucht in San Francisco ein neues Leben zu beginnen; auch dort arbeitet er als Englischlehrer.
In diesem Roman wird erzählt - teils auch im Rückblick - mit welchen Menschen Aaron Kontakt und Freundschaft pflegt. So entsteht immer wieder in anderem Kontext ein Bild von seinem Leben. Ein sehr feinfühliges und ruhiges Buch.
EGr

John Fante: 1933 war ein schlimmes Jahr

John Fante wurde 1909 in Denver als Sohn italienischer Einwanderer geboren. Die Originalausgabe dieses Romanes erschien 1985 posthum. Auch in seinem Buch geht es um eine arme italienische Einwandererfamilie. Der 17jährige Dominic Molise lebt mit 3 Geschwistern, mit seinem Vater und einer Mutter, die die ganze Zeit betet, sowie mit seiner Großmutter in einem armseligen Haus. Er träumt davon, ein gefeierter Baseball-Star zu werden. Zusammen mit seinem wohlhabenden Freund Kenny trainiert er für dieses Ziel. Doch sein Vater hat andere Pläne für ihn. Er möchte, dass Dom in seine Fußstapfen tritt und Maurer wird.
EGr

Alessandro D'Avenia: So unergründlich wie das Meer

Alessandro D'Avenia erzählt in diesem Roman die letzten Jahre Jahre des Lebens von Giuseppe Puglisi. Don Pino - wie er von allen genannt wird - ist Priester in Brancaccio, einem armen Viertel in Palermo, in dem er auch aufgewachsen ist. Dieser Stadtteil ist ganz von der sizilianische Mafia - der Cosa Nostra- gefangen. Drogenhandel, Raub, Schlägereien und Prostitution sind an der Tagesordnung.
Don Pino gibt Religionsunterricht und kümmert sich um die Kinder des Viertels. Er spielt mit ihnen Fußball und versucht, sie auf einen sinnvollen Lebensweg zu bringen.
Auch Federico - einer seiner Schüler - beginnt, sich für dieses Viertel zu interessieren. Mit seinen 17 Jahren muss er sich aber erst selbst im Klaren werden, was er will und seine Familie auf seine Seite holen. Ein sehr lesenswerter Roman.
EGr

Gerhard Jäger: Der Schnee, das Feuer, die Schuld und der Tod

Der österreichische Autor Gerhard Jäger hat eine spannend verwobene und vielschichtige Geschichte - ein Buch im Buch - geschrieben. Der 80jährige John Miller fliegt von Amerika nach Europa, um sich im Innsbrucker Landesarchiv und in einem kleinen abgelegenen Berdorf auf Spurensuche zu begeben. Der Antiquar und Witwer hat grosses Interesse an der Geschichte von Max Schreiber. Schreiber war ein Historiker aus Wien, der im Winter 1950/51 im Alter von 25 Jahren mehrere Wochen in diesem Bergdorf verbracht hat. Es gibt auch einen Buchtrailer zu diesem beeindruckenden Roman.
EGr

A.L. Kennedy: Leises Schlängeln

Die britische Autorin A.L. Kennedy hat eine Erzählung über das kleine Mädchen Mary und über eine sehr schöne und freundliche kleine Schlange geschrieben.
Mary lebt in einer großen Stadt, die von Menschen regiert wird, die die Bewohner nicht mögen. In dieser Stadt gibt es weder Parks noch Blumen und die Menschen leiden immer mehr an Hunger. Eines Tages entdeckt Mary einen goldenen Reif, der sich als Schlange entpuppt. Lanmo und Mary freunden sich an und verbringen viel Zeit miteinander. Wenn die Schlange wieder an anderen Orten unterwegs ist, bleibt Mary einsam zurück. Eine poetische Geschichte über die Wichtigkeit von Freundschaft.
EGr

Bernhard Jaumann: Der lange Schatten

Bernhard Jaumann hat wieder einen Krimi mit der Expolizistin Clemencia Garises geschrieben. Sie hat jetzt eine Firma für Personenschutz und wird in einen Fall um den deutschen Botschafter in Namibia und der Entführung seiner Ehefrau verwickelt. Es geht gleichzeitig um 4 Verbrechen unterschiedlicher Schwere und unklaren Zusammenhangs. Alle haben gemeinsam, dass Deutsche die Opfer und Hereros die Täter sind. In Deutschland wird in Freiburg ein Grab geschändet und in Berlin ein Polizist erschossen. Dort hält sich eine namibische Delegation auf, um geraubte Schädel von im Kolonialkrieg getöteten Hereros nach Namibia zurückzuholen.
EGr

Jon Fosse: Trilogie

Der norwegische Autor Jon Fosse schreibt Lyrik, Theaterstücke und Romane. Für sein Buch "Trilogie" hat er den sehr wichtigen Literaturpreis des Nordischen Rates erhalten.
Düster, melancholisch und sehr rhythmisch kommen diese 3 Erzählungen, die zu einer Trilogie zusammengefasst sind, daher. Es geht um ein junges mittelloses Paar - Alida und Asle. Alida ist schwanger. Die beiden sind an der norwegischen Küste unterwegs und auf der Suche nach einer Bleibe. Nirgends sind sie erwünscht.
Es ist oft undurchschaubar, was Wirklichkeit ist, was nur geträumt ist oder was erdacht ist. Ein aussergewöhnliches Buch, das man am liebsten zweimal lesen möchte, um die mystische Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.
EGr

Katharina Hagena: Das Geräusch des Lichts

Katharina Hagena wurde vor allem mit ihrem Roman "Der Geschmack von Apfelkernen" bekannt.In diesem neuen phantasievollen Roman erzählt sie von verschiedenen Begebenheiten im Leben von mehreren sehr unterschiedlichen Menschen. Verbindende Orte sind das Wartezimmer des Hamburger Neurologen Dr. Kai Nansen Dammberg und das Land Kanada.Fünf Menschen sitzen im Wartezimmer. Die Ich-Erzählerin ist Schriftstellerin und denkt sich während der Wartezeit Geschichten über die anderen Wartenden aus. Geschichten, in denen sie diese jeweils nach Kanada reisen lässt.
EGr

Diane Broeckhoven: Was ich noch weiß

"Ein Tag mit Herrn Jules" von Diane Broeckhoven hat mich sehr begeistert, als es 2005 erschienen ist. "Was ich noch weiß" steht ihm aber in nichts nach.
Aus der Sicht der Mutter Manon und abwechselnd aus der Sicht ihres Sohnes Peter entwickelt sich diese Familiengeschichte. Krankheit, Trennung, Scheidung, neue Liebe und der ganz normale Alltag werden erzählt. Nach einem Schlaganfall von Manon ändert sich nochmal alles. Obwohl Mutter und Sohn große Differenzen hatten, kümmert sich Peter sehr intensiv um seine Mutter. Sie erwacht aus dem Koma und kämpft sich ins Leben zurück.
EGr

Thomas Lang: Immer nach Hause

Thomas Langs biographischer Roman über den Schriftsteller Hermann Hesse spielt in zwei Teilen: im Jahr 1907 und im Jahr 1918.Hesse lebt mit seiner 9 Jahre älteren Frau Mia in Gaienhofen am Bodensee. Er fühlt sich von den äußeren Zwängen, von den Umständen seines Lebens, seiner Ehe und seiner Leiden gegängelt. Hesse sieht sich in einer Schaffenskrise; er beginnt an allem zu zweifeln und bricht schließlich auf - nicht nur zur Kur am Monte Verità.Im zweiten Teil belasten ihn vor allem auch die Auswirkungen des Ersten Weltkrieges und die Probleme mit seiner, ihm gegenüber immer gleichgültiger werdenden Frau. Die 3 lauten und streitenden Söhne hindern ihn am Schreiben. Hesse leidet unter seinen Selbstzweifeln und an der Sprachlosigkeit in seiner Ehe. Die Familie ist nur zu ertragen, wenn er immer wieder verreist. "Eine Künstlerexistenz vertrage sich einfach nicht mit der bürgerlichen eines Familienvorstands."
EGr

Matthias Brandt: Raumpatrouille

Der Schauspieler Matthias Brandt hat sein erstes Buch geschrieben. Es handelt sich dabei um Erzählungen aus seiner Kindheit. Mit einem lächelnden Blick auf sich selbst als Kind erzählt er von seinem behüteten Leben als jüngster Sohn des früheren deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt und dessen Frau Rut.Matthias Brandt blickt auf seine kindlichen, teils naiven - aber nachvollziehbaren - Gedanken und Verhaltensweisen zurück. Feinsinnnig, humorvoll und warmherzig berichtet er von seinem Leben im bewachten Elternhaus in Bonn; er erzählt von den Personenschützern, vom Hausmeister Herrn Hukeler, von seinem Hund Gabor und von den gesammelten Irrungen und Wirrungen einer Kindheit. Schön zu lesende und gefühlvolle Geschichten.
EGr

Erika Swyler: Das Geheimnis der Schwimmerin

Nach kleineren, literarischen Fehlgriffen, endlich wieder ein Buch, das einen von der ersten Seite an fesselt!Der Roman von Erika Swyler handelt von Simon Watson, einem arbeitslosen Bibliothekar aus Long Islands und seiner jüngeren Schwester Enola, um die er sich seit dem frühen Tod der Eltern kümmert.Eines Tages erhält er ein altes Buch, welches unter anderem tragische Todesfälle junger Frauen beschreibt, die alle am 24. Juli ertrunken sind - genau wie Simons Mutter. Mit der Zeit findet er heraus, dass diese Frauen alle mit Ihm verwandt sind. Als dann der 24.7. näher rückt, beginnt seine Schwester, sich immer merkwürdiger zu verhalten.
TDo

Margriet de Moor: Schlaflose Nacht

Diese Novelle der niederländischen Schriftstellerin Margriet de Moor erschien in einer früheren Fassung bereits 1989.Margriet de Moor erzählt von einer jungen Frau, die nach den Gründen sucht, warum ihr Mann sich das Leben genommen hat. Sie waren nur kurz verheiratet, als das Unglück geschah. Seither fragt sie sich, wer ihr Mann wirklich war und was ihn umtrieb.
EGr

Ronja von Rönne: Wir kommen

Die 1992 geborene Autorin wuchs in Grassau auf. Im Internet betreibt sie einen Blog "Sudelheft". Sie schreibt für die Tageszeitung "Die Welt".In ihrem ersten Roman berichtet sie von einer kleinen Gruppe junger Menschen, die voneinander abhängig sind und sich trotzdem nicht wirklich lieben. Eigentlich stehen ihnen alle Möglichkeiten eines modernen Lebens offen; sie haben ihr ganzes Leben vor sich; aber sie sind gelangweilt, depressiv, verwöhnt, lustlos und hoffnungslos. Sie leben zusammen, ziehen sich gegenseitig an und stossen sich aber auch wieder ab. Die Autorin schreibt: "Wir seien vier Egoisten, die sich vor lauter Angst aneinanderklammerten, obwohl wir uns eigentlich hassten."Spannend, was man von der jungen Autorin noch zu lesen bekommen wird.
EGr

Eva Schmidt: Ein langes Jahr

Ein Buch, das den Leser durch seine ruhige aber dennoch spannende Atmosphäre sofort in den Bann zieht. In kurzen Kapiteln lernt man einige Bewohner in einer Siedlung einer Stadt am See kennen. In den Szenen und Episoden erfährt man von ihrer Gegenwart, von ihren Gewohnheiten, Eigenheiten, Problemen - von ihrem Leben. In einzelnen Miniaturen, die aber doch miteinander verknüpft sind, werden die Schicksale der Menschen sichtbar. Raffiniert komponiert und sehr fesselnd geschrieben!
EGr

Alexander Maksik: Die Gestrandete

Der in New York lebende Autor hat einen Roman über Jacqueline, eine junge Frau aus Liberia, geschrieben, die nach einem furchtbaren Erlebnis aus ihrem Land geflüchtet ist. Sie ist auf einer griechischen Insel gestrandet und versucht hier an verschiedenen Orten zu überleben. Sie lebt im Freien und versucht, etwas Geld zu verdienen, um essen zu können. Sehr sehr langsam fasst sie zu der Kellnerin Katarina Vertrauen und am Ende schafft sie es sogar, ihr ihre Geschichte zu erzählen.
EGr

Clara Maria Bagus: Vom Mann, der auszog, um den Frühling zu suchen

Die Psychologin und Hirnforscherin, die unter dem Pseudonym Clara Maria Bagus schreibt, hat hier einen sehr stimmigen und schönen Roman geschrieben. Auch das Cover ist wunderschön gestaltet. Ein "ausgestanzter" Vogel sitzt auf einem Ast und scheint zu singen.
Viele kleine Geschichten sind in einen märchenhaften Roman eingebettet. Das Buch steckt voller Weisheiten und Botschaften.
Ein Mann mittleren Alters macht sich auf den Weg, um zu sich selbst und zu seinen Träumen zu finden. Auf diesem Weg kommt er zu vielen Erkenntnissen, wie z.B.:
"Ich denke, für das Wohlbefinden ist Sinnhaftigkeit wertvoller als Glückseligkeit, denn Sinn ist stabiler als Glück. Wenn man den Sinn für sich gefunden hat, ist man nicht mehr so abhängig von zufälligen Momenten."
"Wer nicht weiß, wer er ist, tut nicht das, was zu ihm passt, sondern worauf er gerade stößt. Unser Leben muss stimmig mit uns sein."
Ein Buch, das lange nachhallt und auch ein wunderbares Geschenk ist!
EGr

Axel Hacke: Die Tage, die ich mit Gott verbrachte

Axel Hacke erzählt - wieder mit viel Phantasie - die Geschichte von einem Mann, der eine Familie hat, in einem Büro arbeitet und nun mehrere Tage seines Lebens plötzlich von Gott begleitet wird. Gott ist in die Stadt gekommen, weil er die Einsamkeit seines Universums satt hat.
Axel Hacke sagt selbst über dieses Buch: "„Die Tage, die ich mit Gott verbrachte“ ist eine Erzählung über Gott, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe: als melancholischen Künstler, der Großes schaffen wollte und nun unglücklich ist mit dem, was daraus geworden ist, enttäuscht von sich selbst und auf der Suche nach Trost und Verzeihung."
Gott liefert so schöne Sätze wie: "... Etwas sehr ernst und gleichzeitig überhaupt nicht ernst zu nehmen. Es ist doch schön, wenn man beides schafft und auch noch gleichzeitig, findest du nicht?" oder "Kann ja sein, dass keiner an mich glaubt. Aber ich glaube an euch!"
Die Geschichte wird von den wunderbaren Bildern von Michael Sowa begleitet.
EGr

Sylvie Schenk: Schnell, dein Leben

Sylvie Schenk wurde 1944 in Frankreich geboren und studierte in Lyon. Seit 1966 lebt sie in Deutschland.
In "Schnell, dein Leben" erzählt sie von der Französin Louise. Auch sie studiert in Lyon, heiratet einen Deutschen und lebt dann als Lehrerin in Deutschland.
Das Buch beginnt mit schlaglichtartigen, kurzen Erinnerungen an das Leben in der Nachkriegszeit, an die Kindheit und Jugend Louises in den französischen Alpen: u.a. werden die Familie, die Natur und das Lesen thematisiert. Nach dem Abitur zieht Louise vom Land in die Stadt Lyon, wohnt bei ihrer "bösen" Großmutter väterlicherseits. Trotzdem versucht sie ein Studentenleben zu leben, lernt Freunde in ihrer Clique kennen und ist auf der Suche nach dem richtigen Weg für ihr Erwachsenwerden und für ihr Leben.
EGr

Maxence Fermine: Schnee

Der 1968 in Albertville geborene Autor wurde 1999 mit seinem Debütroman in Frankreich hochgelobt. Nun ist dieser kleine poetische Roman in einer sehr schönen Ausgabe auch in Deutschland erschienen.
Yuko hat zwei Leidenschaften: Haikus und den Schnee. In seinem Leben dreht sich alles um die Dichtkunst, um Schnee, um Schönheit, um Farben, um die Liebe und um eine Seiltänzerin.
Dieses Buch ist ein wunderbares Geschenk für das Winterhalbjahr und Weihnachten.
EGr

Thomas von Steinaecker: Die Verteidigung des Paradieses

Thomas von Steinaecker ist in Traunstein geboren und lebt in Augsburg. Er hat einen Science-Fiction-Roman geschrieben, der u.a. im Berchtesgadener Land und im Chiemgau spielt. In einer postapokalyptischen Welt - nach einer Klimakatastrophe - hat sich eine kleine Gruppe Menschen in ein Alm-Reservat zurückgezogen und versucht dort zu überleben. Der Jugendliche Heinz berichtet von seinem dortigen Leben und von der Flucht, als sie eines Tages wegen eines Defekts im Schutzschild das Reservat verlassen müssen. Sie versuchen vergeblich, sich in ein sogenanntes Camp durchzuschlagen.
EGr

Elena Ferrante: Meine geniale Freundin

Dieser Roman gibt in das Leben in Rione, einem armen Stadtteil Neapels, in den fünfziger Jahren Einblick. Ein Kaleidoskop verschiedener Menschen und Schicksale öffnet sich vor dem Leser.
Elena und Lila - zwei junge Mädchen - werden vom Leser durch ihre Kindheit und ihre Jugend begleitet. Ihre Freundschaft ist wie eine Wellenbewegung - einmal ziehen sie sich an, einmal stoßen sie sich ab; einmal ist die Eine vermeintlich im Vorteil, einmal die Andere. Sie bewundern und beneiden sich gegenseitig, für Schönheit, für Intelligenz oder auch für andere Freundschaften. Eingebettet ist das Schicksal der Beiden in die Rivalitäten der Männerwelt und der anderen Jugendlichen. Alle versuchen, der Armut zu entkommen und für sich eine bessere Zukunft zu erreichen.
Das Buch endet mit der Hochzeit von Lila. 2017 werden auch in Deutsch die weiteren 3 Bände erscheinen. Man darf gespannt sein.
EGr

Ursula Poznanski: Anonym
Krimi

 
Das Internet-Forum heißt "Morituri" und es entscheidet über Leben und Tod. Egal ob die User ihrem Chef, ihrem Nachbarn oder einem Expartner den Tod wünschen, hier haben sie die Möglichkeit diesen Wunsch wahr werden zu lassen. Sie nominieren potentielle Kandidaten und alle User können entscheiden, wer am Ende sterben soll. Kommissar Daniel Buchholz und seine Kollegin Nina Salomon versuchen mit allen Mitteln die Plattform vom Netz zu nehmen, jedoch vergeblich. Hilflos müssen sie buchstäblich mit ansehen, wie Menschen vor dem Auge der Öffentlichkeit ermordet werden.
Schließlich entscheidet sich Nina Salomon zu einem Schritt, der nicht nur sie selbst in Gefahr bringt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, der den Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt.
JKu

Friedrich Ani: Der einsame Engel - ein Tabor Süden Roman
Krimi

Friedrich Ani bekam 2016 den Deutschen Krimipreis für sein Buch" Der namenlose Tag - ein Fall für Jakob Franck". Es ist aber jetzt auch noch ein neuer Krimi der Tabor-Süden-Reihe erschienen; es ist inzwischen schon der 20. Band mit dem Privatdetektiv.
Tabor Süden ist wieder auf Vermisstensuche, obwohl die Detektei seiner Chefin durch einen Brandanschlag unbenutzbar gemacht wurde. Neonazis haben die Büroräume verwüstet und den Kollegen Leonhard Kreutzer so schwer verletzt, dass er später im Krankenhaus gestorben ist.
Tabor Süden und seine Kollegin Patrizia bekommen den Auftrag nach dem Geschäftsmann Justus Greve zu suchen, der von seiner Angestellten vermisst gemeldet wurde. Überraschende Wendungen und die Beteiligung von gleich mehreren Frauen machen den Fall wieder sehr spannend.
EGr

David Bielmann: Freedom Bar

Der junge Schweizer Bert Bucher reist nach Freiburg, weil seine Großmutter gestorben ist und er vorübergehend ihre Wohnung nutzen kann. Bert macht Musik; er wäre gerne ein Rockstar, ist aber ziemlich erfolglos und planlos. Im gleichen Haus gibt es im Keller eine Bar und im Erdgeschoss eine Buchhandlung. Von den ein wenig schrägen, aber liebenswürdigen Personen, die dieses Haus bevölkern, erzählt dieser Roman.
EGr

René Freund: Niemand weiß, wie spät es ist

Nora lebt mit ihrem Vater in Paris. Ihre Mutter ist bei einem Bergunglück in ihrer Heimat Österreich ums Leben gekommen, als Nora 4 Jahre alt war.
Nun ist auch Noras Vater Klaus gestorben und sie erscheint zur Testamentseröffnung beim Notar. Anwesend ist auch der junge Notariatsgehilfe Bernhard Petrovits. Nora erfährt, dass der letzte Wille ihres Vaters beinhaltet, dass sie in Begleitung des jungen Mannes mit seiner Urne nach Österreich fährt und dort eine Wanderung unternimmt. Wohin diese gehen soll, erfährt sie mit einer täglichen Nachricht durch den Notar.
EGr

Jean Mattern: September

Der Autor Jean Mattern ist in Deutschland geboren, lebt und arbeitet als Lektor in einem Verlag in Paris. Mit seinem vierten Roman "September" lässt er die Zeit der Olympischen Spiele in München 1972 wieder aufleben. Zentrales Thema ist die Geiselname der israelischen Sportler durch das Palästinenserkommando "Schwarzer September".
Die beiden Journalisten Sebastian und Sam lernen sich während dieser Zeit kennen. Sebastian lebt in England; er ist 30, verheiratet und Vater einer Tochter. Sam stammt aus Südafrika, lebt in New York und schreibt für eine jüdische Wochenzeitschrift. Die beiden erleben hochemotionale Tage voll verwirrender Gefühle - sowohl aus privater als auch aus beruflicher Sicht.
EGr

Fabio Volo: Der Weg nach Hause

Wer mal wieder eine Liebesgeschichte mit einem etwas ernsteren Hintergrund lesen möchte, ist bei Fabio Volo genau richtig. "Der Weg nach Hause" ist Liebesroman und Familienroman zugleich.
Zwei Brüder aus Mailand, Andrea und Marco, leben jeder ein eigenes Leben. Marco hat sich in London mit einem eigenen Restaurant selbständig gemacht; er ist Single, hat immer wieder Affären und denkt immer noch an seine Jugendliebe.
Andrea ist in seiner Heimatstadt geblieben, wo auch sein Vater noch lebt. Seine Ehe ist gerade dabei zu scheitern.
Als der Vater einen Oberschenkelhalsbruch hat und zudem erste Anzeichen von Demenz zeigt, versuchen beide Brüder, sich um ihn zu kümmern. So kommen sie sich wieder näher - teilweise zu nahe.
EGr

J.L. Carr: Ein Monat auf dem Land

Der britische Autor J.L. Carr lebte von 1912 bis 1994. "Ein Monat auf dem Land" erschien in der englischen Originalausgabe im Jahr 1980; in diesem Jahr wurde diese Erzählung auch für den Booker Prize nominiert. Jetzt wurde das Buch erstmals in deutscher Sprache verlegt.
Im Sommer 1920 wird der Restaurator Tom Birkin beuaftragt, ein mittelalterliches Fresko in der Dorfkirche von Oxgodby freizulegen. Tom Birkin war im 1. Weltkrieg Soldat und ist traumatisiert zurückgekehrt. Auch hat in seine Frau verlassen, so dass er nun hofft, in der ländlichen Abgeschiedenheit Ruhe und Frieden zu finden. Ein leises und diskretes Büchlein, das noch lange nachhallt.
EGr

Henning Mankell: Die schwedischen Gummistiefel

"Die schwedischen Gummistiefel" ist das letzte Buch von Henning Mankell, bevor er im Oktober 2015 gestorben ist. Es ist die lockere Fortsetzung von "Die italienischen Schuhe", kann aber problemlos eigenständig gelesen werden.
In diesem Buch geht es um einen alternden, einsamen Mann, der auf einer kleinen Schäreninsel wohnt. Als sein Haus niederbrennt, wird sein Leben ein weiteres Mal auf den Kopf gestellt. Er verliert fast alles und wohnt in einem Wohnwagen, bis die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen sind und die Versicherungsgesellschaft den Wiederaufbau ermöglicht.
Eine Journalistin tritt in sein Leben; auch seine Tochter meldet sich wieder. Wegen ihr reist er auch nochmal nach Paris und seine Gedanken kreisen immer wieder um Alter und Tod. "Ich fürchte mich nicht vor dem Tod. Der Tod muss die Freiheit von Angst sein. Die äußerste Freiheit."
Ein ruhiges und trotzdem spannend zu lesendes Buch.
EGr

Pierre Jarawan: Am Ende bleiben die Zedern

Pierre Jarawan hat einen libanesischen Vater und eine deutsche Mutter. Er wurde in Jordanien geboren; die Familie floh nach Deutschland, als er 3 Jahre alt war. Pierre Jarawan wurde 2012 Internationaler Deutschsprachiger Meister im Poetry Slam; 2015 erhielt er das Literaturstipendium der Stadt München. "Am Ende bleiben die Zedern" ist sein erster Roman - und was für einer!
Sehr spannend wird in dieser Geschichte erzählt, wie der junge Samir mit seinen Eltern und seiner jüngeren Schwester in Deutschland aufwächst. Eines Tages verschwindet sein geliebter Vater Brahim ohne Erklärung aus dem Leben der Familie. Auch die Mutter stirbt früh. Als Samir erwachsen ist, macht er sich auf eine ziemlich aussichtslose Spurensuche im Libanon. Nur so meint er, dem Teufelskreis aus Verlust, Trauer und ungeklärten Fragen entkommen zu können.
Der Leser taucht tief in diesen Roman, in das faszinierende Land und seine Menschen ein.

EGr

Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte

Die Autorin Celeste Ng erzählt in ihrem fesselnden Roman von den Irrungen und Wirrungen in einer binationalen Familie. Die Mutter projeziert ihre eigenen unerfüllten Wünsche auf ihre Tochter Lydia.
Die Eltern James und Marilyn haben drei Kinder. Vor allem für die beiden älteren Lydia und Nath wünschen sie sich, dass sie Freundschaften pflegen und dass sie zur Gemeinschaft gehören, dass sie beliebt und anerkannt sind; erfolgreich sowieso. Doch an diesem Druck zerbricht alles.
Ein sehr berührender und einfühlsam geschriebener Roman.
EGr

Grégoire Delacourt: Die vier Jahreszeiten des Sommers

Der französische Autor Grégoire Delacourt hat einen kunstvoll verwobenen Roman über die Liebe geschrieben. Die Lebensgeschichten von verschiedenen Menschen aus verschiedenen Generationen haben mehrere Berührungspunkte und verschmelzen so zu einem wunderbaren und melancholischen Roman.
EGr

Hans-Ulrich Treichel: Tagesanbruch

Eine Mutter hat ihren erwachsenen Sohn bei sich im Gästezimmer aufgenommen. Seit fast einem Jahr hat sie ihn gepflegt; nun ist er gestorben. Sie verbringt die letzten Morgenstunden bei ihm am Bett und wartet, bis es Zeit ist, den Arzt anzurufen.
So erinnert sie sich an ihr Leben. Sie wäre gerne Lehrerin geworden; doch das war undenkbar. Sie nimmt immer und überall Rücksicht und verschließt alles in ihrem Innersten. Sie ist ein furchtsamer Mensch, sagt sie von sich selbst. In der Familie und gegenüber ihrem Sohn wurde nie über das traumatische Erlebnis gesprochen, das ihr im Krieg widerfahren ist. "Man muss alles aussprechen. Und wenn man es nicht aussprechen kann, dann muss man es aufschreiben."
EGr

Mercè Rodoreda: Auf der Plaça del Diamant

Die katalanische Autorin Mercè Rodoreda lebte von 1908 bis 1983. Der Roman "Auf der Plaça del Diamant" wurde 1962 veröffentlicht und erschien 1978 erstmals auf deutsch.
Der Leser begleitet  Natàlia durch ihr schwieriges Leben rund um den Spanischen Bürgerkrieg. Von ihrem Mann Quimet wird sie Colometa genannt. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, lebt in Barcelona und bekommt mit Quimet zwei Kinder. Ihr Mann stirbt im Krieg, sie verliert ihre Arbeit; sie weiß nicht mehr, wie sie ihre kleine Familie durchbringen soll. Als sie nicht mehr weiter weiß, sieht sie nur noch den Ausweg, sich und den Kindern das Leben zu nehmen. Doch plötzlich wendet sich das Schicksal wieder.
EGr

Wie wir leben wollen - Texte für Solidarität und Freiheit

Der Herausgeber dieser Textsammlung Matthias Jügler schreibt in seinem Vorwort: "In einem Klima, in dem sich der gesellschaftliche und politische Diskurs verschärft, müssen Schriftsteller, Publitzisten, Intellektuelle und Verlage Stellung beziehen. Was Literatur in dieser Gemengelage zu leisten vermag, zeigt sich an den 25 Beiträgen dieses Bandes." Er hat Erzählungen zu den verschiedensten Themen und aus den verschiedensten Zeiten und Ländern versammelt.
Eine kurzweilige und interessante Anthologie!
EGr

Kathrine Kressmann Taylor: So träumen die Frauen

Kressmann Taylors bekanntestes Werk "Adressat unbekannt" ist bereits im Jahr 1938 erschienen. Als es 2001 in Deutschland verlegt wurde, war es sofort ein Erfolg. Und es ist wirklich sehr lesenwert!
Nun ist bei Hoffmann und Campe ein Buch mit 5 Erzählungen herausgekommen, die zwischen den Jahren 1935 und 1958 entstanden sind. Diese klassischen Short Storys berichten aus dem Leben ganz unterschiedlicher amerikanischer Frauen. Die Autorin erzählt von Situationen, die alles verändern oder auch von Rückblicken auf lange, dramatische Leben.
EGr

Nick Hornby: Miss Blackpool

London in den 60er Jahren.
Barbara Parker aus dem nordenglischen Blackpool ist jung, schön, talentiert und möchte nur eines: ins Fernsehen. Im Gegensatz zu ihrem Agenten sieht sie sich nicht als der leicht bekleidete Part einer seichten Liebesgeschichte, sondern als Komödiantin in einer neuen, allabendlichen BBC-Sitcom.
Und nicht nur auf der Bühne zeigt sich: Timing ist alles.
Gewohnt gekonnt inszeniert Nick Hornby seine Charaktere, unterhält ohne sich gezwungen an Spannungsbögen zu orientieren und weckt den Wunsch, die BBC hätte sich in den 60er Jahren wirklich zu einer solchen Sendung inspirieren lassen.
Auch als Hörbuch verfügbar.
TDo

Cees Nooteboom: Turbulenzen

Der Wagenbach-Verlag hat in diesem Jahr einige Neuausgaben von niederländischen Schriftstellern herausgegeben. Niederlande ist im Jahr 2016 das Gastland auf der Frankfurter Buchmesse.
Die Geschichten aus "Turbulenzen" stammen aus dem Band "Roter Regen", der 2007 erschienen ist.
Cees Nooteboom beschreibt hier sein Leben an Hand ausgewählter Reisen. Er berichtet sehr spannend von zufällige Bekanntschaften und interessanten Begegnungen mit den verschiedensten Menschen. "... Scherze, Geheimnisse und Erinnerungen, ferne und nahe Reisen, einmalige und immer andere, nostalgische und abenteuerliche, bange und heitere, viel davon vergessen und doch unvergesslich."
Ein sehr abwechslungsreiches und heiteres Buch.
EGr

Unbehauste - 23 Autoren über Fremdsein

Alexander Broicher hat in dem Buch "Unbehauste" Texte von 23 Autoren über das Fremdsein in all seinen Facetten versammelt; es geht um Krieg, Heimat, Flucht und Reise, um Grenzen und Grenzerfahrungen.
Wussten Sie, dass es auch Flüchtlinge des Wetters und Fitness-Flüchtlinge gibt?
In dieser vielschichtigen Anthologie kommen auch so bekannte Autoren wie Friedrich Ani, David Safier und Benedict Wells zu Wort.
EGr

Andreas Burnier: Knabenzeit

Der niederländische Schriftsteller Andreas Burnier wurde 1931 in Den Haag als Catharina Irma Dessauer geboren. Dieser Roman wurde 1969 veröffentlicht. Ab 1942 wird das jüdische Kind getrennt von den Eltern unter dem Namen Ronnie van Dijk in verschiedenen Orten und bei verschiedenen Familien versteckt.
In diesem autobiographischen Roman berichtet Andreas Burnier von der Kindheit und Jugend im Krieg; wie es ist, immer auf der Flucht vor den Deutschen zu sein; und wie es ist, als Mädchen im falschen Körper leben zu müssen und immer einsam und ohne Eltern zu sein. Der Roman beginnt mit dem Jahr 1945 und endet mit dem Jahr 1940 und mit dem Vorwort. Auch dieser zurückgerichtete Aufbau macht die Handlung sehr bedrückend. Einer der wichtigsten Sätze, der die Themen des Buches am besten widergibt: "Frauen und Juden, das ist fast dasselbe, dachte ich. Sie können sich nicht wehren, sie sind immer schuldig."
EGr

Miriam Pharo: Der Bund der Zwölf

Miriam Pharo steht in diesem Jahr in Zusammenhang mit der Leipziger Buchmesse auf der Shortlist „Bester Independent-Autor - SERAPH 2016".
Das Buch ziert ein sehr schönes und gut zum Inhalt passendes Cover. "Der Bund der Zwölf" ist ein wirklich spannender Roman, der einen nicht loslässt. Die Handlung spielt hauptsächlich in Paris im Jahr 1926. Die sogenannte Methusalem-Seuche grassiert; es gibt ein paar mysteriöse Todesfälle. Die Bevölkerung wird immer unruhiger, die Polizei findet keine Spur. Als seine Geschäfte im Nachtclub "Nuits Folles" durch die Angst der Menschen immer schlechter gehen, geht Vincent Lefèvre auf eigene Faust auf Spurensuche. Nach den ersten Nachforschungen stellen er und seine Freundin fest, dass die Todesfälle offensichtlich in Zusammenhang mit einem berühmten Orchester stehen. Ist die "Philharmonie der zwei Welten" Urheber der Probleme?
EGr

Sharon Dodua Otoo: Synchronicity

Sharon Dodua Otoo wurde 1972 in London geboren.  Sie ist Schriftstellerin, Publizistin und Aktivistin und lebt in Berlin. Im Jahr 2016 wurde sie für den Text "Herr Göttrup setzt sich hin" mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.
Sharon Dodua Otoo verschickte die 24 Kapitel dieses Buches zuerst als Adventsgeschichten per Mail; im Lauf des Schreibens wurde daraus eine richtige Kurzgeschichte.
Cee lebt alleine und arbeitet als Grafikdesignerin. Sie berichtet wie sie ihre Farben verliert und sich ihre Wahrnehmung verändert. Die Welt um sie herum wird täglich farbloser und grauer...
EGr

Bruno Heinzer: Fugu

Der schweizer Autor, Journalist und Photograph Bruno Heinzer hat mehrere Romane geschrieben und war lange bei Greenpeace tätig.
"Fugu" ist ein Roman über die Umweltorganisation Terra. Remo Schneider wird für ein Jahr nach Tokyo geschickt, um in Japan eine Kampagne gegen Gentech-Soja zu führen. Da Remo ein Japan-Fan ist, ist dies ein Traumjob für ihn. Doch sind sowohl die beruflichen Herausforderungen als auch das Leben in der Millionenstadt alles andere als einfach.
Bruno Heinzer versteht es, interessante Einblicke sowohl in die Gepflogenheiten der Nahrungsmittelindustrie als auch in die Kultur und das fremdartige Leben in Japan zu gewähren.
EGr

Peeter Helme: Am Ende der gestohlenen Zeit

Der estnische Journalist, Literaturkritiker und Autor Peeter Helme hat einen kurzen Roman über die Liebe geschrieben. Das ganze Buch dreht sich nur um eine Frau und einen Mann und um deren Beziehung - eigentlich leben beide in festen Partnerschaften. Wichtig sind wirklich nur diese beiden Personen; alle anderen Menschen treten in den Hintergrund - genauso wie der Beruf und das ganze restliche Leben.
Immer wieder eingestreut sind Gedanken und Überlegungen zum Thema Zeit. Ein meisterhaft konstruierter kurzer und schön zu lesender Roman.
EGr

Michael Schneider: Ein zweites Leben

555 Seiten voller Probleme und brisanter Themen: kein Wunder, denn das Buch spielt zum großen Teil in einer psychosomatischen Klinik. Trotzdem ist es ein Roman, der beim Lesen sehr viel Freude macht.
Fabian Fohrbeck ist Professor der Kulturwissenschaften; seine Frau stirbt überraschend. Es entzieht ihm den Boden unter den Füßen, so dass er schließlich versucht, in einer Klinik wieder Halt zu finden. Er lässt sein eigenes Leben Revue passieren und bekommt natürlich auch Einblicke in die Lebensläufe und Schicksale seiner Mitpatienten.
Michael Schneider hat ein stark autobiographisch beeinflusstes Buch geschrieben, das neben dem Hauptthema des Sterbens und der Trauer auch kritisch unsere schnelllebige Leistungsgesellschaft mit all seinen verschiedenen Themen beleuchtet.
EGr

Anne B. Ragde: Die letzte Reise meiner Mutter

Die norwegische Schriftstellerin Anne B. Ragde wurde durch ihre Trilogie "Das Lügenhaus", "Einsiedlerkrebse" und "Hitzewelle" bekannt und sehr erfolgreich.
Als ihre Mutter an Krebs erkrankte, beschloss sie, dass sie am besten mit dem Sterben ihrer Mutter umgehen kann, wenn sie ein Buch über ihre Mutter schreibt. Sie berichtet von ihrem schweren Leben: ihr Mann hat sie ziemlich früh verlassen und mit zwei kleinen Töchtern und großen finanziellen Schwierigkeiten zurückgelassen. Anne Ragdes Mutter versucht immer, den Kindern eine gute Mutter zu sein; sie zweifelt jedoch zeitlebens daran, ob sie den Anforderungen auch wirklich gerecht wird.. Sie lebt von Sozialhilfe, liebt Bücher und verbringt die letzte Zeit in einem Pflegeheim.
EGr

Friedrich Ani: Der namenlose Tag - ein Fall für Jakob Franck

Der pensionierte Kommissar Jakob Franck wird von Ludwig Winter gebeten, den vor 20 Jahren stattgefundenen angeblichen Selbstmord seiner 17jährigen Tochter Esther nochmal zu untersuchen. Es gibt Zweifel, ob es nicht doch Mord war.
Der einsame Jakob Franck hat jetzt genügend Zeit, sich ganz in Ruhe Gedanken zu machen, was damals passiert ist. Er beginnt damit, einige Menschen zu befragen, die damals mit Esther zu tun hatten. Sein kriminalistisches Gespür, seine Geduld und sein Feingefühl haben ihn noch nicht verlassen. So setzt er Mosaikstein um Mosaikstein zusammen.
Ein ruhiger und spannender Krimi in bewährter Ani-Manier.
EGr

Elfriede Hammerl: Von Liebe und Einsamkeit

Die österreichische Autorin Elfriede Hammerl schreibt Drehbücher, Romane, Theaterstücke und Kolumnen in verschiedenen Zeitschriften. "Von Liebe und Einsamkeit" sind 11 Erzählungen, in denen es um Beziehungen und Familien geht. Alle Beteiligten sind auf der Suche nach Liebe und zufriedenen Beziehungen. Gleichzeitig verspielen sie die guten Chancen durch ihr Unvermögen, ehrlich und offen zu sein. Desillusion macht sich in allen Erzählungen breit. Trotzdem schön zu lesen.
EGr

Marko Sosič: Tito, amor mijo

Ein zehnjähriger Junge lebt zwischen den Ländern Slowenien, Italien und Jugoslawien; er wächst in den 1960er-Jahren mit den Folgen und Erinnerungen des Zweiten Weltkrieges auf. Mit seinen Tagträumen, Träumereien und Phantasien, versucht er, sich diese unverständliche Welt zusammenzusetzen und irgendwie zu verstehen. Alle Sorgen der Eltern und Erwachsenen lasten auf seinen kleinen Schultern; um vieles schwerer, weil er es noch nicht versteht. So malt er sich aus, dass er Chirurg werden möchte, um seine Nonna von der Kugel im Kopf zu befreien.
EGr

Marie Malcovati: Nach allem, was ich beinahe für dich getan hätte

Drei Menschen sind im Bahnhof in Basel durch unsichtbare Fäden miteinander verbunden: Simon, zielloser und erfolgloser Sohn einer Schweizer Zahnpastafabrikanten-Familie; Lucy, eine schöne und unnahbare Dolmetscherin; Marotti, ein Polizist. Er soll an den Überwachungskameras die Bahnhofshalle beobachten, da es eine Terrorwarnung gab.
Ein kleines feines Buch, das den Leser in seinen Bann zieht.
EGr

Lars Mytting: Die Birken wissen's noch

Nach seiner kleinen Kulturgeschichte des Holzes "Der Mann und das Holz: vom Fällen, Hacken und Feuermachen" gibt es nun den dritten Roman des norwegischen Schriftstellers Lars Mytting. Er erzählt eine verzweigte und verzwickte Familiengeschichte, die Norwegen, die Shetlandinseln und Frankreich miteinander verbindet.
Edvard, dessen Eltern in Frankreich ums Leben gekommen sind, wächst bei seinen Großeltern im Gudbrandsdalen in Norwegen auf. Als nach seiner Großmutter auch sein Großvater stirbt, geht er auf Spurensuche. Er möchte ergründen, warum um den Tod seiner Eltern und den Ort, an dem sie starben so ein großes Geheimnis gemacht wurde. Eine spannende Zeit auf den Spuren seiner Familie und insbesondere von Einar, einem Meistertischler und dem Bruder seines Großvaters, beginnt.
EGr

Lydie Salvayre: Weine nicht

Die französische Autorin Lydie Salvayre erhielt für diesen Roman im Jahr 2014 den Prix Goncourt. Sie erzählt die Geschichte ihrer Mutter Montserrat im Schatten des spanischen Bürgerkrieges. Als junges Mädchen lebt Montse in einem kleinen katalanischen Dorf - völlig abgeschieden von der großen Welt. Im Sommer 1936 folgt sie ihrem älteren Bruder José in die Großstadt nach Barcelona. Sie saugt dort alles Neue und Unbekannte auf und verliebt sich auf der Stelle in einen Mann, der aber am nächsten Tag im Untergrund verschwindet. Zurück bleiben Erinnerungen und eine Schwangerschaft.
Zu dieser Zeit gibt es im Dorf, in das Montse zurückkehrt, alles: Franco-Anhänger, Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten. Die Zerrissenheit und Uneinigkeit der Bevölkerung im Angesicht des Spanischen Bürgerkriegs nimmt in diesem Roman Gestalt an.
Verwoben wird diese Handlung mit den Erlebnissen des Schriftstellers Georges Bernanos. Die Autorin bezieht sich dabei auf sein Buch "Die großen Friedhöfe unter dem Mond".
EGr

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

Bewundernswert, wie dieser junge Autor einen so perfekten Roman geschrieben hat. Ein Buch über den Tod, ein Buch über das Leben; ein trauriges Buch, ein fröhliches Buch und demzufolge ein melancholisches Buch. Ein Buch über drei Geschwister, die früh ihre Eltern verlieren und über die Menschen in ihrem Leben, die wichtig für sie sind.
Jules - die Hauptfigur - sagt auf S. 337: "Noch stärker als meine Geschwister habe ich mich gefragt, wie sehr mich Ereignisse aus meiner Kindheit und Jugend bestimmt haben, und erst spät habe ich verstanden, dass in Wahrheit nur ich selbst der Architekt meiner Existenz bin. Ich bin es, wenn ich zulasse, dass meine Vergangenheit mich beeinflusst, und ich bin es umgekehrt genauso, wenn ich mich ihr widersetze."
EGr

Anna Mitgutsch: Die Annäherung

Die österreichische Autorin Anna Mitgutsch erzählt in ihrem neuesten Roman von der schwierigen Beziehung zwischen Vater und Tochter, zwischen Theo und Frieda. Theos erste Frau und Friedas Mutter ist früh gestorben.
Theos zweite Frau Berta ekelt seine Tochter aus dem Haus. Die Beziehung wird nie gut werden. Inzwischen ist Frieda, die als Lehrerin gearbeitet hatte, im Ruhestand und erhofft sich eine Annhäherung an ihren inzwischen pflegebedürftigen über 90jährigen Vater. Die Handlung wird aus beiden Blickwinkeln erzählt; beide ziehen Bilanz und erinnern sich an ihr Leben. So werden die verschiedenen Sichtweisen und die Ursachen für die Entfremdung der beiden sehr verständlich.
EGr

Mario Vargas Llosa: Sonntag

"Sonntag" ist eine sehr frühe Erzählung des peruanischen Literaturnobelpreisträgers Mario Vargas Llosa. Sie ist jetzt in einer von Kat Menschik wunderbar illustrierten Ausgabe der Insel-Bücherei neu erschienen.
Miguel und Ruben, zwei Freunde der Clique "Die Rabengeier", rivalisieren um Flora, ein attraktives und sehr nettes Mädchen. Diese Situation gipfelt in einer Mutprobe, die fast tödlich endet.
EGr

Marc Augé: Lob des Fahrrads

Der französische Ethnologe und Anthropologe Marc Augé hat ein anregendes Büchlein über das Fahrrad geschrieben; liebevolle Zeichnungen von Philip Waechter begleiten diesen Text, der sich in drei Abschnitte gliedert: Mystik, Krise und Utopie. Das Thema wird von verschiedenen Seiten und unter verschiedenen Aspekten beleuchtet. Das Buch endet mit dem Satz "Das Radfahren ist Humanismus".
EGr

Rabih Alameddine: Eine überflüssige Frau

Aaliya hat in Beirut ihr Leben lang als Buchhändlerin gearbeitet. Außerdem übersetzt sie jedes Jahr ein Buch. Nun ist sie in Ruhestand und hat Zeit, über vieles nachzudenken. In diesem Buch plaudert sie über ihr Leben, über das Leben in Beirut, über ihre Verwandschaft und über ihre Mitmenschen. Sie berichtet vom Bürgerkrieg und vor allem von den Büchern, die sie liest und übersetzt.
Obwohl dieses kleinformatige und bibliophile Buch über 400 Seiten hat und sich darin nicht viel ereignet, ist es eine kurzweilige und anregende Lektüre. Es bietet ausserdem ein Kaleidoskop an Lektüreideen, mit denen man sich im Anschluß gerne beschäftigen möchte.
EGr

Jetzt bin ich hier: Anthologie

Die Herausgeberin Maria Braig hat in dieser Anthologie Erzählungen und Gedichte aus einer Ausschreibung speziell für dieses Buch versammelt; ergänzt wird es durch Texte, die in einer Schreibwerkstatt und einem Geschichtswettbewerb entstanden sind. Migranten, Flüchtlinge, Heimatlose und Entwurzelte aus den verschiedensten Ländern, Zeiten und mit den unterschiedlichsten Fluchtgründen kommen hier zusammen. Stellvertretend für alle anderen schreibt Mariam Demir in ihrer Geschichte "Dieser eine Tag": "Wir sind Menschen wie jeder andere auf dieser Welt auch".
EGr

Giuseppe Catozzella: Sag nicht, dass Du Angst hast

Neben der mehrfach ausgezeichneten Graphic Novell "Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar" von Reinhard Kleist, ist noch ein Roman über Samias Leben erschienen. Der italienische Journalist Giuseppe Catozzella hat lange Gespräche mit Samias Schwester geführt und so ihre Geschichte ausführlich recherchiert.
Erzählt wird die schwere Kindheit und Jugend des Mädchens. Samia lebt mit ihrer Mutter und den Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen in der somalischen Hauptstadt Mogadischu. Ihr Vater wurde auf offener Straße erschossen. Samia läuft in jeder freien Minute und schafft es, 2008 an den Olympischen Spielen in Peking teilzunehmen. Ihr nächstes großes Ziel ist die Olympiade 2012 in London.
Da sieh aber aus dem eigenen Land keine Unterstützung bekam und ihr nur noch Steine in den Weg gelegt wurden, entschloss sie sich, sich in die Hände von Schleppern zu begeben. Sie versucht, auf eigene Faust Europa zu erreichen.
EGr

Fred Uhlman: Der wiedergefundene Freund

In der Reihe "Diogenes Deluxe" wurde jetzt dieses dünne Büchlein von Fred Uhlman neu verlegt. Es erschien erstmals 1971 in englischer Sprache. Der Rechtsanwalt, Schriftsteller und Maler Fred Uhlman wurde 1901 in Stuttgart geboren. 1933 ging er ins Exil nach Frankreich, 1936 nach England.
In dieser kurzen Erzählung geht es um die enge Freundschaft zwischen zwei Jungen, die in Stuttgart im Jahr 1933 die gleiche Klasse des Gymnasiums besuchen, aber aus verschiedenen Schichten kommen. Kann die Freundschaft die politischen Verhältnisse und die äußeren Umstände überdauern?
EGr

Schabnam Zariâb: Mein afghanischer Pianist

Schabnam Zariâb lebt in Frankreich. Für diesen, ihren ersten Roman "Mein afghanischer Pianist" hat sie mehrere Preise erhalten.
Es ist die Geschichte von dem Mädchen Laily. Sie wird in Kabul geboren und verlässt mit ihrer Familie schon als Kind das von Russland besetzte Land, um in Frankreich ein neues Leben zu beginnen. Nach einer schwierigen Eingewöhnungsphase, passt sie sich an und schafft das Abitur.
Ihren Freund Milad aus Kindertagen kann sie nie vergessen. So macht sie sich im Alter von 20 Jahren auf, um ihn in Afghanistan zu suchen. Dort erkennt sie nichts wieder und ist sehr enttäuscht vom Zustand in ihrer Heimat. Kann sie wenigstens Milad wiederfinden?
Ein bewegendes Buch, das darüberhinaus sehr spannend geschrieben ist und den Leser schnell in seinen Bann zieht.
EGr

Ernest van der Kwast: Die Eismacher

2015 erschien von Ernest van der Kwast der dünne Roman "Fünf Viertelstunden bis zum Meer", der uns restlos begeistert hat. Nun ist sein neuer Roman "Die Eismacher" erschienen, mit dem ihm in den Niederlanden der Durchbruch gelang.
Er erzählt von einer Familie, die aus Norditalien stammt und sich der Herstellung von Speiseeis verschrieben hat und damit ihren Lebensunterhalt verdient. In Rotterdam wird eine Eisdiele eröffnet, die über mehrere Generationen das Leben der Familie bestimmen wird. Doch der ältere Sohn kann sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden. Er ist von Literatur begeistert und versucht seinen eigenen Lebensweg zu finden.
EGr

Fridolin Schley: Die Ungesichter

Der Münchner Schriftsteller Fridolin Schley erzählt in dieser kurzen Geschichte vom Schicksal des jungen muslimischen Mädchens Amal. Sie ist im Jahr 2009 vor der islamischen Miliz aus Somalia geflohen. Fridolin Schley hat ihre wahre Geschichte für den Leser so erzählt, dass man in die Erlebnisse regelrecht hineingezogen wird und tief in das Erlebte eintaucht. Die Qualen und die Unsicherheiten, denen Amal und die anderen Flüchtlinge ausgesetzt sind, kann der Leser so intentsiv nachvollziehen.
EGr

Lafcadio Hearn: Youma

Lafcadio Hearn lebte von 1850 bis 1904. Er wurde in Griechenland geboren, wuchs in Frankreich und England auf und wanderte in die USA aus, wo er als Journalist arbeitete. Sein weiterer Lebensweg brachte ihn nach Martinique und Japan, wo er heiratete und als Lehrer und Professor für englische Literatur arbeitete.
In diesem Roman geht es um die Sklaverei auf Martinique. An Hand des Schicksals von Youma, einer Amme in einem Haus reicher Kreolen, wird dieses Thema anschaulich und vielschichtig thematisiert. Ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch, das dieses Milieu und die kreolischen Mythen und Märchen lebendig werden lässt! Die Originalausgabe erschien im Jahr 1890.
EGr

Donatella di Pietrantonio: Bella mia

Am 6. April 2009 erschüttert ein Erdbeben die Abruzzen und die Stadt L'Aquila. Zurück bleiben auch viele zerstörte Familien. Caterina verliert ihre Zwillingsschwester Olivia in den Trümmern ihres Hauses. Übrig bleiben die Mutter und Marco, der Sohn ihrer Schwester. Die drei bilden nun eine Wohngemeinschaft in einer Behelfsunterkunft. Olivias Mann Roberto hat sich schon vor längerer Zeit von ihr und von Marco getrennt. Marco ist in der Pubertät und in einer sehr problematischen Lebenssitutation. Die beiden Frauen versuchen, dem schwierigen Marco Halt zu geben und ihn zu erziehen. Für alle Beteiligten eine nervenaufreibende Situation, da sie alle in ihrer Trauer gefangen sind. Caterina versucht, sich mit der Vergangenheit auszusöhnen, ihre Keramikwerkstatt wieder aufzubauen und irgendwie wieder zu einer gewissen Normalität zurückzufinden.
EGr

Katharina Winkler: Blauschmuck

Die Germanistin und Theaterwissenschaftlerin Katharina Winkler hat mit "Blauschmuck" ihren Debütroman vorgelegt. Ein beeindruckender und ergreifender Roman über das kurdische Mädchen Filiz. Sie wächst in ärmlichen Verhältnissen in einer großen Familie mit vielen Geschwistern auf. Sie verliebt sich in Yunus, der wenige Jahre älter ist. Als sie 15 ist heiraten die beiden gegen den Willen von Filiz Vater. Doch sie kommt vom Regen in die Traufe: sie tauscht ihren gewalttätigen Vater gegen ihren gewalttätigen Mann und dessen Mutter ein, die sie ständig demütigt. Filiz bekommt drei Kinder, die Familie wandert nach Österreich aus - doch auch hier ergeht es Filiz nicht besser.
Katharina Winkler erzählt das Leben einer jungen Frau, das auf einem wahren Schicksal beruht.
EGr

Yasmina Khadra: Die Engel sterben an unseren Wunden

Der algerische Schriftsteller Yasmina Khadra hat wieder einen sehr berührenden und spannenden Roman geschrieben. Die Handlung spielt im Algerien der 1920er Jahre. Der junge Muslim Turambo wächst in ärmsten Verhältnissen auf; er ist Analphabet und schafft es auch nicht, auf Dauer eine Arbeitsstelle zu finden. Aber es gelingt ihm, ein erfolgreicher Boxer zu werden. Er träumt von einem besseren Leben; trotz seiner sportlichen Erfolge, bringt er es nicht fertig, sich an die Umstände anzupassen und das Glück auf Dauer zu halten.
EGr

Dany Laferrière: Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama

Der aus Haiti stammende und nach Montreal ausgewanderte Schriftsteller Dany Laferrière ist Mitglied der Académie Francaise. In seinem neuen Roman "Tagebuch eines Schriftstellers im Pyjama" macht er sich in 182 kurzen Kapiteln Gedanken zu den verschieden Aspekten des Lesens und Schreibens.
Humorvolle und unterhaltsame Beobachtungen und Notizen fügen sich zu einem überzeugenden Ganzen zusammen.
EGr

Jean-Philippe Blondel: This is not a love song

Vincent stammt aus Frankreich und hatte zusammen mit seinem besten Freund Etienne eine Jugend, in der er irgendwann drohte, abzurutschen.
Susan, eine Engländerin, die aus gutem Hause stammt, war seine letzte Rettung. Er geht mit ihr nach England und gründet eine Familie. Hier bringt er es auch zusammen mit seinem Geschäftspartner zu großem Erfolg. Sowohl beruflich als auch privat hat er endlich ein stabiles Leben gefunden.
Nun kehrt er für eine Woche in sein Elternhaus zurück. Seine Vergangenheit holt ihn hier unaufhaltsam ein, so dass er das Ende dieser quälenden Woche herbeisehnt, um wieder in sein eigenes behütetes Leben zurückkehren zu können.
EGr

Kim Thúy: Der Geschmack der Sehnsucht

Ein junges vietnamesisches Mädchen wird von ihrer Mutter in eine arrangierte Ehe mit einem alten, nach Kanada ausgewanderten Mann geschickt. Gemeinsam betreiben sie eine kleine Suppenküche.
Julie freundet sich mit ihr an und drängt sie dazu, etwas Größeres zu wagen. Mit ihrem Wissen über die traditionelle Kochkunst und die verborgenen Kräfte der Gewürze, bietet sie Kochkurse an und schreibt ein erfolgreiches Kochbuch. Sie wird zu einer sehr erfolgreichen und bekannten Köchin. Sie reist u.a. auch  nach Paris, wo sie zum ersten Mal auch Freiheit und wirkliche Liebe kennenlernt.
EGr

Yasmina Khadra: Worauf die Affen warten

Yasmina Khadras neuer Roman ist ein Krimi, der in Algier spielt und einen sehr ernüchternden Blick auf die gesellschaftlichen Strukturen in Algerien wirft.
Eine ermordete junge Frau wird aufgefunden. Der Fall führt die Kommissarin Nora und ihre Kollegen tief in den Sumpf der korrupten Gesellschaftseliten. Ein Heer von Banditen, die höchste Stellen in Regierung, Justiz und Presse eingenommen haben, herrscht über ein entrechtetes, verarmtes Volk, dem die Kraft zum Widerstand fehlt.
EGr
 

Edward Lewis Wallant: Der Pfandleiher

Wallant wurde 1926 in Connecticut geboren; er wurde nur 36 Jahre alt. "Der Pfandleiher" erschien 1961 und wurde erst jetzt ins Deutsche übersetzt.
Sol Nazerman arbeitet als Pfandleiher im New Yorker Stadtteil Spanish Harlem. Er ist Jude, wurde in Polen geboren und hat ein schweres Schicksal hinter sich. Seine Frau und seine Kinder wurden im Konzentrationslager ermordet. Sol überlebt und wohnt nun bei der Familie seiner Schwester, die er finanziell unterstützt und für die er mehr Hass als Liebe empfindet. In seinem Pfandhaus ist er umgeben von Kleinkriminellen, von der Mafia und von vielen Sonderlingen, die im Buch lebendig werden.
Sol Nazerman ist 45 Jahre alt, fühlt sich aber als alter Mann. Er kann keine Gefühle zulassen. Er ist total abgestumpft und versucht die Tage mit Härte und Verschlossenheit zu überstehen. Kann eine Frau, die ihm Avancen macht, seine Erstarrung durchbrechen?
EGr

Max Goldt: Räusper - Comic-Skripts in Dramensatz

Von Max Goldt gibt es schon seit den 1990er-Jahren amüsante Comics, die er mit dem Zeichner Stephan Katz veröffentlicht hat. In seinem neuen Buch "Räusper" hat er nun einige Szenen aus den Jahren 2008-2015 in reine Textform umgewandelt. Interessante Beobachtungen aus dem Alltag, die ins Absurde weitergesponnen werden. Satire vom Feinsten!
EGr

 

 

Birgit Vanderbeke: Ich freue mich, dass ich geboren bin

Birgit Vanderbeke wurde 1956 geboren und ging mit 5 Jahren mit ihren Eltern nach Westdeutschland.
Auch die junge Ich-Erzählerin flieht mit ihren Eltern aus der DDR in den Westen. Doch nichts wird besser. Die Eltern sind unzufrieden, finden nicht das erträumte Leben und die Tochter muss darunter leiden. Sie wird vernachlässigt und verprügelt und hat niemanden, dem sie sich wirklich anvertrauen kann.
EGr

Selma Lagerlöf: Der Kaiser von Portugallien

Selma Lagerlöf hatte 1909 als erste Frau bereits den Nobelpreis für Literatur erhalten, als im Dezember 1914 das Buch "Der Kaiser von Portugallien" erschienen ist und sofort ein großer Erfolg wurde. Das Buch ist an eine wahre Lebensgeschichte angelehnt. Jan und Katrin sind arme Häuslersleute; Jan ist ein ziemlicher Eigenbrötler. Als jedoch seine Tochter Klara auf die Welt kommt, findet er plötzlich einen Sinn und Freude in seinem Leben. Seine Tochter ist sein Ein und Alles.
Klara wächst behütet heran; als Jan für sein Haus eine hohe Geldsumme nicht aufbringen kann, geht seine Tochter nach Stockholm, um Geld zu verdienen. Der Kontakt bricht ab und Jan grämt sich so sehr, dass er den Verstand verliert. Erst nach 15 Jahren kommt Klara wieder nach Hause...
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Das Leben reimt sich nicht - Frauengedichte

Margot Käßmann hat eine sehr ansprechende Gedichtauswahl von Lyrikerinnen zusammengestellt und in diesem Buch veröffentlicht. Das Buch ist bei Herder erschienen und mit sehr schönen und passenden Bildern von Panka-Chirer-Geyer ausgestattet.
Die Texte gibt es auch als Hörbuch - gelesen von Suzanne von Borsody.
Beides ist auch als Geschenk sehr gut geeignet.
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Radek Knapp: Der Gipfeldieb

Ludwik Wiewurka wurde in Polen geboren und lebte zuerst bei seinen Großeltern; er wurde dann aber von seiner Mutter zu sich nach Wien geholt. Sie wollte einen waschechten Österreicher aus ihm machen. Nach einer schwierigen Schullaufbahn arbeitet Ludwik als Heizungsableser bei der Firma Wasserbrand & Söhne in Wien und ist mit sich und seinem Leben weitgehend zufrieden. Und eines Tages kommt da doch noch ganz unerwartet ein Schreiben mit einem Termin für seine Einbürgerung. Von da ab wird alles anders. Ein sehr humorvolles Buch über polnische Melancholie und österreichische Skurrilität.
EGr

Abbas Khider: Ohrfeige

Immer wieder spannend, wie unterschiedlich die Rezensionen zu Neuerscheinungen ausfallen! Von „zusammengestoppelt und klischeebeladen“ und „schludrig, betulich, langweilig“ bis zu „virtuos“ und „ein Buch von beträchtlicher Wucht, dem es aber auch an Humor nicht mangelt“ ist alles zu finden.
"Aber Khiders Charme und "umwerfend gutes" Aussehen wird es beim deutschen Leser schon richten" meint der Rezensent in der ZEIT.
Ich möchte den Roman gerne empfehlen. Er ist traurig, tragisch und doch humorvoll. Der aus dem Irak stammende Karim ist 2001 mit Hilfe eines Schleppers aus Bagdad nach Bayern gekommen; eigentlich wollte er zu einem Verwandten nach Frankreich, musste aber dann in Deutschland seinen Asylantrag stellen. Die Sehnsüchte und Träume von Karim und seinen Freunden wandeln sich im Lauf der Zeit in Wut, Verzweiflung und Gewalt. Die Gesetzeslage, die Bürokratie und der undurchsichtige Behördend- und Vorschriftendschungel haben letzendlich den positiven Willen der Flüchtlinge gebrochen.
EGr

Fremd - hrsg. von Fridolin Schley

Fridolin Schley studierte Germanistik, Philosophie und Politik. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, u.a den Tukan-Preis der Stadt München. Er ist Herausgeber dieses Buches, das aus einer Kooperation von Münchner Autoren zusammen mit dem Literaturportal Bayern entstanden ist.
Die Autoren, Journalisten und Wissenschaflter reflektieren das Thema "Fremdheit" in all seinen Facetten: Wo sind wir fremd? Wie hängen Fremdsein und Schreiben zusammen? - Es ist ein vielschichtiges Buch mit  Geschichten, Gedichten und Satiren, sowie mit Analysen, Selbsterforschungen, Bekenntnissen, Utopien und Plädoyers entstanden.
EGr

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut

Ein kleines Mädchen wird von ihrem Onkel auf die Straße geschickt. Sie muss dort schauen, wie sie selbst zurecht kommt. Sie ist heimatlos, elternlos und sprachlos in dieser für sie vollkommen fremden Welt.
Sie freundet sich mit zwei anderen etwas älteren Kindern an. Die drei versuchen, sich gemeinsam durch das kalte und einsame Leben zu schlagen - auf der Suche nach ein bisschen Essen und Wärme. Drei von der Gesellschaft vergessene Kinder, die - mit allem überfordert - immer tiefer ins Abseits geraten.
EGr

Colum McCann: Verschwunden

Der in Dublin geborene und in New York lebende Autor Colum McCann hat eine kurze Erzählung über einen aus Russland adoptierten tauben Jungen geschrieben.
Thomas bekommt von seiner alleinerziehenden Adoptivmutter einen Neoprenanzug geschenkt, weil er so gerne im Atlantik schwimmt. Am nächsten Morgen ist Thomas verschwunden; eine groß angelegte Suchaktion beginnt. Das Leben gerät aus den Fugen. Es folgen Stunden und Tage der Unsicherheit, der Verzweiflung und der Panik.
Diese sehr gelungene und fesselnde Erzählung wird von dem Text "Spaziergänge mit Colum" des deutschen Verlegers Nikolaus Hansen ergänzt.
EGr

Emily St. John Mandel: Das Licht der letzten Tage

Durch einen Virus schrumpft die Weltbevölkerung auf 1 %. Die Überlebenden müssen erst wieder lernen, wie man ohne Strom, fließend Wasser, Handys und Internet überlebt. Still und ohne großes Drama erzählt Emily St. John Mandel die verwobene Geschichte mehrerer Protagonisten, die wieder ganz von Null anfangen müssen. Unwillkürlich stellt man sich die Frage „Was wäre wenn?“
TDo

Lars Ruppel: Holger, die Waldfee - Zehn Gedichte über Redensarten

Deutscher Slam-Meister, Vizemeister, Moderator, Buchautor, Radiosprecher: Lars Ruppel lebt und liebt Worte. Das merkt man seinem neuesten Werk deutlich an. In „Holger die Waldfee“ geht „Larse“ den bekanntesten deutschen Redensarten charmant absurd auf den Grund.
TDo

Scott Hutchins: Eine vorläufige Theorie der Liebe

Das Leben von Neill Bassett Jr. - Mitte dreißig und geschieden - verläuft alles andere als geplant. Mit Hilfe der Tagebücher seines Vaters, möchte Neill wenigstens sein berufliches Leben auf Vordermann bringen. Bei dem Versuch, einen Computer mit Gefühlen zu entwickeln und gleichzeitig den Selbstmord seines Vaters zu ergründen, kommt sein „Programm“ der Liebe ebenso nah, wie Neill der unkonventionellen Rachel.
Ein liebenswertes Erstlingswerk des Amerikaners Scott Hutchins.
TDo

Bov Bjerg: Auerhaus

Auerhaus ist ein altes Haus, in dem sechs Jugendliche in einem kleinen Dorf eine Wohngemeinschaft bilden. In ihren spiesigen Elternhäusern halten sie es nicht mehr aus. Vor allem Frieder verzweifelt am Leben und hat bereits einen Selbstmordversuch hinter sich. Aber auch die anderen sind mehr oder weniger labil; sie stützen sich gegenseitig und versuchen, sich mit ihren unterschiedlichen Problemen Halt zu geben. Das Auerhaus ist ihre Heimat und nicht das Elternhaus. Gelingt es ihnen gemeinsam, möglichst unbeschadet erwachsen zu werden?
EGr

Johannes Schweikle: Schneegeschichten - Unterwegs zum vergänglichen Glück

Wenn es bei uns schon nicht mehr viel schneit, kann man wenigstens Schneegeschichten lesen! Dieses Buch versammelt Geschichten und Reportagen des Journalisten und Autors Johannes Schweikle. Er hat sich zu den unterschiedlichsten Themen in Bezug auf Schnee und Winter auf der ganzen Welt Gedanken gemacht. Es gibt Geschichten über die Inuit, über Sportler, Lawinensuchhunde, über Kitzbühel und über Fridtjof Nansen - Schweikle hat ein breites Spektrum zu diesem Thema abgedeckt. Eine sehr abwechslungsreiche Lektüre!
EGr

Yoko Ogawa: Der Herr der kleinen Vögel

Die bekannte japanische Autorin Yoko Ogawa hat einen sehr ruhigen und einfühlsamen Roman geschrieben. Zwei Brüder leben gemeinsam und sehr zurückgezogen im gemeinsamen Haus. Einer der beiden betreut eine Voliere, die in einem Kindergarten steht. Als er stirbt übernimmt sein Bruder diese Arbeit. Er hat eine besondere Beziehung zu den Vögeln und kümmert sich liebevoll um sie. Neben seiner eigentlichen Arbeit in einem Gästehaus mit einem wunderschönen Rosengarten hat er nur sehr wenige Bezugspunkte zu anderen Menschen. Ein poetisches Buch über ein stilles und dennoch zufriedenes Leben.
EGr

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia - Die Geschichte von Samia Yusuf Omar

Diese Graphic Novel erschien zuerst als Fortsetzungscomic in der FAZ. Die junge Sportlerin Samia lebt in Mogadischu in Somalia. Sie nahm 2008 in Peking als Sprinterin an den Olympischen Spielen teil. Sie wurde zwar letzte, war aber der erklärte Publikumsliebling. Ihr großer Traum ist es, auch 2012 in London wieder dabei zu sein. Da es ihr die muslimischen Fundamentalisten der Al-Shabaab immer schwerer machen zu trainieren, bleibt ihr nur, das Land zu verlassen. Sie will über den Sudan und Libyen nach Italien. Unter schwierigsten Bedingungen schafft sie fast alle Stationen ihrer Odyssee; die Bootsfahrt nach Italien überlebt sie jedoch nicht.
Reinhard Kleist erhielt für sein Buch "Der Boxer" den Deutschen Jugendliteraturpreis.
EGr

Joachim Meyerhoff: Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Nach den beiden Büchern "Amerika" und "Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war" nun der dritte Teil von "Alle Toten fliegen hoch", der Erinnerungen des Regisseurs, Schauspielers und Autors Joachim Meyerhoff. Er erzählt darin von seiner Zeit als Schauspielschüler der Otto-Falckenberg-Schule in München. Sowohl mit seiner eigenen persönlichen Entwicklung, als auch mit der Ausbildung als Schauspieler tut er sich recht schwer. Halt findet er bei seinen Großeltern, in deren Villa in Nymphenburg er wohnt. So lässt Meyerhoff den Leser an seinen teils verrückten Erlebnissen an der Schauspielschule und gleichzeitig auch am exzentrischen Leben seiner Großeltern teilhaben. Ein Lesegenuss!
EGr

Angharad Price: Das Leben der Rebecca Jones

Die walisische Autorin Angharad Price erzählt die Geschichte einer Farmersfamlie in Wales Anfang des 20. Jahrhunderts. Rebecca hat einige Geschwister, von denen 3 blind sind. Um ihnen den Schulbesuch und eine Ausbildung zu ermöglichen, muss sie und ihr Bruder Ben zurückstecken. Eine höhere Schule konnte Rebecca nie besuchen und auch sonst wird von ihr erwartet, dass sie immer für die Familie da ist und sich für sie aufopfert. Im Alter erinnert sie sich zurück an ihre Kindheit und an das harte Leben auf der Farm. Trotz der Schwierigkeiten liebt sie das Land, die Natur und ihre Mitmenschen. Ein poetisches Buch, das eine vergangene Zeit lebendig werden lässt.
EGr

Maria Braig: Nennen wir sie Eugenie

Maria Braig erzählt in diesem Roman die Geschichte einer jungen Frau aus dem Senegal. Wegen der durch ihre Eltern drohenden Zwangsverheiratung mit einem wesentlich älteren Mann und wegen der im Senegal verbotenen Liebe zu einer Frau, flieht sie nach Deutschland und erbittet Asyl. Sie hat sich in Europa Schutz und Hilfe erhofft; doch die Realität ist für Eugenie sehr ernüchternd. Perspektivlosikgkeit, Langeweile, Einsamkeit und Angst sind ihre ständigen Begleiter.
EGr

Als es noch richtige Winter gab

In der Insel-Bücherei erscheinen immer wieder neue liebevoll gestaltete Bände. Passend zur Jahresszeit und zur aktuellen Wetterlage ist nun dieser Band mit Gedichten und kurzen Texten zum Thema Winter erschienen. Das schöne Büchlein ist mit winterlichen Photographien von Isolde Ohlbaum ausgesattet. - Auch als schönes Geschenk oder Mitbringsel sehr geeignet!
EGr

Anna Enquist: Streichquartett

Enquist - Psychologin, Musikerin und Autorin - erzählt in ihrem neuen Roman von den Mitgliedern eines Streichquartetts. Die Musiker treffen sich regelmäßig zu ihren Übungsstunden auf dem Hausboot von Hugo. In ihren Berufen arbeiten sie als Ärztin, als Krankenschwester, als Instrumentenbauer und als Leiter eines Musikzentrums. Alle Vier haben ihre Probleme, aber diese Treffen und das Musizieren lenken sie von ihren Sorgen ab. Private Probleme, Trauer, aber auch das Verzweifeln an den gesellschaftlichen Zuständen werden thematisiert. Sie nehmen ihr Leben, wie es ist und so vergeht ein Tag nach dem anderen.
Doch eines Tages, bei einem erneuten Treffen, passiert etwas Unvorhergesehenes, was alles durcheinanderwirbelt und ihr Leben aus dem fragilen Gleichgewicht bringt.
EGr

Hanns-Josef Ortheil: Der Stift und das Papier

In diesem neuen Buch erzählt Hanns-Josef Ortheil noch einmal ausführlich, wie er als Kind zum Schreiben gekommen ist. Er hat als Kind die Bücher "Die Moselreise" und "Die Berlinreise" geschrieben. Auch sein brillianter autobiographischer Roman "Die Erfindung des Lebens" befasst sich mit seiner Kindheit und Jugend.
In diesem Buch liegt der Schwerpunkt aber nun explizit in der Beschreibung, wie ihn sein Vater und auch seine Mutter mit viel Liebe und Verständnis aus seiner Sprachlosigkeit befreit haben. Mit Hilfe des Schreibens wurde Ortheil durch seine Eltern mit viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Begeisterung an die Sprache, an seine Mitmenschen und somit auch an das Leben herangeführt.
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Hasan Cobanli und Stephan Reichenberger: Der halbe Mond

Hasan Cobanli ist der Sohn von Feridun Cobanli und der Enkel von Cevat Pasa. Cevat Pasa war ein enger Freund von Atatürk, dem Staatsgründer der Türkei.
Der Journalist Hasan Cobanli hat diesen umfangreichen Roman zusammen mit Stephan Reichenberger geschrieben.
Fast 100 Jahre türkischer und deutscher Geschichte werden in diesem umfassenden Roman erzählt. Privates und politisches werden auf spannende Weise verknüpft. Das richtige Buch für Leser, die gerne dicke Schmöker über eine mehrere Generationen spielende Familiengeschichte lesen.
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Thomas Pregel: Der ertrunkene See

Thomas Pregel hat ein modernes Märchen über Menschen in einem kleinen Tal - genannt Bucheichental - geschrieben. Sie führen hier ein zufriedenes - wenn auch relativ rückständiges und abgeschottetes Leben. Die Natur ist intakt; die Bewohner können als Bauern, Hirten und Fischer vom Fluß und von den Äckern leben. Doch dann gibt es Pläne, das Tal zu überfluten und einen Stausee mit einer großen Staumauer zu errichten. Wie gehen die Bewohner damit um? Wie verändert sich die Gemeinschaft? Wie verändern sich die Familien? Wie verändern sich die Menschen? Wie geht das Ganze aus?
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Sebastian Lörscher: A bisserl weiter... geht's immer!

Drei Monate lang reiste Sebastian Lörscher mit Stift und Skizzenbuch durch Österreich und hat die Eigenart der Österreicher in Wort und Bild festgehalten. Wien, Tirol, Graz und die Steiermark liegen auf seinem Weg, ebenso wie Würschtlstände, verschiedenste Lokale und die Begegnung mit den Menschen.  Es ist ein sehr humorvolles Buch entstanden, das einen guten Einblick in die Seele Österreichs gibt.
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Will Self: Leberknödel

Die Engländerin Joyce, 70 Jahre alt und an Leberkrebs erkrankt, fliegt in die Schweiz, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Im Schlepptau hat sie ihre alkoholkranke und psychisch angeschlagene Tochter, die mehr Belastung als Hilfe für sie ist.
Kurz bevor Joyce das Gift nehmen wird, überlegt sie es sich anders und verlässt die Räume der Sterbehilfe lebend. Wie aber schafft sie es nun, mit diesem neugewonnen Leben umzugehen? In ihr altes Leben wird sie auf jeden Fall nicht zurückkehren.
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Anna Gmeyner: Manja - ein Roman um fünf Kinder

Die Österreicherin Anna Gmeyner hat diesen Roman mit 36 Jahren unter dem Pseudonym Anna Reiner veröffentlicht. Anna Gmeyner lebte seit 1934 in London in der Emigration und war hauptsächlich als Bühnenautorin tätig. Der Roman entstand in den Jahren 1934 bis 1938 und erschien zuerst im Jahr 1938 in Amsterdam.
Der breit angelegte Roman handelt von 5 Kindern - von 4 Jungen und dem Mädchen Manja - und deren Elternhäusern. Er spielt zwischen 1920 und 1934 in Berlin. Die 5 Kinder kamen zur selben Zeit zur Welt - ihre Wege kreuzen sich und sie sind über die trennenden Klassen- und Religionsgrenzen hinweg eng befreundet. Die Kinder entstammen den verschiedensten Elternhäusern: Arbeiterfamilie, Kleinbürger, jüdisches Großbürgertum, Bildungsbürger und Humanisten, sowie die ostjüdische Mutter Lea Meirowitz mit der Tochter Manja und deren Geschwistern. Zwischen Tradition und Moderne, zwischen Antifaschismus und Nationalsozialismus kommen Gewalt und Hass, aber auch Liebe und Menschlichkeit zum Tragen. Fällt auch die Freundschaft der Kinder diesen Bedingungen zum Opfer?
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Liliana Corobca: Der este Horizont meines Lebens

Liliana Corobca ist Literaturwissenschaftlerin und Schriftstellerin; sie ist in Moldawien geboren und lebt in Bukarest.
Ein kleines Dorf in Moldawien: die 12-jährige Cristina erzählt von ihrem Leben und dem Alltag mit ihren zwei kleineren Brüdern Dan und Marcel. Seit ihr Vater in Russland und ihre Mutter in Italien arbeitet, führt Cristina alleine den Haushalt, erzieht die beiden Brüder und trägt die Verantwortung für einfach alles. Sie ist sehr nachdenklich, aber auch sehr stark und so macht sie sich viele Gedanken, wie sie alles am besten schafft und den Brüdern eine gute Ersatzmutter ist. Das Drama einer armen, verlassenen und zerissenen Familie wird dem Leser plastisch vor Augen geführt.
EGr

Eva Desmki: Gartengeschichten

Ein sehr empfehlenswertes Buch für jeden Garten- Natur- und Literaturliebhaber. Eva Demski hat eine Reihe inspirierender Geschichten rund um das Thema Garten geschrieben, das so von vielen Seiten beleuchtet wird. Die passenden und liebevollen Illustrationen sind von Michael Sowa beigesteuert. Mit ihren Erzählungen lässt uns die Schriftstellerin Eva Demski an ihrer großen Leidenschaft für Gärten und Pflanzen teilhaben.
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Miek Zwamborn: Wir sehen uns am Ende der Welt

Die niederländische Schriftstellerin und Künstlerin Miek Zwamborn hat einen interessanten und fesselnden Roman geschrieben, der in der Schweiz spielt. Die Erzählerin macht mit Jens, einem engen Freund, mit dem sie aber nur sporadisch Kontakt hat, eine Bergtour auf den Tödi in den Glarner Alpen. Einige Zeit nach diesem Treffen, meldet sich die Mutter von Jens und teilt ihr mit, dass Jens verschollen sei.
Die Erzählerin möchte Jens wiederfinden und unternimmt nun lange Bergtouren, um den Freund zu suchen und stößt an verschiedenen Orten auf Spuren des Schweizer Geologen Albert Heim. Die Beschäftigung mit diesem Wissenschaftler und Alpenforscher scheint die Erzählerin über den Verlust von Jens hinwegzuhelfen. Ein sehr schönes, aussergewöhnliches und ruhiges Buch.
EGr

Larry Tremblay: Der Name meines Bruders

Der kanadische Schriftsteller und Theaterregisseur hat einen dünnen, aber sehr gehaltvollen und intensiven Roman geschrieben. In einem ungenannten Land in einem Kriegsgebiet lebt eine Familie mit den neunjährigen Zwillingen Aziz und Amed; sie betreiben eine Orangenplantage. Die Großeltern der beiden kommen durch eine Bombe ums Leben. Einflußreiche Männer kommen zum Vater; einer der beiden Söhne soll als Selbstmordattentäter im feindlichen Militärlager den Tod der Großeltern rächen.
Ein Roman, der die Schrecken des Krieges und des Terrors anprangert und zeigt, was diese Situation mit den Menschen macht; in Kanada ist dieses Buch Schullektüre.
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Véronique Olmi: Nacht der Wahrheit

Enzo lebt mit seiner jungen überforderten Mutter Liouba Popov in Paris. Liouba arbeitet als Dienstmädchen in einer luxuriösen Wohnung. Hausherr und Hausherrin sind so gut wie nie anwesend. Trotzdem ist Liouba den ganzen Tag am Putzen und Arbeiten.
Enzo schämt sich für seine Mutter. Enzo ist übergewichtig und ist in der Schule ein Aussenseiter. Er gehört nicht dazu und wird laufend gedemütigt. Als die Situation eskaliert, beschließt Enzo, die Stadt, die Schule uns sein bisheriges Leben zu verlassen.
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Irene Ruttmann: Adèle

Der Soldat Max aus Deutschland ist im Winter 1916 als Sanitäter in einem kleinen Ort in Frankreich stationiert. Durch einen glücklichen Zufall lernt er die junge Adèle kennen. Schweigsam und fast sprachlos - sie sind der jeweils anderen Sprache nicht mächtig - lernen sie sich in den wenigen und kurzen Zeitabschnitten kennen, die sie sich erkämpfen können. Eine leise und melancholische Liebesgeschichte.
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Ulrich Schacht: Grimsey - eine Novelle

"Grimsey" ist ein ganz ruhiges, beschauliches Buch, das vom Tagesausflug eines Photographen auf der kleinen isländischen Insel Grimsey berichtet. Der Protagonist geht durch die karge und einsame Landschaft, photographiert und hängt seinen Gedanken und Erinnerungen nach. Der schöne und reduzierte Umschlag spiegelt genau die Stimmung dieses Buches wieder.
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François & Emmanuel Lepage: Weiß wie der Mond

Der Zeichner Emmanuel Lepage und sein Bruder François Lepage, der Photograph, bekommen die einmalige Chance, an einer wissenschaftlichen Mission des IPEV (Institut Polaire Francais Paul Emile Victor) in der Antarktis teilzunehmen. Auf faszinierende Weise verschmelzen die Beiden ihre verschiedenen Arbeitstechniken und Stile und berichten mit Zeichnungen und Photos von diesem aussergewöhnlichen Land. Das Buch zeigt den Alltag der Wissenschaftler und Techniker, die gemeinsam auf der Basis Dumont-d'Urville im Adélieland auf engste Raum zusammenleben und -arbeiten. In Rückblenden wird auch immer wieder auf die Geschichte der Arktiserforschung eingegangen. Höhepunkt des Abenteuers ist die Teilnahme als Fahrer am Raid, einem Versorgungskonvoi für die Basis Concordia.
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Ruth Cerha: Bora - eine Geschichte vom Wind

"Bora - eine Geschichte vom Wind" "... und eine Geschichte von der Liebe" könnte man ergänzen. Ruth Cera erzählt von einem Sommer auf einer kroatischen Insel. Mara, die Schriftstellerin aus Wien, verbringt jeden Sommer auf dieser Insel und ist mit vielen Bewohnern befreundet. Doch in diesem Jahr ist auch Andrej da. Er ist Sohn von Emigranten und lebt in Amerika. Als Photograph ist er allerdings auf der ganzen Welt unterwegs und fühlt sich nirgends wirklich zu Hause. Wird er in Maras Leben heimisch werden?
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Harper Lee: Wer die Nachtigall stört
Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter

Durch die Entdeckung und Veröffentlichung des eigentlich ersten Buches von Harper Lee, ist jetzt auch "Wer die Nachtigall stört" wieder ins Gespräch gekommen. Das Buch um das Mädchen Scout, ihren Bruder Jem und den Vater, Anwalt und Witwer Atticus hat auch heute nichts von seiner Faszination verloren.
Die kleine Familie Finch lebt in Maycomb, einem kleinen Ort in Alabama. Die Kinder werden von der farbigen Haushälterin Calpurnia betreut; doch auch Atticus kümmert sich liebevoll um seine Kinder; er ist ihnen ein Vorbild, bringt ihnen Werte bei und vermittelt ihnen ein positives Lebensbild.
In "Gehe hin, stelle einen Wächter" kehrt Scout, die eigentlich Jean Louise heisst, für zwei Wochen aus New York in ihre Heimat zurück. Doch dort findet sie alles verändert vor und hat Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Alles was ihr ihr Vater beigebracht hat, scheint nichts mehr wert zu sein. Das wirft sie völlig aus der Bahn.
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Maylis de Kerangal: Die Lebenden reparieren

Bei der Heimfahrt vom Surfen mit 2 Freunden passiert ein schwerer Unfall. Alle 3 Insassen werden verletzt, doch Simon trifft es am schwersten. Er hat ein Schädelhirntrauma und fällt ins Koma. Die Ärzte können ihm nicht mehr helfen.
Die Autorin hat das Thema "Organspende" sehr differenziert betrachtet, indem sie allen Beteiligten eine Plattform gibt. Die Probleme dieser emotionalen Ausnahmesituation werden von allen Seiten beleuchtet; die Innensichten der einzelnen Akteure kommen zum Tragen: der Bereitschaftsarzt, die Krankenschwester, der koordinierende Pfleger, die Eltern, die Freundin, die weiteren beteiligten Ärzte und die Empfänger der Organe. Spannend, feinfühlig und anrührend, mit teils sehr langen Sätzen, fast atemlos und trotzdem ruhig, entwickelt der Roman eine ganz eigene Sogwirkung.
EGr

Christoph Poschenrieder: Mauersegler

5 Kindheitsfreunde, die sich ihr Leben lang nicht aus den Augen verloren haben, tun sich im Rentenalter zusammen und gründen eine WG in einer noblen Villa an einem See. Alle hatten Erfolg im Beruf und so gibt es keinerlei finanzielle Probleme. Doch was tun, wenn es zu Ende geht? Die 5 alten Herren beschließen, sich gegenseitig zu helfen, falls einer nicht mehr leben will.
Ein etws makaberer und komischer Roman über Männerfreundschaft, das Alter und den Tod.
EGr

Jenny Erpenbeck: Gehen, ging, gegangen

Jenny Erpenbeck hat einen aktuellen Roman über die Flüchtlinge in Deutschland geschrieben.
Richard, ein emeritierter Professor für Klassische Philologie, ist Witwer und lebt alleine in einem großen Haus an einem See in Berlin. Als er von den afrikanischen Flüchtlingen am Oranienplatz hört, versucht er, sich selbst ein Bild von der Situation zu machen. Er knüpft Kontakte, lernt vieles über die Geschichte und die Schicksale der Menschen, kümmert sich um die diversen Probleme und begleitet sie in ihrem Alltag.
Der Roman verdeutlicht die schwierige Situation der oft traumatisierten Menschen und die bürokratischen Hindernisse, die zu lösen sind.
EGr

Lily King: Euphoria

Die Schriftstellerin Nelly King berichtet in ihrem Roman Euphoria - angelehnt an das Leben der im Jahr 1901 geborenen Ethnologin Margaret Mead - von der Forscherin Nell Stone. Nell ist mit ihrem Mann Anfang der 1930er-Jahre auf Forschungsreise in Neuguinea unterwegs. Die beiden sind noch nicht lange verheiratet; sie erforschen Stämme am Sepik-Fluss. Auch der britische Forscher Andrew Bankson lebt seit einigen Jahren in Neuguinea; ihn belatastet die Einsamkeit und so ist er froh, als er auf das Forscherehepaar trifft. Begierig saugt er ihre Nähe und den Austausch mit ihnen auf. Jeder hat seine ganz eigene Auffassung, wie zu forschen und zu dokumentieren sei. Es entwickelt sich ein emotionales und intellektuelles Dreiecksverhältnis.
EGr

Jocelyne Saucier: Ein Leben mehr

Drei Männer - um die 90 Jahre alt - leben in Kanada abgeschieden im Wald in ihren Holzhütten. Sie genießen die Einsamkeit und sind sich gegenseitig eine Stütze. Eines Tages taucht eine Photographin auf, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Überlebenden des großen Brandes von Matheson aufzuspüren.
In diesem Fall kommt sie jedoch zu spät, da Boychuck - einer der drei Männer - ein paar Tage zuvor gestorben ist. Charlie und Tom, die beiden Freunde, hatten ihn schon begraben. Die anfängliche Skepsis und Reserviertheit der beiden weicht einer gewissen Offenheit. Als dann auch noch die 82-jährige Marie-Desneige ins Spiel kommt, entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft.
Jocelyne Saucier lässt mit viel Gespür für leise Töne die Themen Freundschaft und Lebensfreude aber auch die Einsamkeit im Angesicht des Todes zum Tragen kommen.
EGr

Matthew Thomas: Wir sind nicht wir

Matthew Thomas hat einen ungemein fesselnden, fast 900 Seiten starken Roman geschrieben, in dem er das Thema Alzheimer thematisiert. Es geht um eine kleine irische Einwandererfamilie aus der Mittelschicht: Vater Ed, Mutter Eileen und Sohn Connell. Ed ist Hirnforscher und arbeitet gerne als Professor für seine Studenten. Schon früh merkt er, dass etwas nicht stimmt; im Alter von ca. 50 Jahren erkrankt er an Alzheimer. Eine glückliche Familie mit normalen Höhen und Tiefen wird auf eine harte Probe gestellt. Schleichend nimmt die Krankheit ihren Lauf, schleichend ändert sich der Alltag, der innere und äußere Kampf gegen die Krankheit ist für alle Familienmitglieder ein harter Weg. Gnadenlos und gleichzeitig sehr einfühlsam erzählt der Autor vom langsamen und doch viel zu schnellen Verlust der Erinnerung. Hält die Liebe von Eileen und auch die Liebe des Sohnes die schwere Belastungsprobe aus?
EGr

Laurie Lee: Cider mit Rosie

Der Schriftsteller Laurie Lee wurde 1914 geboren und wuchs in einem kleinen Dorf in Gloucestershire auf. "Cider mit Rosie" ist der erste Teil einer autobiographischen Trilogie, in dem er von seiner Kindheit berichtet. Seine Mutter zieht mit vier Kindern aus der ersten Ehe ihres Mannes und mit ihren drei eigenen Söhnen in das abgelegene Dorf Slad. Ihr Mann hat es vorgezogen in London ein Leben ohne seine Familie zu führen.
Laurie Lee erzählt aus der Sicht eines Kindes und mit sehr viel Phantasie von seinem Alltag in der Großfamilie in dieser abgeschiedenen Gegend. Ein innen und aussen wunderbares Buch!
EGr

Christiane Neudecker: Sommernovelle

Eine Schriftstellerin erinnert sich an zwei Wochen in ihrer Jugend, die sie zusammen mit ihrer besten Freundin Lotte auf einer Vogelstation einer Nordseeinsel verbracht hat. 1989 waren die beiden 15 Jahre alt und fühlten sich im Haus des Professors mit den anderen Freiwiligen nicht wirklich wohl. Die anderen Teilnehmer waren älter und teilweise etwas skurril. Die hohen Erwartungen, die Panda und Lotte in diesen Freiwilligendienst gesteckt hatten und ihre hohen Ideale, wurden nicht erfüllt.
Aber trotzdem - oder gerade deswegen - gräbt sich dieser Sommer tief in ihre Erinnerung ein; die Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsenwerden haben sie dort sehr intensiv erlebt. Ein atmosphärisch dichter und fesselnder Sommerroman.
EGr

Benjamin Alire Sáenz: Alles beginnt und endet im Kentucky Club

Der amerikanische Autor Benjamin Alire Sáenz hat in diesem Buch 7 Erzählungen versammelt, die alle eines gemeinsam haben: es besteht immer in irgendeiner Form eine Verbindung zum Kentucky Club. Dieser Club ist die älteste Bar in Juarez/El Paso, die berühmt wurde durch Marilyn Monroe, Frank Sinatra, Bob Dylan und Steve McQueen. Liebe, Hass, Trauer und Melancholie sind die Themen dieser fesselnden Erzählungen. Wärmstens empfohlen!
EGr

Nathan Filer: Nachruf auf den Mond

Der 19jährige Matt versucht mit dem Tod seines Bruders Simon fertig zu werden. Simon starb vor 10 Jahren; Matt gibt sich die Schuld und verzweifelt fast daran. Nur mit professioneller Hilfe gelingt es ihm ein bisschen, seine Schizophrenie zu ertragen und die Gespenster aus seinem Kopf zu verjagen. Er ist Patient in der Psychiatrie in Bristol und hält dort seine Gefühle und Gedanken schriftlich fest. So versucht er etwas Ordnung in seinen Kopf und in sein Leben zu bekommen.
EGr

Jean-Philippe Blondel: Direkter Zugang zum Strand

Der französische Autor war mit seinem Buch "6 Uhr 41" sehr erfolgreich. Nun wurde bei Piper sein Debüt aus dem Jahr 2003 veröffentlicht. Ein kleiner Roman, der in vier Zeitabschnitten von 1972 bis 2002 Schlaglichter auf das Leben von den verschiedensten Personen wirft, die doch alle in unterschiedlicher Art und Weise miteinader verbunden sind. So entsteht aus diesen kurzen Episoden in den verschiedenen Urlaubsorten ein Kaleidoskop aus Lebensentwürfen, Träumen, Hoffnungen und Sorgen der unterschiedlichsten Menschen.
EGr

Kenneth Bonert: Der Löwensucher

Die junge Mutter Gitelle wandert von Litauen mit ihrem Sohne Isaac und ihrer Tochter Rively nach Johannesburg aus. Ihr Mann Abel hat dort eine Uhrmacherwerkstatt. Die jüdischen Auswanderer erwartet in Südafrika ein hartes Leben. Kenneth Bonert erzählt in seinem Debüt auf über 700 Seiten das Schicksal der Familie und die vielen Rückschläge, die Issac immer wieder hinnehmen muss. Er möchte gerne die Erwartungen und Wünsche erfüllen, die seine Mutter in ihn steckt. Sie träumt von besseren Zeiten und einem besseren Leben, das ihr Mann ihr nicht bieten kann. Doch Issac muss die Schule verlassen, beginnt dann eine Ausbildung zum Karosseriebauer. Inmitten der Diskriminierung der Schwarzen und der Juden und mit immer neuen Jobs, versucht Isaac sich durchzuschlagen. Erfolg und Mißerfolg wechseln sich ab. Dabei wird er immer härter zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen.
EGr

Jutta Reichelt: Wiederholte Verdächtigungen

Katharina ist Schriftstellerin und wohnt mit ihrem Freund Christoph in Bremen. Er verschwindet für ein paar Tage und hinterlässt ihr nur die Nachricht, dass er sich in etwas verrannt habe. Sie kann ihn nicht erreichen. Auch seine Schwester und die Eltern und Freunde machen sich Sorgen. Je mehr sie in Christophs Umfeld nachforscht, um so rätselhafter wird die Sache. Es gibt viele Fragen und Spekulationen. Plötzlich taucht Christoph wieder auf, will aber nicht reden.
Eine Geschichte über die Sprachlosigkeit in der Familie. Was ist in Christophs Kindheit passiert? Anscheinend gibt es ein totgeschwiegenes Geheimnis.
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Lorenza Gentile: Teo

Lorenza Gentile wurde 1988 in Mailand geboren. Sie studierte in London Theaterwissenschaft und besuchte eine internationale Theaterschule in Paris. "Teo" ist ihr erster Roman; ihn ziert ein wunderschöner Einband.
In diesem leichtfüßigen Roman erzählt die Autorin von einem achtjährigen Jungen, der die Ehe seiner Eltern retten möchte. Für Teo und seine ältere Schwester ist das Familienleben nicht mehr schön, weil sich die Eltern nur noch streiten oder anschweigen. Teo erzählt von seinem Tagesalauf in der Schule und in der Familie; er erzählt, wie er einen Freund findet und er berichtet von seinen Gedanken, die er sich um seine Eltern macht. Teo ist ein einsamer Junge, der um jeden Preis versuchen möchte, ein heiles Familienleben zu erkämpfen und glücklich zu werden.
EGr

Bernd Schroeder: Wir sind doch alle da

Bernd Schroeder berichtet von einer großen Familie, die sehr zerissen ist und vornehmlich aus Egoisten besteht. Jeder kocht sein eigenes Süppchen. Als Benny, der sechzehnjährige Sohn von Ines und Michael - die längst getrennt sind - durch ein Unglück ins Koma fällt, kommen die ganzen Probleme erst recht an die Oberfläche. In kurzen schlaglichtartigen Kapiteln werden die Probleme und Lebenslinien der einzelnen Familienmitglieder, der Großeltern, der Onkel und Tanten, der Nachbarn und Freunde dargestellt. Nur mühsam wird so etwas ähnliches wie Familie aufrechterhalten. Doch wer wird am Ende für Benny da sein, falls er aus dem Koma erwachen sollte?
EGr

Christopher Isherwood: A single man

Die Originalausgabe von "A single man" ist bereits 1964 in London erschienen. Verfilmt wurde der Roman 2009 von Tom Ford.
Der 58jährige George ist Literaturprofessor und wohnt in einem Vorort von Los Angeles. Seit sein Lebenspartner Jim bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, ist er sehr einsam. Er muss den Spagat zwischen dem Leben mit der spießigen Nachbarschaft und seinem Beruf auf der einen Seite und seiner Einsamkeit und seiner Homosexualität auf der anderen Seite meistern. Andererseits genießt er aber auch sein Leben als Aussenseiter und Paradiesvogel. Erzählt wird ein ereignisreicher Tag in seinem Leben - vom Aufwachen bis tief in die Nacht.
EGr

Ian McEwan: Kindeswohl

Dem britischen Schriftsteller Ian McEwan ist wieder ein Meisterwerk gelungen; ein Roman, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Fiona, Richterin am High Court in London, muss miterleben, dass ihr Mann Jack eine Affäre beginnt und somit ihre Ehe vollkommen in Frage stellt. Gleichzeitig ist sie aber beruflich sehr eingebunden; diese Tatsache und ein schwieriger Fall, bringen ihr Seelenleben und ihre Professionalität ins Wanken.
Ein 17jähriger Junge ist an Leukämie erkrankt. Nur eine Bluttransfusion kann ihn nachhaltig retten. Doch seine Eltern und auch er selbst, lehnen diese Behandlung aus religiösen Gründen ab; sie sind Zeugen Jehovas. Fiona muss in einem Eilantrag der behandelnden Klinkärzte eine Entscheidung treffen, die sie sich nicht leicht macht.
EGr

Teju Cole: Jeder Tag gehört dem Dieb

Teju Col wurde 1975 in Nigeria geboren; er wuchs aber in den USA auf. Sein Roman handelt von einem jungen Mann, der aus Amerika zurück nach Lagos kehrt. Zerrissen zwischen dem Wunsch, nach Lagos zurückzuziehen und der Tatsache, dass der Erzähler über den Lebensumständen in Lagos verzweifeln könnte, beschreibt er die Lage im Land. "Das Leben in Lagos ist das Gegenteil von beschaulich. Allein die Verkehrsstaus sind eine massive Belastung, dazu kommen die tausend anderen Erschütterungen, denen fast alle Nigerianer tagtäglich ausgesetzt sind: die Polizeikontrollen, die bewaffneten Raubüberfälle, die korrupten Beamten, die Regierung, das Fehlen jeglicher sozialer Einrichtungen und die schlechte Verteilung von Annehmlichkeiten".
EGr

Fredrik Beckman: Ein Mann namens Ove

Der Autor Fredrik Beckman hat mit seinem ersten Roman viel Erfolg. In seinem Heimatland Schweden war er auf Platz 1 der Bestsellerlisten. Das Buch wird auch verfilmt.
Der humorvolle Roman dreht sich um einen älteren Mann, der sehr eigenbrötlerisch lebt und alles, was in der Siedlung so vor sich geht, kontrolliert. Seit seine Frau gestorben ist und er vorzeitig in den Ruhestand geschickt wurde, haben sich seine Eigenheiten noch verstärkt. So will er nicht mehr weiterleben und trifft Vorbereitungen, um sich das Leben zu nehmen. Doch dann bekommt er neue Nachbarn, die ihn ständig in Anspruch nehmen. Schaffen sie es, Oves harte Schale zu durchbrechen? Seine grummelige Art behält er bei; aber er findet keine Zeit mehr, seinen Plan in die Tat umzusetzen.
EGr

Édouard Louis: Das Ende von Eddy

Édouard Louis wurde 1992 geboren; er studiert in Paris Soziologie. "Das Ende von Eddy" ist ein autobiographischer Roman. Édouard Louis wuchs in einem kleinen Dorf in der Picardie in Nordfrankreich auf. Er stammt aus armen und schwierigen Verhältnissen. Schon früh spürte er, dass er sich nicht für Mädchen, sondern für Jungen interessiert. Er beschreibt seinen Leidensweg, bis er endlich aus dem Elternhaus und dem kleinen Dorf ausbrechen kann.
EGr

Ernest van der Kwast: Fünf Viertelstunden bis zum Meer

Ernest van der Kwast ist ein niederländischer Schriftsteller mit indischen Wurzeln. Er wurde 1981 in Bombay geboren und lebt in Südtirol. Sein Roman ist ein kleines Schatzkästchen. Süditalien, am Strand von San Cataldo im Sommer 1945: Ezio Ortolani verliebt sich am Strand in die schöne Giovanna Berlucchi. Seinen Heiratsantrag weist Giovanna zurück, weil sie ihre Freiheit nicht verlieren will. Ezio verlässt seine Heimat Süditalien und wird sein gesamtes Leben als Apfelpflücker in Südtirol verbringen. Nach 60 Jahren findet er einen Brief in seinem Briefkasten...
EGr

Sibylle Knauss: Das Liebesgedächtnis
 
Sibylle Knauss erzählt von einer Liebe im Angesicht von Alter und drohender Demenz.
Die Schriftstellerin Beate verliebt sich in einen ebenfalls betagten Mann. Die Liebe ist fast so scheu wie bei der ersten Verliebtheit in der Pubertät und ebenso scheu und langsam nähern sich die beiden an. Beate hinterfragt alles, was diese sensible Beziehung ausmacht; sie macht sich um alles sehr viele Gedanken. Sie fasst die Gedanken in Worte und lässt so den Leser daran teilhaben.
Ihrer Enkelin Emma lässt sie nach ihrem Tod von einem Pfleger einen USB-Stick überbringen, auf dem ihre Liebesgeschichte festgehalten ist. Nachdem ihr endlich das Passwort klar geworden ist und die Zeit reif dafür ist, kann Emma - inzwischen Studentin am Literaturinstitut in Leipzig - das "Liebesgedächtnis" ihrer Großmutter lesen.
EGr

Jenny Bond: Unter dem Nordlicht

Mit vielen Zeit- und Handlungssprüngen wird die Polarexpedition von Salomon Andrée erzählt. Er wollte mit einem Ballon den Nordpol überqueren. Zusammen mit dem Ingenieur Knut Frænkel und dem Photographen Nils Strindberg startete er am 11. Juli 1897 dieses waghalsige Unternehmen. Seine Familie, seine Brüder und seine Verlobte Anna Charlier lässt er zurück.
Im Roman von Jenny Bond stösst der Journalist Knut Stubbendorf im Jahr 1933 auf die Überreste der Expedition: die Leichen, sowie Photomaterial, Tagebücher und Briefe werden gefunden.
Knut Stubbendorf macht sich auf die Suche nach der Verlobten von Nils Strindberg. Er ist fasziniert von der Liebe der beiden Menschen. Immer mehr wird er in die Familiengeschichte verstrickt, die ihn und auch den Leser nicht mehr loslässt.
Ein richtig schöner Schmöker mit historischem Hintergrund.
EGr
 

Linus Reichlin: In einem anderen Leben

In diesem spannenden Roman geht es um Luis, der in einem schwierigen Elternhaus aufwächst. Der Vater hat eine Zahnarztpraxis, ruiniert diese und sich selbst jedoch immer mehr durch seinen hohen Alkoholkonsum. Auch die Mutter ist hochgradig unzufrieden. Die beiden streiten sich ständig und haben sich auseinandergelebt. Die Sitation wird für Luis noch schlimmer, als die Mutter nach einem Autonunfall nicht mehr zu Bewusstsein kommt und jahrelang von einer aufopferungsvollen Pflegerin betreut werden muss.
Luis flüchtet schließlich aus dieser Familie und sucht Unterschlupf bei seiner Freundin. Er studiert an der Kunstgewerbeschule, lernt eine andere Frau kennen und schließlich verliebt er sich in Berlin in Nora. Luis ist immer bemüht sich aus den Fängen seiner Kindheit zu befreien. Ein schwieriges Unterfangen.
EGr

Frances Itani: Requiem

Die kanadische Autorin Frances Itani hat einen spannenden Roman über die Internierung japanischstämmiger Kanadier nach der Bombardierung von Pearl Harbor geschrieben. Bin wurde im Jahr 1942 mit seinen Eltern und seinen beiden Geschwistern Hiroshi und Keiko aus dem Haus und von der Küste vertrieben und in ein Internierungslager gesteckt.
Als Erwachsener macht sich Bin mit seinem Hund Basil auf den Weg, um dieses Lager wieder zu finden. Er ist Künstler geworden, ist inzwischen verwitwet und hat einen Sohn, der bereits studiert. Seine Erinnerungen springen zwischen der Vergangenheit mit seinem Eltern, zwischen der Trennung von ihnen und zwischen der glücklichen jüngeren Vergangenheit mit seiner Frau Lena hin und her. Ein Buch, das mich von Anfang bis zum Ende in seinen Bann gezogen hat.
EGr

Dörte Hansen: Altes Land

Die Linguistin Dörte Hansen erzählt in ihrem ersten Roman die Familiengeschichte von Vera. Vera kommt 1945 mit ihrer Mutter Hildegard von Kamcke aus Ostpreußen als Flüchtling ins Alte Land. Doch die Mutter hält es nicht lange auf dem Hof von Ida Eckhoff aus und lässt Vera dort zurück.
Vera erbt später das alte Haus. Sie arbeitet als Zahnärztin im Ort und führt ein eigenbrötlerisches und einsames Leben.
Doch dann steht eines Tages ihre Nichte Anne mit ihrem kleinen Sohn Leon vor der Tür. Der Vater von Leon hat sich von Anne getrennt, so dass sie die gemeinsame Hamburger Wohnung verlässt und bei Vera Zuflucht sucht. Nun stehen also wieder "Flüchtlinge" vor der Tür des alten Hauses.
EGr

Tommy Wieringa: Eine schöne junge Frau

Edward ist ein sehr erfolgreicher Virologe. Seine besten Jahre liegen nun hinter ihm, aber er hat noch immer keine Frau und keine Kinder; viele kurze Affären, aber keine große Liebe.
Doch dann begegnet ihm Ruth. Sie ist Soziologie-Studentin und eine sehr schöne Frau, in die sich Ed beim ersten Anblick verliebt. Der niederländische Schriftsteller Tommy Wieringa erzählt in diesem kurzen Roman von den Höhen und Tiefen dieser Beziehung.
EGr

Monika Held: Der Schrecken verliert sich vor Ort

Die Journalistin und Autorin Monika Held berichtet von der Liebe zwischen Heiner und Lena. Die beiden lernen sich in Frankfurt kennen, wo Heiner in einem Kriegsverbrecherprozess als Zeuge geladen ist und Lena als Übersetzerin arbeitet.
Heiners Erinnerungen an seine Zeit in Auschwitz sind immer präsent und belasten das gemeinsame Leben. Kann Lena diese Tatsache ein Leben lang aushalten?
Heiner hat das Lager überlebt und es zieht ihn immer wieder dorthin zurück. Zusammen mit Lena reist er zu Zeiten der Solidarność nach Polen und besucht seine alten Leidensgenossen und Freunde.
Ein fesselndes Buch, das mit jeder weiteren Seite immer mehr gefangen nimmt.
EGr

Armin Kratzert: Berggasse 19

Armin Kratzert erzählt die Geschichte von Franz Kafka, der sich 1914 - vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges - nach Wien begeben und sich dort in der Berggasse 19 einquartiert hat, um in Ruhe schreiben zu können. In diesem Haus wohnt auch Sigmund Freud. Diese fiktive Geschichte um die Begegnung der beiden Berühmtheiten erzählt Armin Kratzert auf wunderbare Weise. Eine leise und empfehlenswerte Lektüre!
EGr

Der Marsianer von Andy Weir

Jeder kleine Junge träumt einmal davon, Astronaut zu werden. Für Mark Watney geht dieser Wunsch in Erfüllung. Zusammen mit fünf anderen Auserwählten, macht er sich als einer der ersten Menschen auf dem Weg zum Mars.
Doch kaum eine Woche später, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Kommunikation. Durch einen heftigen Sandsturm wurde er von seinen Kameraden getrennt. Seine einzige Hoffnung: Die nächste Marsmission. Geplante Ankunftszeit: 4 Jahre.
Trotz seiner vielen technischen Ausführungen, ist dieses Buch äußert interessant und spannend geschrieben. Selbst wenn die Situation durchaus bedrückend und deprimierend wirken kann, hindert der Autor den Leser mit viel Humor und einer fesselnden Handlung daran, das Buch zur Seite zu legen.
TDo

Cecilie Enger: Die Geschenke meiner Mutter

Die norwegische Autorin Cecilie Enger hat für ihren autobiographischen Roman "Die Geschenke meiner Mutter" den Preis norwegischer Buchhändler bekommen.
Cecilie muss ihr Elternhaus ausräumen, da ihre Mutter an Alzheimer leidet und seit kurzem in einem Pflegeheim lebt. Neben vielen anderen Gegenständen, Möbeln und Aufzeichnungen stösst sie auf eine umfangreiche Liste mit Geschenken, die ihre Mutter im Lauf ihres Lebens an Freunde und Verwandte verschenkt hat. Cecilie erinnert sich an Hand dieser peniblen Liste an diese Menschen und an Erlebnisse, die sie aus ihrer Kindheit damit noch verbinden kann. So wird die eigene Familiengeschichte wieder lebendig.
EGr

Husch Josten: Der tadellose Herr Taft

Ein intelligenter und bis zum Schluß spannender Roman. Daniel Taft wird aus heiterem Himmel von seiner Frau verlassen, die er erst ein halbes Jahr vorher geheiratet hatte. Veronika verschwindet ohne jede Erklärung von der Bildfläche. Aus Verzweiflung und um etwas zu tun, beschließt auch Daniel Taft sein Leben umzukrempeln. Er verlässt Paris und eröffnet in der deutschen Heimatstadt seiner Frau einen Laden, in dem er Postkarten mit nur einem Wort darauf verkauft. "Theorie" heisst der Laden und Herr Taft hat damit ungeahnten Erfolg, bekommt seine eigene Fernsehsendung und hat auch sonst sehr interessante Begegnungen. Ein sehr lesenswertes Buch, das viele Denkanstösse zu vielen Themen bereithält.
EGr

Jhumpa Lahiri: Das Tiefland

Jhumpa Lahiri erzählt die Lebensgeschichte von zwei Brüdern, die in einem Vorort von Kalkutta aufwachsen. In ihrer Kindheit und Jugend sind sie eng verbunden. Sie schliessen beide die Schule erfolgreich ab und studieren. Ihre unterschiedliche politische Einstellung bringt die Beiden auseinander und lässt sie sehr verschiedene Lebenswege gehen. Trotzdem sind sie durch das Schicksal auf's Engste verbunden. Udayan ist politisch sehr aktiv. Er heiratet die Philosophie-Studentin Gauri. Subhash geht als Wissenschaftler in die USA und lebt so weit entfernt vom Elternhaus und seinem Bruder. Doch früher als erwartet kehrt er nochmal nach Indien zurück, weil seinem Bruder etwas zugestossen ist.
EGr

Vastehst me - Bairische Gedichte aus 40 Jahren

Eva Bauernfeind, Hubert Ettl und Kristina Pöschl vom "lichtung verlag" haben mit dem Buch "Vastehst me" eine gelungene Sammlung von bairischen Gedichten aus 40 Jahren von 50 verschiedenen Autoren zusammengestellt. In mehreren thematisch sortieren Kapiteln wird ein fundierter Überblick, sowohl über traditionelle, als auch über zeitkritische Dichter und Themen vorgelegt.
EGr

Abasse Ndione: Die Piroge

Der senegalesische Autor Abasse Ndione greift ein hochaktuelles Thema auf. Er macht die Lage der Bootsflüchtlinge für uns Europäer sehr drastisch nachvollziehbar.
In diesem knappen Text berichtet er von Menschen aus Afrika, die versuchen vor den trostlosen und aussichtlosen Verhältnissen zu fliehen. Sie nehmen die zweiwöchige Seereise in einer Piroge auf sich. Werden sie ihr Ziel erreichen?
EGr

Hannah Kent: Das Seelenhaus

Das zwar zum Roman passende, aber ziemlich unattraktive Photo auf dem Einband, hat mich lange davon abgehalten, mit dem Lesen dieses Buches zu beginnen. Der Roman ist aber sehr empfehlenswert und sehr spannend geschrieben.
Dieses Buch beruht auf Tatsachen. Über diese Mordfälle wurden bereits mehrere Bücher und Aufsätze geschrieben.
Hannah Kent zeichnet ein vielschichtiges Bild von Agnes. Sie ist  eine mittellose, aber hart arbeitende Magd. Sie wird im Jahr 1828 beschuldigt, zusammen mit einem jungen Paar den Bauer Nathan umgebracht zu haben. Der zustängige Landrat verfügt, dass sie die Zeit bis zur Hinrichtung  auf dem Hof eines Beamten verbringen soll. Seine Frau und die zwei Töchter sind davon überhaupt nicht begeiestert. Zur Betreuung ist Agnes ein junger Vikar zugewiesen. Mit ihm führt sie lange Gespräche und auch Margret, die Hausherrin ahnt, dass die offizielle Wahrheit nicht die richtige Wahrheit ist. Die anfängliche Ablehung verändert sich langsam in Verständnis.
EGr

Jo Baker : Im Hause Longbourn

Jane Austen ist bekannt für Romane, in denen die Hauptcharaktere von einer Liebes-Irrung in die nächste stolpern. Einer der bekanntesten ist „Stolz und Vorurteil“.
Den Dienstboten, die im Hintergrund agieren und sich den Kapriolen der Familie Bennet stellen müssen, wird dabei kaum Aufmerksamkeit geschenkt.
Ihnen ist diese Geschichte gewidmet.
Jo Baker schildert den Alltag aus der Sicht von Sarah und James, dem Dienstmädchen und dem Stallburschen. Sie erzählt von harter Arbeit, verstohlenen Blicken und dunklen Geheimnissen, die alles verändern könnten.
TDo

Norbert Niemann: Die Einzigen

Norbert Niemann wurde für sein neues Buch "Die Einzigen" mit dem Carl-Amery-Literaturpreis ausgezeichnet. Er wohnt am Chiemsee.
Harry, Marlene und Sellwerth bildeten die New-Wave-Band "Die Einzigen". Die Gruppe hat sich aufgelöst; Harry Bieler und Marlene Krahl sehen sich auf der Beerdigung von Sellwerth wieder. Harry hat unterdessen die Seifenfirma seines Vaters übernommen, die er bald modernisieren wird. Marlene ist weiterhin als Komponistin, Dozentin und Musikerin im Bereich der experimentellen Musik tätig. Harry ist fasziniert von der unabhängigen, kompromisslosen aber auch höchst unzufriedenen und unnahbaren Marlene. Die beiden Lebensentwürfe sind extrem unterschiedlich; sie kreuzen sich immer wieder, doch richtige Nähe sieht anders aus. Der Leser begleitet die beiden über 3 Jahrzehnte. Sehr spannend geschrieben.
EGr

Marja-Liisa Vartio: Männer wie Männer, Frauen wie Frauen
 
Die finnische Autorin lebte von 1924 bis 1966. Das Buch erschien in Finnland bereits 1959; aus Anlass der Frankfurter Buchmesse mit Finnland als Gastland wurde es nun ins Deutsche übersetzt.
In einem distanzierten und kargen Erzählstil wird von der jungen und unerfahrenen Leena berichtet. Nur ihre Schwester Riita wird noch namentlich genannt. Die anderen Protagonisten sind nur der Mann, der Vater, die Mutter und die Frau.
Leena hilft auf dem Hof der Eltern. Sie lernt einen älteren, verheirateten Mann kennen und wird schwanger. Die Moralvorstellungen der damaligen Zeit werden vor allem in der Reaktion des Vaters sichtbar.
Sie bekommt weder von ihren Eltern noch vom Vater des Kindes Hilfe. So beschließt sie in ihrer naiven Art als Kindermädchen in eine andere Stadt zu ziehen und das Kind alleine zu bekommen.
EGr

Mooses Mentula: Nordlicht - Südlicht

Der finnische Autor Mooses Mentula erzählt eine Geschichte über die Unterschiede zwischen Nordfinnen und Südfinnen, zwischen Stadt und Land und zwischen Männern und Frauen. Marianne, Jonni und ihr Sohn Lenne leben in einem kleinen Ort in Lappland. Als ein neuer Lehrer in die Schule kommt, ändert sich vieles und die labile Beziehung der Eltern wird auf eine harte Probe gestellt. Lenne steht immer dazwischen und fühlt sich sehr alleingelassen. Es ist eine schwere Zeit für ihn, bis sich am Ende die Handlung zuspitzt und eine Entscheidung fällt.
EGr

Dany Laferrière: Das Rätsel der Rückkehr

Der Schriftsteller Dany Laferrière wurde 1953 in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince geboren. 1976 ging der Journalist nach Kanada ins Exil. Er ist Mitglied der Académie française. Für den Roman "Rätsel der Rückkehr" erhielt er den "Internationalen Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt".
In einer sehr poetischen Sprache - im Wechsel zwischen Prosa und Lyrik - erzählt er darin von Vater und Sohn, die beide ins Exil gegangen sind: der Vater in den 1960er-Jahren nach New York, als Dany 4 Jahre alt war; der Erzähler im Alter von 23 Jahren nach Montreal.
Als er die Nachricht vom Tod seines Vaters erhält, macht er sich auf den Weg in die Heimat, um seiner Mutter den Tod ihres Mannes beizubringen. Im vorliegenden Buch erinnert er sich an seine Kindheit in Haiti. Zusammen mit seinem Neffen bereist er seine Heimat und beschreibt die dortigen Lebensumstände.
EGr

Karen Köhler: Wir haben Raketen geangelt

Karen Köhler ist Schauspielerin und Schriftstellerin. "Wir haben Raketen geangelt" ist ihre erste Buchveröffentlichung. Es ist ein Band mit neun Erzählungen, bei dem sie sogar den Umschlag selbst gestaltet hat. Das Buch wurde von fast allen Rezensenten sehr positiv aufgenommen.
Die Protagonisten der Erzählungen stecken alle in einer existentiellen Krise oder an einem Wendepunkt. Leichtigkeit und Schwere halten sich die Waage. Die raffiniert und sehr unterschiedlich konstruierten Erzählungen spiegeln die Gedanken und Wahrnehmungen der Menschen wider und sind von großer Melancholie durchzogen. Eine sehr spannende Lektüre.
EGr

NoViolet Bulawayo: Wir brauchen neue Namen

NoViolet Bulawayo ist in Simbabwe geboren und lebt, seit sie 18 ist, in den Vereinigten Staaten. Sie hat Englisch studiert und für ihren Debütroman mehrere Auszeichnungen bekommen.
Die Autorin berichtet in ihrem Roman von dem jungen Mädchen Darling. In ihrer afrikanischen Heimat wächst sie in einer Blechhüttensiedlung bei einer strengen Mutter und dem aidskranken Vater auf. Sie berichtet von Hunger, Jugendkriminalität und dem gewaltsamen Regime der neuen schwarzen Elite. Sie erzählt von der Zugehörigkeit zu einer Straßengang, die aus mehreren Kinder besteht, mit denen Darling befreundet ist.
Schließlich wird Darling von ihrer Tante nach Detroit geholt, wird aber dort vor allem mit Rassismus und Spießigkeit konfrontiert. Sie kommt somit von einem Extrem ins Nächste und muss auch hier wieder versuchen, sich anzupassen.
EGr

Hanna Johansen: Der Herbst, in dem ich Klavier spielen lernte

Die Autorin Hanna Johansen wurde 1939 in Bremen geboren; sie lebt jetzt in der Nähe von Zürich. Ihr neues Buch ist als Tagebuch angelegt. Sie berichtet, wie sie die ersten Versuche unternimmt im Selbststudium Klavier spielen zu lernen. Dieses Vorhaben protokolliert sie sehr detailliert.
Gleichzeitig erinnert sie sich während dieser Zeit  intensiv an ihre Kindheit im Krieg und an ihre Jugend in der Nachkriegszeit; sie erinnert sich an die Krebserkrankung ihrer Mutter, an den Selbstmord ihres Vaters, an den Tod der Großeltern.
Ein ruhiges und nachdenkliches Buch.
EGr

Werner Rohner: Das Ende der Schonzeit

In seinem Debütroman berichtet Werner Rohner von Joris, einem jungen Mann, der in seine Heimatstadt Zürich zurückkehrt. Nach mehreren Jahren im Ausland - erst in Wien, dann in Berlin - hat er nun eine Stelle beim Schweizer Fernsehen angenommen. Zum ersten Mal trifft er auch seinen Vater David Mourlin, den er zu Lebzeiten der Mutter Luisa nie kennengelernt hatte. Die beiden Männer tun sich schwer mit einer Annäherung, auch weil David nichts von seinem Sohn wusste.
Werner Rohner erzählt diesen Roman gekonnt in mehreren zeitlichen Ebenen. Beide Eltern waren im politischen Untergrund tätig. Er berichtet von Joris Lebensgefährtin Rebekka in Wien, von der Krankheit der Mutter und ihrem frühen Tod, von seiner Tante Susanne und deren Söhnen Severin und Luca.
EGr

Mercè Rodoreda: Der Garten über dem Meer

Die katalanische Schriftstellerin Mercè Rodoreda hat diesen Roman 1967 zum ersten Mal veröffentlicht. Das Buch wurde jetzt im Mare-Verlag, in einer sehr schönen Ausgabe mit hochwertigem Papier, neu verlegt.
Ein älterer Gärtner berichtet von den wohlhabenden Besitzern einer Villa am Meer, in der Nähe von Barcelona gelegen. In den 20er-Jahren verbringen die jungen dekadenten Besitzer mit verschiedenen Freunden und Bediensteten sechs Sommer lang am Meer. Seit die Frau des Gärtners gestorben ist, lebt er nur noch für seine Blumen und den Garten und beobachtet und kommentiert das Leben der jungen Leute. Ohne finanzielle Sorgen, aber auch ohne tieferen Sinn, plätschert der Alltag dahin; die Zeit vertreiben sie sich mit Strandbesuchen, Wasserskifahren, Reiten oder auch mit verschiedenen Festen. Die anfangs heitere Atmosphäre wechselt im Lauf der Zeit von Melancholie hin zu Trauer und Auflösung. Mercè Rodoreda hat einen sehr dichten Roman komponiert, dessen Atmosphäre einen auch nach der Lektüre nicht loslässt.
EGr

Graeme Simsion: Der Rosie-Effekt: Noch verrückter nach ihr

Die Geschichte um den eigenwilligen Professor aus Australien geht in die zweite Runde. Diesmal muss sich Don Tillman einer noch größeren Herausforderung als dem Ehefrauen-Projekt stellen: dem Vater-Projekt…
Rosie ist schwanger. Ein Umstand, mit dem der wortklauberische und skeptische Don erstmal fertig werden muss. „Bud“ wie der Arbeitstitel des Babys lautet, bringt einiges Chaos in das ach so geordnete Leben des ungleichen Paares.
Gelungene, wenn auch nicht ganz so einnehmende Fortsetzung von: „Das Rosie-Projekt“.
TDo

Thomas Vogel: Die goldenen Äpfel der Hesperiden

Charlie ist Oberstudienrat für Kunst und Philosophie und illustriert Kinderbücher. Er lebt getrennt von seiner Frau; die beiden Töchter sind erwachsen und aus dem Haus. Charlie beschließt eine Auszeit zu nehmen und nach Teneriffa zu fliegen. Er möchte wieder zu sich finden und gleichzeitig ein Versprechen einlösen, das er in seiner Jugend zusammen mit seinem besten Freund Simon seiner Lehrerin gegeben hat. Simon ist inzwischen bei einem Unfall ums Leben gekommen. So möchte Charlie das Versprechen, einen Roman zu schreiben, alleine einlösen. Das einzige, was sie noch gemeinsam beschlossen haben, ist der Titel; er lautet "Die goldenen Äpfel der Hesperiden".
Auch Simons Schwester Julia lebt auf Teneriffa. Die beiden treffen sich zufällig. "Warum sind wir so schwach, so unfähig, eigene Entscheidungen zu treffen? Warum fällt es uns so schwer, das zu tun, was wir selber wollen, was uns das Herz rät? Warum hören wir nicht auf unser Gefühl?"
Dem Autor Thomas Vogel ist ein schöner Roman über Freundschaft und Liebe gelungen.
EGr

Roland Buti: Das Flirren am Horizont

Auguste, genannt Gus, lebt mit seinen Eltern, seiner Schwester Léa und dem behinderten Knecht Rudy auf einem Hof mit einer Hühnerzucht. Der heiße Sommer 1976 bringt mit seiner Hitze und Trockenheit das ganze labile Gefüge zum Einstürzen. Auguste berichtet davon, dass seine Mutter mit ihrer Freundin die Familie verlässt und auch sonst ist nichts mehr, wie es vorher war. Als seine zahme und verletzte Taube aus dem Fenster stürzt, schreibt er: "Auf diese traurige Art und Weise beendete meine stumpfsinnige Taube ihre stumpfsinnige Existenz. Tatsächlich setzte ihr Verschwinden den Schlusspunkt zum Intermezzo dieses Sommers 1976, und nichts Anormales, mit Ausnahme jenes Anormalen, das üblicherweise als normal gilt. ereignete sich mehr bei uns".
EGr

Hanns-Josef Ortheil: Blauer Weg

Hanns-Josef Ortheil hat seinem zuerst 1996 erschienen Buch in der Neuauflage von 2014 einen Essay vorangestellt. Darin erklärt er aus heutiger Sicht, warum er damals die Wendezeit literarisch begleitet hat. In den Jahren 1989 bis 1995 schreibt er in tagebuchartigen Kapiteln seine Erlebnisse und Gedanken zur deutschen Wiedervereinigung auf. Spannende und berührende Begegnungen in Prag, in Berlin, in Rom, an vielen anderen Orten und immer wieder zu Hause in seinem Haus in Stuttgart machen aus diesem Buch eine sehr interessante und bewegende Lektüre.
EGr

Kerstin Preiwuß: Restwärme

Die Lyrikerin Kerstin Preiwuß erzählt in ihrem ersten Roman von einer jungen Frau, die zur Beerdigung ihres Vaters in ihren kleinen Heimatort in Mecklenburg zurückkehrt. Marianne, Geologin und alleinerziehende Mutter einer jugendlichen Tochter lebt in Berlin. Während dieses kurzen Aufenthaltes im Haus ihrer Kindheit - bei ihrer Mutter und ihrem Bruder - erinnert sie sich zurück. Das Familienleben war sehr schwierig; das Elternhaus lieblos, der Vater Alkoholiker und recht gewalttätig. Jetzt fühlt sie sich fremd in ihrem Elternhaus und auch mit ihrer Mutter und ihrem Bruder kann sie keine gemeinsame Ebene finden. Tassen und Teller stehen immer noch an den alten Orten. Jeder Handgriff ist ihr vertraut. "Es war wie immer. Man konnte weggehen und noch selbständig sein, man konnte sich ein eigenes Leben aufbauen, aber kaum kehrte man zurück, holte es einen wieder ein. Als würde es einen in den Boden rammen, dem man längst entwachsen war."
EGr

Tim Parks: Italien in vollen Zügen

Tim Parks wurde in Manchester geboren, lebt aber seit vielen Jahren in Italien. Er wohnt in Verona und arbeitet als Professor für Literarisches Übersetzen in Mailand.
Als Pendler und Schriftsteller hat er einen geschärften Blick auf die Italiensiche Eisenbahn und die speziellen Gegebenheiten mit allen Dingen, die damit in Zusammenhang stehen: Bahnhöfe und Bars, Fahrkartenautomaten und Fahrkartenschalter, Schaffner und Schalterbeamte, Pendler und Touristen und was ihm sonst noch alles bei seinen täglichen Fahrten Erwähnenswertes begegnet. Es ist faszinierend, wie es Tim Parks gelingt, über die Eisenbahn ein über 300 Seiten dickes Buch zu schreiben, das so spannend, aufschlußreich und unterhaltsam ist. Ein Lesegenuss für Eisenbahn- und Italienfans!
EGr

Thomas Montasser: Ein ganz besonderes Jahr

Der Münchner Journalist und Literaturagent Thomas Montasser hat einen netten kurzen Roman über die Liebe zu Büchern geschrieben.
Die junge Betriebswirtin Valerie findet sich in der kleinen Buchhandlung ihrer Tante Charlotte wieder, die eines Tages verschwunden ist. Die Buchhandlung hat Charlotte in die Verantwortung von Valerie gelegt. Diese hatte bisher keinen Bezug zu Büchern und Literatur. Doch dies wird sich im Lauf des Jahres ändern.
Ein schönes Buch über die Liebe zur Literatur und zu kleinen Buchhandlungen!
EGr

Jean-Philippe Toussaint: Nackt

"Nackt" ist der vierte und letzte Teil des faszinierenden Romanzyklus um die Modeschöpferin und Künstlerin Marie. Wieder spielt die Geschichte zwischen Tokyo, Paris und Elba.
Die düstere und leidenschaftliche Handlung dreht sich um den mysteriösen Ich-Erzähler, der von Marie geliebt, an sich gezogen und doch immer wieder zurückgestoßen wird.
Man kann den Roman "Nackt" zwar eigenständig lesen; aber das Lesevergnügen und das Verständnis für das neue Buch ist sicher höher, wenn man auch die ersten drei Romane gelesen hat: "Sich lieben", "Fliehen" und "Die Wahrheit über Marie".
EGr

Kristof Magnusson: Arztroman

Der "Arztroman" von Kristof Magnusson, einem isländisch-deutschen Autor, ist ein richtig spannender Schmöker.
Anita Cornelius lebt in Berlin und arbeitet als Notärztin. Von Adrian, ihrem Exmann hat sie sich in bestem Einvernehmen getrennt. Adrian und Lukas, der vierzehnjährige Sohn leben bei der neuen Freundin Heidi.
Seit Anita von ihrem Mann und Sohn getrennt lebt, ist ihr Beruf ihr Ein und Alles. Je mehr Dienste um so besser. Doch eines Tages findet Anita Adrian mit einem Narkosemittel zugedröhnt auf der Krankenhaustoilette.
Der Leser begleitet Anita, während ihr Leben immer mehr auseinander zu fallen scheint. Gelingt es ihr am Ende, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen und gefühlsmäßig Fuß zu fassen?
EGr

Eleni Torossi: Als ich dir zeigte, wie die Welt klingt

Eleni Torossi ist in Athen geboren und lebt seit 1968 in München. Sie studierte Politikwissenschaften und schreibt für den Bayerischen Rundfunk Kulturbeiträge und Reportagen.
In ihrem neuen Roman erzählt sie eine Geschichte von Mutter und Tochter. Die Mutter ist gehörlos und die Tochter fühlt sich von klein auf immer für sie verantwortlich. Die Beiden bilden eine enge Gemeinschaft, wandern von Griechenland nach Deutschland aus und versuchen in München Fuß zu fassen. Sie schlagen sich als Putzfrau und Küchenhilfe durch; ihr Asylantrag wird genehmigt und so haben sie die Chance, ein stabiles Leben aufzubauen, Freundschaften zu schließen, zu studieren und zu arbeiten.
EGr

Hanns-Josef Ortheil: Die Berlinreise

Mein Lieblingsschriftsteller Hanns-Josef Ortheil hat sein Reisetagebuch, das er als Zwölfjähriger geschrieben hat, wiederentdeckt. Er verbrachte zusammen mit seinem Vater im Jahr 1964 eine Woche in der geteilten Stadt und hat seine Gedanken und Erlebnisse in seinem Notizbuch notiert. Ortheils Eltern haben am Anfang ihrer Beziehung in Berlin gelebt und hatten sowohl schöne als auch bedrückende Erinnerungen.
Vater und Sohn durchstreifen - teils mit einem Freund und teils alleine - die Stadt. Viele Erinnerungen werden beim Vater wach, an denen er auch seinen Sohn teilhaben lässt.
Schön, mal zur Abwechslung ein Buch zu lesen, in dem es ein gutes und verständnisvolles Vater-Sohn-Verhältnis gibt.
EGr

Vanessa F. Fogel: Hertzmann's Coffee

Erzählt wird eine Familiengeschichte über ein altes jüdisches Ehepaar. Yankele und Dora Hertzmann sind nach dem Krieg nach New York ausgewandert und haben eine florierende Kaffeefirma gegründet. Sie haben vier - inzwischen erwachsene - Kinder und haben immer ein ausgefülltes Leben geführt und sich gegenseitig geliebt und geschätzt.
Yankele möchte nun seine Nachfolge in der Firma unter seinen Kindern regeln, stösst damit aber auf keinerlei Gegenliebe. Die Kinder sind zerstritten; es geht ihnen auch nicht um die Firma, sondern um's Geld.
Die Handlung wird aus drei Perspektiven erzählt: von Yankele Hertzmann selbst, von seinem Neffen aus Venezuela und von seinem Enkel aus Berlin.
EGr

Anne von Canal: Der Grund

Eine gekonnt erzählte Familiengeschichte, die im Untergang der Estonia gipfelt.
Laurits wächst mit seiner frustrierten Mutter und seinem dominanten Vater auf. Er hat das Klavierspielen für sich entdeckt, spielt sehr gut und möchte Konzertpianist werden; sein Vater hat für ihn jedoch eine Karriere als Arzt vorgesehen. Eine Konstellation, die so nicht funktionieren kann.
Laurits ergibt sich seinem Schicksal, wird ein erfolgreicher Arzt und hat eine glückliche kleine Familie. Doch bei einer Familienfeier kommen verschiedene Dinge ans Licht, die das ganze fragile Gefüge in sich zusammenbrechen lassen. Laurits kann es nicht akzteptieren, dass sein Leben und das seiner Familie nur auf Lügen aufgebaut war.
EGr

Per Petterson: Nicht mit mir
 
Wieder ein schöner neuer Roman vom norwegischen Schriftsteller Per Petterson. Alle seine Bücher haben mir bisher sehr gut gefallen. Im neuen Roman erzählt er von zwei Freunden und deren Familien. Jim und Tommy gingen zusammen in die Schule und haben sehr viel Zeit miteinander verbracht. In beiden Familien gab es Schwierigkeiten. Irgendwann trennten sich die Wege; die Geschichte wird aus verschiedenen Blickwinkeln und aus verschiedenen Zeitebenen sehr anschaulich erzählt.
Jim wächst mit seiner alleinerziehenden Mutter relativ behütet auf. Tommy und seine 3 kleineren Geschwister werden vom Vater immer wieder verprügelt. Die Mutter hat schon ziemlich bald das Weite gesucht. Den Kindern ist dies nicht möglich. So versucht Tommy durch seine Freundschaft zu Jim und durch das gute Verhältnis zu seinen Geschwistern irgendwie einen Tag nach dem anderen zu überstehen.
Einsamkeit, Depression und Gewalt stehen tiefen Freundschaften gegenüber. Als sie älter sind scheitern alle am Leben.
EGr

Johan Bargum: Septembernovelle

Der finnlandschwedische Schriftsteller Johan Bargum erzählt hier auf wenigen Seiten eine Geschichte aus der Sichtweise der beiden Protagonisten Olof und Harald.
Die beiden kennen sich lose. Sie sind sich immer aus dem Weg gegangen, weil sie mit der selben Frau verheiratet gewesen sind. Eines Tages - die Frau lebt schon lange nicht mehr - unternehmen sie eine gemeinsame Segeltour.
Was ist dort geschehen, dass sogar die Polizei ermittelt? Was ist wahr? Dem Leser werden beide Varianten - sowohl die von Olof, als auch die von Harald - aufgetischt. Ein spannendes, schnell gelesenes Buch, das viele Fragen offen lässt.
EGr

Valérie Tong Cuong: Das Atelier der Wunder

Das "Atelier der Wunder" ist eine Organisation, die Räume zur Verfügung stellt, in denen Menschen in einem geschützten Rahmen geholfen werden kann. Menschen, die in ihrem Leben in einer Sackgasse gelandet sind, verzweifelt sind und nicht mehr weiter wissen, werden hier betreut und können so wieder Fuß fassen. Dies ist zumindest die Intention des Organisations-Leiters Monsieur Jean. Was sonst noch hinter Monsieur Jeans Absichten steckt, wird erst im Lauf des Romans deutlich. Die verzweifelte Lehrerin Mariette, Millie, die in einer Zeitarbeitsfirma ausgenutzt wurde und der frühere Offizier und jetzt obdachlose Mike, finden hier für eine gewisse Zeit zusammen. Vermeintlich helfen sie sich gegenseitig; doch dann bricht das ganze fragile Gefüge wieder in sich zusammen.
EGr

Carmine Abate: Zwischen zwei Meeren

Nun ist in deutscher Sprache - nach seinem Buch "Der Hügel des Windes" - auch der Titel "Zwischen zwei Meeren" erschienen. Carmine Abate hat eine verwobene und bildreiche Familiengeschichte erzählt, die in seiner Heimat Kalabrien spielt.
Der in Hamburg lebende Jugendliche Florian lernt allmählich seine Familie mütterlicherseits in einem Dorf in Kalabrien kennen und lieben. Sein energischer und zielstrebiger Großvater Giorgio Bellusci ist die zentrale Figur der Handlung. Sein Leben und das seiner Familie wird in mehreren Ebenen und Erzählsträngen bildreich dargestellt.
Dann ist da aber auch noch der unnahbare und respekteinflößende Großvater väterlicherseits. Der berühmte Fotograf Hans Heumann, der von einer Vernissage zur nächsten reist. In ihrer Jugend hatten sich die beiden Großväter zufälligerweise kennengelernt und haben mehrere Monate zusammen auf Reisen in Süditalien verbracht; für beide ein Gewinn.
Gegen alle Widerstände - auch die der Schutzgeldforderung der Ndrangheta - möchte Giorgio die Familienherberge "Fondaco del Fico" wieder aufbauen. Wird ihm das am Ende gelingen?
EGr

Ulla-Lena Lundberg: Eis

Die finnlandschwedische Autorin Ulla-Lena Lundberg hat ein bewegendes Buch über eine junge Pfarrersfamilie geschrieben. Petter Kummel hat nach Ende des Zweiten Weltkriegs seine erste Stelle auf den abgelegenen Örar-Inseln erhalten. Er füllt den Platz und die Aufgabe zusammen mit seiner Frau Mona auf's Beste aus. Petter ist für die Fischer, Bauern und für die sonstige Bevölkerung ein offener und verständnisvoller Seelsorger. Mona kümmert sich um die beiden kleinen Töchter, um Haus, Garten und um die Kühe.
Die Autorin versteht es, das Leben auf den abgelegenen Inseln mit seinen Höhen und Tiefen, seinen Freuden und Mühen lebendig werden zu lassen. Detailliert schildert sie den Alltag der Familienmitglieder und der Inselbewohner. Sie gewann mit diesem Buch den Finnlandia-Preis, die höchste literarische Auszeichnung Finnlands.
EGr

Jean-Philippe Blondel: 6 Uhr 41

Der französische Autor erzählt in diesem kurzen Roman von einer Zugfahrt, die um 6 Uhr 41 beginnt und aus der Provinz nach Paris führt.
Cecile hat das Wochenende bei ihren Eltern verbracht. Nun fährt sie zurück zu ihrem Mann und ihrer fast schon erwachsenen Tochter. Der Platz neben ihr ist noch frei und ein Mann setzt sich zu ihr. Es ist Philippe Leduc. Die beiden waren vor 30 Jahren für 4 Monate ein Paar. Eine spontane Fahrt nach London hat damals das Ende der Beziehung bedeutet. Was ist damals passiert? Was passiert jetzt? - Die beiden wagen es nicht, sich einander zu erkennen zu geben. Sie schweigen sich an, hängen jedoch beide ihren Erinnerungen nach.
Ein leises Buch, in dem nicht viel gesprochen wird; dennoch ist es ein sehr spannender Roman, von dem man schnell gefesselt wird.
EGr

Rax Rinnekangas: Der Mond flieht

Für diesen Roman, der im Original bereits 1991 erschienen ist, erhielt der finnische Schriftsteller, Filmemacher und Photograph Rax Rinnekangas damals den finnischen Literaturpreis. Finnland ist 2014 Gastland der Frankfurter Buchmesse; so wurde dieses Buch jetzt auch ins Deutsche übersetzt.
Rinnekangas hat einen kurzen intensiven Roman über einen Sommer in einem kleinen finnischen Dorf geschrieben. Der dreizehnhährige Lauri erzählt von einer Tragödie, die sich mit seiner Cousine Sonja und ihrem Bruder Leo ereignet. Die Drei sind eine verschworene Gruppe, sie sich ihre eigene Welt erschaffen. Sie entfliehen der frommen Strenge und erfinden eine mystische Parallelwelt. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verwischen. Und schließlich passiert ein Unglück und von einer Sekunde auf die nächste ist alles anders.
EGr

Julia Engelmann: Eines Tages, Baby

Julia Engelmann studiert Psychologie, hat aber auch schon Erfahrung als Schauspielerin gemacht. Sie wurde mit Ihrem Poetry-Slam-Beitrag "One Day" bekannt, der im Internet und auf Youtube schnelle Verbreitung und Begeisterung fand.
In Ihrem Buch hat sie nun auch andere Texte und Poetry-Slam-Beiträge versammelt, die allesamt ähnliche Themen aufgreifen. In der Biblitohek auch als Hörbuch entleihbar.
EGr

Robert Seethaler: Ein ganzes Leben

Schon das Buch "Der Trafikant" von Robert Seethaler hat mir sehr gut gefallen. Das neue Buch findet jetzt in der Presse noch mehr Beachtung und ist wieder sehr empehlenswert.
Anfang des 20. Jahrhunderts stirbt die Schwägerin des Bauern Hubert Kranzstocker an der Schwindsucht. Ihr Sohn Andreas Egger wird auf den Kranztocker-Hof in ein kleines Dorf im Gebirge geschickt. Mit seinen Stiefgeschwistern durchlebt Andreas eine harte und ungeliebte Kindheit. Vom Bauern wird er immer wieder geschlagen und trägt ein kaputtes Bein davon. Mit 29 hat er genügend Geld, um einen kleinen Heuschober und Grund zu pachten, auf dem er Gemüse anbaut. Seine Liebe zu Marie, eine Lawine, die Zerstörung in den Ort bringt und der Krieg bestimmen die nächsten Jahre seines Lebens. Mit der Seilbahn kommt Arbeit, Fortschritt und Lärm in den Ort. Andreas Egger versucht immer wieder, seinen Platz und seinen Frieden zu finden.
EGr

Alva Sokopp: Ein Leben in 23 Tagen

Die Autorin Alva Sokopp hat Sonder- und Heilpädagogik studiert und lebt in Wien. Sie arbeitet als Sonderheilpädagogin, Stresspräventionstrainerin und Craniosacral-Praktikerin.
In ihrem Roman erzählt sie von einem jungen erfolgreichen Werbetexter, dem eines Tages durch eine mysteriöse Stimme gesagt wird, dass er nur noch 23 Tage zu leben hat. Er nimmt sich sofort eine Auszeit von seiner Firma, verliebt sich auch noch in eine Traumfrau und versucht seine letzten Tage möglichst sinnvoll und erfüllt zu nutzen.
Ein unterhaltsames, aber trotzdem nachdenkliches Buch, das schnell gelesen ist.
EGr

Susanna Tamaro: Ein jeder Engel ist schrecklich

In diesem autobiographischen Roman beschreibt die italienische Schriftstellerin Susanna Tamaro ihren beschwerlichen Weg hin zu einem erwachsenen und selbstbestimmten Menschen.
Im Dezember 1957 geboren, war ihre Kindheit in Triest schwer, lieblos und einsam. Susanna Tamaro war extrem schüchtern, unsicher und voller Ängste.
Der Vater ging meistens keiner geregelten Arbeit nach, hatte dafür aber viele Frauen. Die Mutter zerbrach an ihren unerfüllten Wünschen nach einer heilen Familie. Der ältere Bruder war ein Quälgeist und im Familiengefüge keine Hilfe. Nach dem Schulbesuch hat sie in Rom eine Ausbildung zur Filmregisseurin gemacht; ihre Liebe gehörte aber schon früh dem Schreiben.
EGr

Anna Gavalda: Nur wer fällt, lernt fliegen

Billie und Franckh wachsen beide in schwierigen familiären Verhältnissen auf. Sie lernen sich beim Einstudieren eines Schultheaterstücks kennen, dabei entwickelt sich eine Freundschaft fürs Leben - wie verschieden ihr Leben auch gerade läuft, nie verlieren sie sich gegenseitig aus den Augen, sind dem anderen eine Stütze und werden sich so zur "Ersatzfamilie" - ob Liebe dabei auch im Spiel ist? Ein wunderbarer Roman für lange Sommerabende!
BGr

Tanja Langer und David Majed: Der Himmel ist ein Taschenspieler

Ein wunderbarer Roman über Afghanistan und die emotionale Zerissenheit zwischen zwei Ländern. Die Berliner Autorin Tanja Langer und der afghanische Entwicklungshelfer David Majed erzählen in ihrem gemeinsamen Roman „Der Himmel ist ein Taschenspieler“ eine deutsch-afghanische Familiengeschichte.
Der in Deutschland aufgewachsene Mathematiker Martin Mahboob Malik wird von seinem Vater nach 20 Jahren gebeten, ihn in Kabul zu besuchen. 1979 ist er zusammen mit seiner Mutter nach Deutschland geflohen. Afghanistan ist nach dem Abzug der Thaliban sehr verändert; aus der Zeit seiner Kindheit ist in Kabul nicht mehr viel wiederzuerkennen.
Hin- und hergerissen zwischen Deutschland und Afghanistan, zwischen Mutter und Vater, zwischen seiner Universität und der Aufbauhilfe in seiner alten Schule in Kabul, versucht Mahboob Klarheit in seine Gedanken, seine Identität und in sein Leben zu bringen. Erinnerungen und neue Erfahrungen und Begegnungen bringen ihn immer wieder an seine Grenzen.
EGr

Helene Hanff: 84 Charing Cross Road

Wer mal wieder ein älteres Buch lesen möchte, hat mit dieser "Freundschaft in Briefen" ein sehr schönes Buch in der Hand. Die Originalausgabe erschien bereits 1970 und wurde 2002 in Deutschland veröffentlicht.
Hier kann man einen sehr netten und etwas altmodischen Briefwechsel zwischen der New Yorker Drehbuchautorin Helene Hanff und den Angestellten eines kleinen Antiquariats in London nachlesen. Die amerikanische Vielleserin Helene und der britische Buchhändler Frank Doel tauschen sich erst nur über geschäftliche Themen aus. Doch schon bald entwickelt sich daraus eine Art Brieffreundschaft, die auch noch die anderen Angestellten des Antiquariats miteinbezieht.
EGr

Daniel Woodrell: In Almas Augen

Der Roman dreht sich um eine Explosion in der Arbor Dance Hall in Missouri, die im Sommer 1929 stattfand. Bei einer Tanzveranstaltung sind über 40 Personen ums Leben gekommen.
Die Haushälterin Alma hat ihre schöne und verführerische Schwester Ruby in den Flammen verloren und glaubt nicht an einen Unfall. Als sie beginnt, Nachforschungen zu betreiben, verliert sie ihre Arbeit bei der einflussreichen Familie Glencross und wird im Ort ausgegrenzt. Macht und Abhängigkeit in der Kleinstadt sind für Alma zu einem großen Problem geworden. 40 Jahre später versucht sie, ihre eigene Theorie und ihre eigene Geschichte über die damaligen Geschehnisse zu verarbeiten, in dem sie sie ihrem jungen Enkel Alek erzählt.
EGr

Tomas Espedal: Wider die Natur

Der norwegische Autor hat einen Liebesroman geschrieben, der von der Presse durchwegs positiv aufgenommen und hochgelobt wurde.
Ein norwegischer Schriftsteller, Ende Vierzig, verliebt sich in eine wesentlich jüngere Frau. Als sie sich nach kurzer Zeit von ihm trennt, erinnert er sich auch an seine bisherigen Liebesbeziehungen, die allesamt nicht problemlos, aber sehr intensiv waren.
In Rückblenden und Perspektivwechseln erzählt er in einer direkten und prägnanten Sprache sein Leben, so dass ein wirklich stimmiger Roman entstanden ist.
EGr

Erwin Koch: Von dieser Liebe darf keiner wissen

Erwin Koch hat hier zehn wahre Geschichten versammelt, die allesamt sehr spannend und packend geschrieben sind. Erwin Kochs Reportagen wurden zuerst in verschiedenen Magazinen veröffentlicht, u.a. in der "Zeit" und im "Stern"; jetzt sind sie auch in Buchform erschienen. In den tiefgehenden Texten wird von tragischen Schicksalen erzählt. Es geht dabei immer auch um existenzielle Fragen des Lebens - sachlich und eindringlich zugleich.
EGr

Dagmara Dominczyk: Wir träumten jeden Sommer

Dagmara Dominczyk stammt aus Polen und lebt in New York. Sie erzählt die Geschichten dreier junger Frauen, die aus demselben kleinen polnischen Dorf stammen. Aus den drei Perspektiven und abwechselnd in der Vergangenheit und in der Gegenwart wird dieser Roman aufgebaut.
Die Lebenswege der drei jungen Frauen trennen sich ziemlich schnell und führen in vollkommen unterschiedliche Richtungen. Trotz der verschiedenen Lebensentwürfe bleiben die Freundinnen in lockerer Verbindung. Die Sehnsucht nach der Heimat ist groß.
EGr

Véronique Olmi: Das Glück, wie es hätte sein können

Der sechzigjährige Immobilienmakler Serge führt eine glückliche Ehe mit seiner wesentlich jüngeren und sehr schönen Frau Lucie. Die beiden haben zwei kleine Kinder; Théo spielt Klavier.
Serge beginnt eine Affäre mit der Klavierstimmerin Suzanne. Sie ist weder jung noch schön; doch irgendetwas zieht ihn zu ihr.
Die Ereignisse bringen ihn dazu, sich wieder an seine Kindheit zu erinnern. Serge sollte ins Internat geschickt werde, als seine Mutter beschlossen hatte, den gewalttätigen und alkoholsüchtigen Mann zu verlassen. Sie hatte einen Freund, zu dem sie ziehen wollte. Durch ein Mißverständis endet alles in einer Katastrophe.
Wieder ein gekonnt konstruierter Roman der französischen Autorin Véronique Olmi.
EGr

Yahya Hassan: Gedichte

Ein Buch, das sicher nicht jedem gefällt - aber interessant sind die provokanten und radikalen Gedichte allemal!
Yahya Hassan wurde 1995 in Dänemark in Aarhus geboren. Er wächst in einer Gegend mit hohem Migrantenanteil auf. Er ist ein "staatenloser Palästinenser mit dänischem Pass". Sein Vater ist gewalttätig und ein religiöser Fanatiker; mit der Heuchelei und Verlogenheit kommt Yahya nicht zurecht. Das Thema Integration ist auch in Dänemark ein großes Problem.
Yahya Hassan rutscht schon früh in die Kriminalität ab. Sein Weg führt über Drogen und Kleinkriminalität in sonderpädagogische Einrichtungen für straffällig gewordene Jugendliche. Sonderpädagogen, Jugendfürsorger und Gefängnispsychiater versuchen, sich um ihn zu kümmern. Seit er mit seinen Gedichten in Dänemark berühmt geworden ist, wird er auch noch von Sicherheitsbeamten begleitet.
EGr

Yasmina Khadra: Der Schreiber von Koléa

Der algerische Autor erzählt in disem Roman von seiner eigenen Kindheit und Jugend. Als kleines Kind wurde er von seinem Vater sehr geliebt. Doch dann wird er zur Erziehung schon sehr früh in eine Kadettenanstalt geschickt. Der Weg für eine militärische Laufbahn ist vorgegeben. So quält sich der Junge durch diese harte und freudlose Zeit. Schon früh entdeckt er seine Liebe zum Lesen und Schreiben. Das Elternhaus zerbricht schon bald und so bleibt er weitestgehend sich selbst überlassen. Er entwickelt sich zu einem der bekanntesten algerischen Schriftsteller und lebt heute mit seiner Familie in Frankreich.
EGr

Roy Jacobsen: Die Unsichtbaren

Der Fischer Hans Barrøy lebt mit seiner Frau auf einer kleinen abgelegenen Insel an der Küste Nordnorwegens. Zusammen mit Großvater, Schwester und der kleinen Tochter Ingrid verbringen sie hier ein hartes aber zufriedenes Leben. Durch die Schule bekommt Ingrid Kontakt zur Außenwelt. Sie geht aufs Festland und tritt dort eine Stellung als Haus- und Kindermädchen an. Eines Tages verschwinden die Eltern und Ingrid steht mit den Kindern alleine da. So kehrt sie mit den Kindern auf die Insel zurück. Doch hier ist das Leben nicht einfacher geworden.
Roy Jacobsens beschreibt sehr intensiv das Leben auf der kargen Insel. Der Kampf mit dem wilden Meer, die Naturgewalten, Armut und Tod stehen im Mittelpunkt des damaligen Insellebens.
EGr

Wallace Stegner: Die Nacht des Kiebitz

Ursprünglich ist dieser Roman 1976 erschienen. Der Deutsche Taschenbuch Verlag hat jetzt neben den Romanen "Zeit der Geborgenheit" und "Vor der Stille der Sturm" auch diesen Titel von Stegner neu aufgelegt.
Auch hier geht es um ein alterndes Ehepaar. Joe Allston, Literaturagent in Ruhestand und seine Frau erinnern sich an Hand des Tagebuchs von Joe an eine Reise nach Dänemark, die sie vor vielen Jahren gemeinsam unternommen hatten. Auf dieser Reise lernten sie eine verarmte und einsame Gräfin kennen, bei der sie für mehrere Wochen ein Zimmer bezogen. Durch deren verworrene und komplizierte Familiengeschichte, kam damals auch ihr eigenes Leben in Unruhe. Das bis dahin geruhsame Zusammenleben drohte, aus dem Gleichgewicht zu geraten.
EGr

Jan Guillou: Die Brüder

Im ersten Buch "Die Brückenbauer" schrieb Jan Guillou von der Kindeit der drei norwegischen Brüder Lauritz, Oscar und Sverre. Er beschrieb die Studienzeit der drei Studenten der Ingenieurwissenschaft in Dresden; anschließend begleitete der Leser abwechselnd Lauritz beim Bau der Bergenbahn und Oscar, der sein Glück in Afrika gesucht hat. Wie es mit dem abtrünnigen Sverre weiterging blieb hingegen offen. Dies erfährt man nun im zweiten Teil "Die Brüder".
Sverre ging mit seinem Freund Albie nach England und führt dort ein spannendes und weitgehend unbeschwertes Leben auf dem Familiensitz der Manninghams. Die beiden jungen Männer nehmen an den aufsehenerregenden kulturellen Entwicklungen des anbrechenden 20. Jahrhunderts teil. Doch auch vor dieser scheinbar glücklichen Umgebung machen die weltpolitischen Ereignisse keinen Halt.
EGr

Gertraud Klemm: Herzmilch

Die österreichische Autorin Gertraud Klemm hat sich nach Ihrem Biologiestudium dem Schreiben zugewandt. Nach Tagebüchern, Erzählungen und Prosatexten hat sie nun ihren ersten Roman veröffentlicht.
Mit autobiographischen Anklängen geht es darin um eine Frau, die sich sehr viele Gedanken um ihr Frausein macht. Sie berichtet von ihrer Kindheit, von ihrer Entwicklung und Jugendzeit, von ihrer schwierigen Suche nach einer tragbaren Beziehung und schließlich von ihrer Rolle als Mutter. Orientierungslosigkeit, Selbstzweifel und Unentschlossenheit machen ihr das Leben schwer und lassen einen nachdenklichen Text entstehen.
EGr

Sahar Delijani: Kinder des Jacarandabaums

Sahar Delijani schreibt ihren ersten Roman in Anlehnung an ihre eigene Familiengeschichte. Sie wurde 1983 im Evin-Gefängnis in Teheran geboren. Ihre Mutter war eine politische Gegnerin des Regimes und hat aktiven Widerstand  geleistet. In den 1980er Jahren wurden im Iran zahllose Frauen und Männer verhaftet und oft ohne eine ordentliche Gerichtsverhandlung hingerichtet, ohne dass ihre Angehörigen je von ihrem Verbleib erfuhren.
Der Roman umfasst eine Zeitspanne von 1983 bis 2011 und erzählt die Geschichte aus der Sicht verschiedener Frauen.
Er handelt von Neda, von ihrer Mutter Azar, von ihrem Vater, den sie nicht kennenlernt und von ihren Cousins und Cousinen. Die Famile versucht für die Kinder der Inhaftierten eine glückliche Kindheit zu gewährleisten. Vieles wird verheimlicht und verschwiegen, bis die schicksalhaften Geschichten schließlich im Erwachsenenalter doch an die Oberfläche brechen. Erst als Neda älter wird erkennt sie langsam die Zusammenhänge.
EGr

Martin Winckler: Es wird leicht, du wirst sehen

Martin Winckler ist Arzt, Übersetzer und Autor. 1955 wurde er in Algier geboren, wuchs in Frankreich auf und lebt jetzt in Quebec. Ihm ist ein dünner, aber sehr gehaltvoller Roman gelungen - genau so, wie ich es liebe. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite; kein Satz zu viel; jeder Satz sitzt.
Dieses Buch regt an, über Leben und Sterben, über Liebe und Freundschaft nachzudenken und sich vor allem über das Thema Sterbehilfe Gedanken zu machen.
Der Arzt Emmanuel Zacks flieht vor der Routine und der Unmenschlichhkeit des Klinikalltags. Er wird Schmerzspezialist und nimmt sich mit Offenheit und Ehrlichkeit viel Zeit für seine Patienten.
Dieses Buch ist eine Liebesgeschichte und ein Buch über ein umstrittenes Thema. Es stellt Fragen, regt zum Nachdenken an, gibt aber keine eindeutigen Antworten.
EGr

Walter Kappacher: Die Werkstatt

Der Salzburger Schriftsteller Walter Kappacher hat nach seiner Schulzeit eine Lehre als Motorradmechaniker gemacht und auch als Reisebürokaufmann gearbeitet. Seit 1964 schreibt er und hat viele Literatur-Preise erhalten.
Nun wurde sein Debütroman von 1974 "Die Werkstatt" wieder aufgelegt. Zurückhaltend und ruhig berichtet er in Rückblenden aus dem Alltag im Arbeitermilieu einer Salzburger Auto- und Motorradwerkstatt in den 50er-Jahren.
Seeger ist in Amerika Rennfahrer und kehrt nach einem Krankenhausaufenthalt für einen kurzen Urlaub in seine Heimat nach Salzburg zurück. Hier sucht er seinen alten Ausbildungsbetrieb wieder auf und erinnert sich zusammen mit ein paar alten Kollege an seine Lehrzeit.
EGr

Thomas Klugkist: Hanna und Sebastian

Der Berliner Redakteur und Autor Thomas Klugkist hat einen Briefroman zwischen Hanna und Sebastian geschrieben, die sich schon seit ihrer Jugend kennen. Die beiden sind seelenverwandt, sind aber trotzdem nicht zusammengekommen. So tauschen sie sich über Jahre hinweg nur schriftlich aus. Die Freundschaft und auch das Leben der Beiden ist von Ehrlichkeit und Offenheit geprägt.
Ein schön zu lesender, kluger Roman, der den Wert von tiefer Freundschaft deutlich macht.
EGr

Jan Guillou: Die Brückenbauer

Der schwedische Schriftsteller Jan Guillou hat einen über 700 Seiten dicken Roman über 3 norwegische Brüder geschrieben; und es gibt auch noch einen zweiten Teil "Die Brüder". Lauritz, Oscar und Sverre wachsen in der Nähe von Bergen in einer armen Fischerfamilie auf. Als Vater und Onkel eines Tages nicht mehr vom Meer zurückkommen, schickt die Mutter die Kinder in die Stadt nach Bergen, weil sie sie nicht mehr ernähren kann. Durch eine glückliche Fügung finden sie Fürsprecher, die eine Schulausbildung finanzieren und anschließend ein Ingenieursstudium an der renommierten Hochschule in Dresden ermöglichen. Aus den drei Jungen werden angesehen Männer, die dazu bestimmt sind, die Brücken für die Bergenbahn zu bauen, um ihr Stipendium und die Unterstützung abzugelten. Doch alles kommt anders als geplant. Die drei verschlägt es in ganz verschiedene Richtungen. Ein sehr spannender Schmöker vom Anfang des 20. Jahrhunderts.
EGr

Peter Wawerzinek: Schluckspecht

Peter Wawerzinek ist Schriftsteller und Regisseur. Er wuchs nicht bei seinen Eltern, sondern in verschiedenen Heimen und bei Pflegefamilien auf. In seinem neuen autobiographischen Roman "Schluckspecht" verarbeitet er sein schwieriges Leben und seinen Alkoholismus. Die Hauptfigur des Romans ist Tante Lucie, die alkoholkrank ist. Der Ich-Erzähler wächst bei ihr und bei OnkelOnkel auf. Schon früh kommt er mit Alkohol in Kontakt und schafft es schließlich mit Hilfe des "Doktors" seine Sucht zu bekämpfen. "Alkohol hilft wie ein Freund, ist aber keiner" schreibt Peter Wawerzinek.
EGr

Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki

Das neue Buch von Haruki Murakami wird von den Kritikern sehr unterschiedlich bewertet: da geht es von der Meinung, dass der Autor eine unbeholfene Sprache und einfältige Gedanken hat, bis hin zur Bewunderung der emotionalen Kraft des Romans und der Einstufung als "genial".
Wie auch immer - mir hat der Roman sehr gut gefallen.
Der junge Mann Tsukuru Tazaki findet sich selbst farblos und uninteressant. In der Schulzeit war er in einer Clique von 5 jugendlichen Mädchen und Jungen. Schon zu Studienzeiten wurde er eines Tages von seinen Freunden ausgeschlossen. Er wusste nie, warum dies so war. Er hat nicht gefragt und es hat ihm auch niemand erklärt. Er wäre fast daran zerbrochen.
Schafft er es nun als 36jähriger Ingenieur, dass er den Dingen auf den Grund geht und dass aus ihm ein farbenfroher und zufriedener Mensch wird?
EGr

Selja Ahava: Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm

Die finnische Autorin Selja Ahava schreibt ein Buch über die alte und vereinsamte Frau Anna. In jungen Jahren lebte Anna mit ihrer großen Liebe Antti ein zufriedenes Leben in Finnland. Die beiden hatten eine Wohnung in der Stadt und ein Häuschen auf einer kleinen Insel. Die Ehe blieb kinderlos, was für Anna zeitlebens ein schwieriges Thema war.
Als Antti bei einem Autounfall ums Leben kommt, gerät das Leben von Anna mehr und mehr aus den Fugen. Im Alter erinnert sie sich an verschiedene Episoden ihres Lebens. Eine Geschichte um die Themen Leben und Tod, Erinnern und Vergessen - sehr poetisch und einfühlsam erzählt.
EGr

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